Zentrum entlastet Gemeinden

WEINFELDEN. Am 1. Januar 2015 nimmt das Kompetenzzentrum Integration für den Bezirk Weinfelden seine Arbeit auf. Schwerpunkte sind Beratung und Information der ausländischen Bevölkerung. 13 von 18 Gemeinden im Bezirk unterstützen das Zentrum ab 2016 auch finanziell.

Esther Simon
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Sonja Wiesmann Präsidentin des Vereins Integrationsförderung. (Bild: pd)

Sonja Wiesmann Präsidentin des Vereins Integrationsförderung. (Bild: pd)

Das Kompetenzzentrum – das ist kein protziges Haus, wie man meinen könnte. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Anlaufstelle in den Einwohnerdiensten an der Frauenfelderstrasse 10 in Weinfelden, die als bisherige Fachstelle Integration seit Jahren viel geleistet hat und diese Tätigkeiten ab dem 1. Januar 2015 als Kompetenzzentrum Integration fortführen wird.

13 von 18 Gemeinden dabei

Unterstützt wird das Kompetenzzentrum vom Verein Integrationsförderung im Bezirk Weinfelden. Sonja Wiesmann, Frau Gemeindeammann von Wigoltingen, präsidiert diesen Verein. Bisher haben sich 13 von 18 Bezirksgemeinden entschieden, dem Verein beizutreten und den errechneten Gemeindebeitrag ab dem Jahr 2016 zu entrichten. Damit wurden die Voraussetzungen für den Betrieb des Kompetenzzentrums nach jahrelangen Vorbereitungsarbeiten geschaffen. Mitglieder sind zum Beispiel die Gemeinde Bürglen mit einem Ausländeranteil von 26 Prozent und die Gemeinde Schönholzerswilen mit einem Ausländeranteil von 5,7 Prozent.

Hohe Abdeckung

«Die jetzigen beteiligten Gemeinden decken gemeinsam 85 Prozent der Gesamtbevölkerung und 92 Prozent der ausländischen Wohnbevölkerung im Bezirk Weinfelden ab», sagt Sonja Wiesmann. Die Kostenbeiträge der beteiligten Gemeinden ergeben ab 2016 etwa 90 000 Franken an das Gesamtbudget von 200 000 Franken. Die weiteren Beiträge leisten unter anderem Bund und Kanton. Die Schaffung des Kompetenzzentrums ist ein Auftrag des Bundes.

Schwerpunkttätigkeiten des Kompetenzzentrums sind Beratung und Information der zuziehenden Wohnbevölkerung.

Vor allem Deutschkurse

«Eine rasche Orientierung im neuen Lebensumfeld sowie Kenntnisse über Werthaltungen und Gepflogenheiten in der hiesigen Gesellschaft werden ergänzt durch ein bedürfnisgerechtes Angebot an Deutschkursen», sagt Monika Wittwer von der noch bis 31. Dezember wirkenden Fachstelle Integration. «Mit dem Kompetenzzentrum werden die Gemeinden von diesen Beratungen entlastet.»

Konkrete Beispiele von Beratungen sind die Vermittlung von Kontakten für die Umschreibung eines Fahrausweises oder für die Anerkennung von ausländischen Diplomen.

Bedarf weiterhin vorhanden

Bedarf und Nachfrage nach Integrationsangeboten seien weiterhin vorhanden, sagt Monika Wittwer. Die Statistik der Zuwanderung der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung für 2013 mache deutlich, dass alle Gemeinden des Bezirks von dieser Zuwanderung betroffen sind und neben deutschsprachigen Ausländern überall auch fremdsprachige Ausländer zuziehen. Das Migrationsamt des Kantons Thurgau schliesse mit bestimmten Personengruppen Integrationsvereinbarungen ab und verpflichte diese, Deutschkurse zu besuchen. Wittwer: «Das erhöht den Bedarf an Beratung und Kursangeboten deutlich.» Wittwer wird auch im Kompetenzzentrum arbeiten. Die Stellenleitung mit einem Pensum zwischen 50 und 60 Prozent wird demnächst besetzt.

Eine lange Tradition

In der Gemeinde Weinfelden hat die Integration von Ausländerinnen und Ausländern eine jahrzehntelange Tradition. Mann der ersten Stunde war und ist Roger Häfner-Neubauer, Leiter der Weinfelder Einwohnerdienste. Legendär sind die runden Tische, die die damalige Gemeinderätin Heidi Güttinger-Gebert einberufen hatte.

Bereits in den 1990er-Jahren hatte der Gemeinnützige Frauenverein Weinfelden in Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungszentrum Weinfelden Kurse in deutscher Sprache organisiert. Projekte zur sozialen Integration waren ein Abfalltag, ein Gesundheitstag und das Angebot «Spiel mit mir».

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