Zeller packt die Zukunft an

Die Arzneimittel-Firma Zeller investiert weiter am Standort Romanshorn. Für über 12 Millionen Franken baut das Familienunternehmen eine neue Verpackungsabteilung, die ihr ganz neue Möglichkeiten eröffnet.

Markus Schoch
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Zum gestrigen Spatenstich mit Vertretern des Stadtrates war die Belegschaft des Familienbetriebes eingeladen. (Bild: Reto Martin)

Zum gestrigen Spatenstich mit Vertretern des Stadtrates war die Belegschaft des Familienbetriebes eingeladen. (Bild: Reto Martin)

ROMANSHORN. Es war ein schwieriger Entscheid. Am Schluss fällte ihn die Geschäftsleitung aber «mit ruhigem Gewissen», gemäss Peter Kade, dem operativen Leiter der Zeller AG. Acht Jahre lang diskutierten die Verantwortlichen des Traditionsunternehmens im Bereich pflanzlicher Heilmittel über den Bau einer neuen Verpackungsabteilung. Gestern nun konnte Kade die Belegschaft endlich zum Spatenstich am Hauptsitz einladen, nachdem andere Projekte vorher immer dazwischengekommen waren. «Es ist ein Freudentag für uns», sagte er. «Wir sind für die Zukunft gerüstet.»

Läuft alles nach Plan, kann die neue Anlage Anfang 2017 in Betrieb genommen werden. Vorerst wird nur eine Linie laufen, deren Kapazität doppelt so gross ist wie diejenige der heutigen Maschine. Kommt die zweite Linie dazu, sind es sogar vier Mal so viel.

Ausstoss verdoppeln

Das zusätzliche Verarbeitungsvolumen ist nötig. «Wir rechnen damit, den Ausstoss in den nächsten fünf bis sechs Jahren zu verdoppeln», sagt Kade. Schon heute lässt die Zeller AG rund einen Drittel der produzierten Arzneimittel extern verpacken. Den Verpackungsbereich komplett auszulagern, stand zur Diskussion. «Wir haben uns aber dagegen entschieden, weil wir an unserer Philosophie festhalten wollen», sagt Kade. «Wenn wir weiter alles selber machen, können wir die Arbeitsplätze und Flexibilität behalten, die Wirtschaftlichkeit erhöhen sowie die Qualität beeinflussen und damit garantieren.»

Luft wird dünner

Die Investition von über 12 Millionen Franken will die Zeller AG aus dem laufenden Geschäft finanzieren und höchstens einen Übergangskredit beanspruchen. «So stehen wir weiter gesund da», sagt Kade. Der Geschäftsgang sei bis zum Entscheid der Nationalbank im Januar, den Mindestkurs aufzugeben, zufriedenstellend gewesen. «Wir haben zwei sehr gute Jahrzehnte hinter uns.» Jetzt werde die Luft zunehmend dünner: Einerseits wegen der immer strengeren Regulierung bei den Zulassungsverfahren von neuen Medikamenten und andererseits wegen der Preise, die unter Druck geraten.

Das neueste Ausbauprojekt setzte ein Zeichen, ist Kade überzeugt. Es sei ein Bekenntnis zum Standort Romanshorn und ein Signal an die Belegschaft, «dass wir an die Firma glauben». Es ist nicht das erste Signal dieser Art. Vor zwei Jahren baute die Firma bereits ein neues Labor für 12 Millionen Franken in Romanshorn, 2010 investierte sie rund sieben Millionen Franken in einen Neubau für die Vita Plant in Uttwil, die seit 2008 mehrheitlich der Zeller AG gehört. Auch in den Jahren davor gab es diverse Ausbauschritte. «Für ein über 150 Jahre altes Unternehmen sind wir ganz schön dynamisch unterwegs», sagt Kade.

Keine Selbstverständlichkeit

Über dieses Bekenntnis zu Romanshorn freut sich der zuständige Stadtrat Markus Fischer. «Es ist ein schöner Entscheid», sagte er gestern beim Spatenstich. Der Stadtrat sei sich bewusst, dass der Ausbau im heutigen wirtschaftlichen Umfeld alles andere als eine Selbstverständlichkeit sei.

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