Zeigt her eure Znüni-Box

In Spielgruppen und Kindergärten wird neuerdings wieder vermehrt darauf geachtet, dass die Kinder einen gesunden Znüni mitbringen. Mit Erfolg. Strikt verboten sind Süssgetränke, Schoggistengel – und bei manchen sogar Bananen.

Brenda Zuckschwerdt
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Birnen, Äpfel, Kräcker: Im Kindsgi von Silvia Keller in der Austrasse West in Weinfelden sind die Znüni-Boxen mit Gesundem gefüllt. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Birnen, Äpfel, Kräcker: Im Kindsgi von Silvia Keller in der Austrasse West in Weinfelden sind die Znüni-Boxen mit Gesundem gefüllt. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

WEINFELDEN. Leonie will ein Apfelgesicht. Eines, das lacht. Silvia Keller nimmt ihren Apfel, schneidet ihn an den richtigen Stellen ein – und fertig ist das Gesicht. Nebst einem lachenden Mund hat das Gesicht auch eine ziemlich grosse Nase. «Das ist schon fast ein Pinocchio», sagt die Kindergärtnerin und entlockt den Kindern ein Lachen.

Im Kindergarten Austrasse West in Weinfelden, der zum Primarschulzentrum Paul Reinhart gehört, schnitzt Silvia Keller täglich aus Äpfeln, Birnen und Rüebli Gesichter und Zahnbürsten, Müslis und Krokodile. Die Kinder finden's toll. «Es gibt selten ein Kind, das einfach so in einen Apfel beisst.»

Rüebli gegen Tomate

Zufrieden knabbern die 18 Kindergärtner an Äpfeln und Rüebli, Bananen und Kiwis, Darvida-Kräcker und Cherrytomaten. Wer mit dem, was er mitgebracht hat, nicht so ganz zufrieden ist, der schielt zu seinem Nachbarn und macht ihm ein Tauschangebot.

Rüebli gegen Tomaten getauscht – oder sogar auch Rüebli gegen Rüebli. Ena wird mit ihren Salzfischli ziemlich umlagert. Bald kann sich das Mädchen kaum noch erwehren. Silvia Keller greift ein. Achtet darauf, dass die Kinder fragen, bevor sie in Enas Znüni-Box greifen. Und sie stellt schliesslich klar: «So, die letzten Fischli isst Ena nun selber.»

Möglichst nichts Süsses

Sie versuche, sich möglichst wenig einzumischen, sagt Silvia Keller. Doch sie hat stets ein Auge darauf, was sie Kinder mitbringen. «Süsses ist bei uns nicht erlaubt.» Das gilt auch für Getränke – «bei uns wird nur Wasser getrunken».

Ganz so radikal wie in anderen Kindergärten, wo mitunter sogar Bananen tabu sind, ist man hier aber nicht. «Eine Banane ist für mich ein gesunder Znüni, der Energie gibt», sagt Keller. Auch wenn anlässlich eines Geburtstags ein Stück Kuchen in der Znüni-Box ist, drückt sie ein Auge zu. Das klappe ganz gut so. Zumal die Kinder selber ganz genau schauen, was die andern mitgebracht haben. «Da muss ich meist gar nicht einschreiten.» Wenn doch mal etwas dabei ist, was sehr süss oder ungesund ist, hat sie für den Notfall einen Ersatz-Znüni dabei: «Verhungern muss bei mir niemand.»

Nicht den Moralapostel spielen

Doch nicht nur auf Süsses oder Ungesundes macht Silvia Keller aufmerksam. Auch wenn ein Kind mitten im Winter Erdbeeren zum Znüni mitbringt, versucht sie zu erklären, weshalb das problematisch ist. Das macht sie aber nicht mit erhobenem Zeigefinger. «Ich will nicht den Moralapostel spielen», sagt sie. Vielmehr versuche sie, jene Kinder zu bestätigen, die einen gesunden Znüni mitgebracht haben. Indem sie zum Beispiel besonders die schönen Tomaten bewundert.

Die Kleinen singen den Blues

Doch beim Znüni geht es um mehr als nur um die Nahrungsaufnahme und Sättigung. Das beginnt schon beim «Znüni-Blues», den die Kinder gemeinsam mit Begeisterung singen. Danach wird auch im Kreis gegessen, geplaudert, getauscht und gelacht. «Znüni essen ist ein Ritual, das kein Kind missen will», sagt Kindergärtnerin Silvia Keller. Dass nur «Gesundes» gegessen wird, ist für die Kinder kein Problem. Gesunde Ernährung ist für die meisten von ihnen durchaus bereits ein Thema. Obwohl sie sich alle einig sind: «Ein Schoggistengeli wäre natürlich noch feiner!»

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