Wunsch nach einem Neuanfang

MANNENBACH. In Salenstein stehen die Zeichen auf Sturm: Die Findungskommission strebt am 8. März eine Gesamterneuerung des Gemeinderats an. Der langjährige Vize Roland Nothhelfer möchte Gemeindeammann Roland Streit ablösen.

Nicole D'orazio
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Die neuen Kandidaten für den Salensteiner Gemeinderat: Susann Christeler, Markus Irsslinger, Yvonne Baer als Schulpräsidentin, Roland Nothhelfer als Gemeindeammann, Lorenz Stopper und Tamara Müller. (Bild: Reto Martin)

Die neuen Kandidaten für den Salensteiner Gemeinderat: Susann Christeler, Markus Irsslinger, Yvonne Baer als Schulpräsidentin, Roland Nothhelfer als Gemeindeammann, Lorenz Stopper und Tamara Müller. (Bild: Reto Martin)

Sein Name ist Programm: «Eigentlich wollte ich aufhören. Doch die Situation in der Gemeinde hat sich so drastisch verändert, dass ich das nicht kann», sagt Roland Nothhelfer an der Pressekonferenz der Findungskommission am Montagabend. «Ich konnte mein Versprechen, dass ich alles unternehme, damit wieder Ruhe in der Gemeinde einkehrt, nicht einlösen. Deswegen kandidiere ich als Gemeindeammann.» Seit 32 Jahren gehört der 63-Jährige dem Gemeinderat der Einheitsgemeinde Salenstein an, seit 2001 ist er Vize-Gemeindeammann. Auf Ende der Legislatur hatte er bereits seinen Rücktritt angekündigt. Nun hat er es sich jedoch anders überlegt.

Als Gemeindeammann möchte er das verlorene Vertrauen zurückgewinnen, sagt Nothhelfer. «Im Gemeinderat soll wieder Ruhe und Harmonie einkehren, was derzeit nicht der Fall ist.» Auch solle wieder der gesunde Menschenverstand anstelle von Androhungen herrschen. «Als Ammann möchte ich mich nicht überall einmischen. Die Gemeinderäte und auch das Verwaltungspersonal sollen wieder in Ruhe arbeiten können.» Auch die geforderte Transparenz, vor allem bei den Finanzen, sei ihm ein Anliegen. «Während der Amtszeit ginge es auch darum, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden, der oder die die Gemeinde im Sinne der Vernunft führen kann», sagt er.

Alle auswechseln

Die Findungskommission präsentiert für die Gesamterneuerungswahlen am 8. März neben Nothhelfer fünf neue Gemeinderatskandidaten. Sie unterstützt aber auch die Bisherigen Giovanni Crupi und Hanspeter Müller. Keinen Support erhalten hingegen die erneuten Kandidaturen von Gemeindeammann Roland Streit, Schulpräsidentin Ewa Zwick-Lopatto und Gemeinderat Hansjörg Hauser.

«Seit letztem Sommer suchen wird Kandidaten für eine Gesamterneuerung», sagt Kommissionspräsident Bernhard Friedrich. «Wir möchten den Bürgern eine Auswahl präsentieren.» Sie fokussieren sich dabei aufs Neue. Den Gemeindeammann und die Schulpräsidentin unterstützen sie deswegen nicht. Mit Streit habe man das Gespräch gesucht. «Das hat aber nicht gefruchtet.» Die Kommission wisse, dass es nicht üblich sei, den ganzen Gemeinderat auszuwechseln, sagt Friedrich. «Vor vier Jahren haben es einige von uns in der Findungskommission verbockt, nun wollen wir es besser machen.» Eine Schlammschlacht will die Kommission vermeiden, wird betont.

Zeit für frischen Wind

Als neue Schulpräsidentin wird Yvonne Baer vorgeschlagen. Die Hauswirtschaftslehrerin und Personalfachfrau bringt die nötigen Kenntnisse mit. «Die Verwaltungskosten unserer Schule sind sehr hoch», sagt die 50-Jährige. «Ich möchte wissen warum und Lösungen suchen.» Ihrer Meinung nach werden Steuergelder falsch eingesetzt. Es solle in der Schulbehörde auch kein Gerangel mehr um Kompetenzen geben und wieder Transparenz herrschen. «Die Schulpräsidentin ist zwölf Jahre im Amt. Es ist Zeit für frischen Wind.»

Von der Rechnungsprüfungskommission in den Gemeinderat möchte Lorenz Stopper. «Ich will mich aktiv einbringen und nicht nur kontrollieren», sagt der 37-Jährige. Als Wirtschaftsprüfer könne er vor allem im Finanziellen mithelfen. Speziell für das Ressort Bau interessiert sich Markus Irsslinger. «Die Wachablösung vor vier Jahren ist gründlich in die Hose gegangen», sagt der 50-Jährige. «Gerne möchte ich zu einer besseren Variante gehören.»

Nicht nur abnicken

Auch zwei Frauen möchten neu in den Gemeinderat: Susann Christeler (52) und Tamara Müller (49). «Es wird immer weniger kommuniziert. Die Bürger können nur noch alles abnicken. Das geht so nicht», sagt Christeler. «Das gesellschaftliche Zusammenleben soll Freude machen, und es soll eine tragfähige Dorfgemeinschaft entstehen», wünscht sich Müller.