«Würde umfassender informieren»

Die Uttwiler wählen am 30. November einen neuen Gemeindeammann. Feuerwehr-Kommandant Stephan Good ist einer der beiden Kandidaten. Der 46-Jährige über Informationsdefizite, fehlende politische Erfahrung und eine grosse Lücke, die sich auftut.

Markus Schoch
Merken
Drucken
Teilen
Stephan Good kommandiert seit sieben Jahren die Feuerwehr. (Bild: Nana do Carmo)

Stephan Good kommandiert seit sieben Jahren die Feuerwehr. (Bild: Nana do Carmo)

Herr Good, Sie bezeichnen sich in Inseraten als «Alternative». Was meinen Sie damit?

Stephan Good: Die Stimmbürger von Uttwil haben die Wahl zwischen Marco Zumkehr und mir, also zwischen einem Gemeinderat und einem politischen Neuling.

Inwiefern sind Sie die Alternative zu Herrn Zumkehr?

Good: Ich bin jung, ich bin ein Quereinsteiger, insofern kann ich Alternativen bieten und neue Sichtweisen einbringen. Ich weiss aber auch, dass ich nicht alles verändern kann.

Was wollen Sie denn verändern?

Good: Ich will etwas verändern, aber es soll verträglich sein. Es ist nicht mein Bestreben, das Dorf Uttwil völlig umzukrempeln. Das geht auch nicht. Die Strukturen sind über Generationen gewachsen. Ich will aber mit der Zeit gehen und die Zeichen erkennen. Uttwil soll sich in einem moderaten Tempo weiterentwickeln. Nur so bleibt das Dorf attraktiv.

Wie genau soll sich Uttwil entwickeln?

Good: Ganz konkret denke ich dabei an die Familien, für die bei uns in der Vergangenheit kaum Wohnraum geschaffen worden ist. Mein Anliegen ist es, dafür zu sorgen, dass wieder vermehrt Eltern mit Kindern nach Uttwil ziehen. Entwicklungspotenzial sehe ich auch bei den Vereinen und in der Wirtschaft. Zuletzt hat man bei uns eher Arbeitsplätze abgebaut als geschaffen.

Den Trend kehren dürfte schwierig werden. Der Kanton sieht im neuen Raumkonzept keine grosse Entwicklungsmöglichkeiten in Uttwil vor. Der Oberthurgau werde abgeschnitten, kritisieren die Stadt- und Gemeindeammänner im Oberthurgau.

Good: Das ist sicher ein Thema, das man angehen muss. Ich werde das aber nicht alleine machen müssen. Die ganze Region zieht an einem Strick, was ich sehr begrüsse. Ich glaube, das letzte Wort in dieser Sache ist noch nicht gesprochen. Die Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.

Zurück zur Alternative: Sind Sie das auch in Sachfragen, die Uttwil derzeit bewegen? Oder anders gefragt: Wie stehen Sie zum geplanten Bau einer neuen Mehrzweckhalle? Marco Zumkehr steht voll und ganz hinter den Plänen des Gemeinderates.

Good: Ich bin auch dafür. Das Bedürfnis besteht seit langem. Die heutige Halle hat ausgedient. Das Projekt ist eine langfristige und nachhaltige Lösung für das Dorf und die Vereine. Ich bin froh über die Diskussionen. Der Gemeinderat hat das Geschäft nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet.

Die Behörde hat alles richtig gemacht?

Good: Wenn ich Gemeindeammann wäre, würde ich versuchen, umfassender zu informieren und möglichst breite Bevölkerungskreise in den Prozess zu integrieren mit dem Ziel, eine Mehrheit hinter den Gemeinderat zu bringen. Die Behörde sagt, sie habe alles abgeklärt. Aber man weiss nicht, welche Standorte in der Diskussion waren. Da hätte ich mir mehr Transparenz gewünscht.

Wie finden Sie, dass der Volg vom Dorfplatz wegkommen soll?

Good: Es ist soweit o.k., dass der Laden nicht mehr im Zentrum ist. Ich sehe das nicht so problematisch. Ich hoffe einfach, dass der Gemeindeplatz anders genutzt werden kann, wenn der Volg weg ist. Es kann auch eine Chance sein für eine Belebung.

Was könnte man machen?

Good: Man könnte am Dorfplatz ein Restaurant eröffnen. Oder irgendetwas anderes, das Begegnungen unter den Uttwilerinnen und Uttwilern ermöglicht.

Der langjährige Gemeindeschreiber Ruedi Eichmann wird im nächsten Jahr 64 Jahre alt. Lange wird er Sie im Falle der Wahl nicht mit Rat und Tat unterstützten können. Wäre das nicht ein Problem für Uttwil?

Good: Das ist die grosse Herausforderung. Aber man darf nicht vergessen: Es gibt erfahrene, kompetente und intelligente Leute, die mich unterstützen und mit mir unterwegs sind. Ich muss die Gemeinde nicht alleine ziehen. Das stimmt mich positiv. Es wird ja nicht der gesamte Gemeinderat ausgewechselt. Miteinander werden wir die Lücke füllen können, auch wenn Ruedi Eichmann mit seinen über 40 Jahren als Gemeindeschreiber in Uttwil nicht ersetzt werden kann. In der heutigen Zeit muss man offen sein für flexible Lösungen.

Sind Sie froh, dass Herr Zumkehr faktisch nur als Gemeindeammann kandidiert, und die Wahl als Gemeinderat nicht annehmen würde? Es wäre möglicherweise eine schwierige Konstellation gewesen, wenn Sie als Gemeindeammann gewählt worden wären und er Sie als Gemeinderat hätte unterstützen müssen.

Good: Das wäre die bestmögliche Variante gewesen. Er hat ein grosses Sachwissen. Für mich wäre das kein Problem gewesen.

Dieses grosse Sachwissen, wie Sie sagen, fehlt jetzt aber beispielsweise im Zusammenhang mit der anstehenden Revision der Ortsplanung.

Good: Wir müssen dann nach Lösungen suchen und schauen, wie wir das lösen können. Ich bin diesbezüglich optimistisch. Man kann sich in jedes Thema hin- einarbeiten. Es dauert vielleicht einfach länger. Ich habe aber grossen Respekt vor der Aufgabe, die auf mich als Gemeindeammann zukommen würde.

Wo liegen Ihre Stärken, wo Ihre Schwächen?

Good: Eine meiner Stärken ist, dass ich gut mit anderen Menschen auf unterschiedlichen Ebenen kommunizieren kann aufgrund meiner Berufserfahrung. Ich kann interdisziplinär arbeiten, bin kompromissbereit, ausgeglichen und belastbar. Meine Schwäche: Ich bin nicht so geduldig.

Eine weitere Schwäche ist: Sie haben keine politische Erfahrung.

Good: Das ist richtig. Aber wenn man es ganz genau anschaut, hat Marco Zumkehr als Gemeindeammann auch keine Erfahrung, sondern nur als Gemeinderat.

An einer Podiumsveranstaltung regten Sie sich darüber auf, dass nach der Feuerwehrübung kein Restaurant in Uttwil mehr geöffnet ist. Gibt es keine grösseren Probleme in Uttwil?

Good: Natürlich gibt es die. Ich finde es aber extrem schade, dass es nicht möglich ist, abends noch einzukehren. Das ist ein Verlust an Lebensqualität.

Was sind die grossen Probleme in Uttwil?

Good: Die grösste Herausforderung ist, dass wir uns so entwickeln können, dass alle im Dorf mitkommen. Dazu kommen all die Vorgaben von oben, beispielsweise im Bereich der Raumplanung oder der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde. Nicht zu vergessen die steigenden Sozialhilfekosten. All das betrifft aber auch die anderen Gemeinden und Städte. Man muss sich mit denen vernetzen, die die gleiche Sprache sprechen wie wir.

Uttwil macht neu beim Agglomerationsprogramm St. Gallen-Bodensee mit. Finden Sie das gut?

Good: Dass man sich zusammensetzt und darüber diskutiert, wie man gewisse Probleme lösen kann, finde ich grundsätzlich immer gut. Insofern begrüsse ich den Schritt von Uttwil, auch wenn wir erst am Anfang stehen.

Sie sind zuversichtlich, dass Uttwil in irgendeiner Form von den Fördergeldern des Bundes profitiert?

Good: Ich hoffe schon, dass etwas für uns herausschaut. Was es sein wird, wissen wir heute noch nicht.