Wohnungen statt der Fabrikruinen

ARBON. Im zweiten Anlauf soll es mit der Überbauung des alten Forster-Fabrikareals vorwärtsgehen. Am Zug ist HRS: Der in Arbon omnipräsente Projektentwickler plant vor den Toren der Altstadt sechs Wohnhäuser und Gewerbebauten. Noch im Februar reicht er den Gestaltungsplan ein.

Max Eichenberger
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Blick vom Bistro-Turm auf das alte Forster-Fabrikareal mit dem Breitehof (links). HRS will hier Wohnungen und Gewerbebauten realisieren. (Bild: Max Eichenberger)

Blick vom Bistro-Turm auf das alte Forster-Fabrikareal mit dem Breitehof (links). HRS will hier Wohnungen und Gewerbebauten realisieren. (Bild: Max Eichenberger)

2006 bekanntgewordene Pläne einer Überbauung mit Hochhäusern hatten sich zerschlagen. Lange liess man das nach dem AFG-Wegzug nach Frasnacht zur Disposition stehende Breitehof-Areal liegen. Zwischenzeitlich ist ein Ideenwettbewerb lanciert worden, den insbesondere der Kanton gefordert hatte, sagt Stefan Kern, Mediensprecher der Landeigentümerin AFG. Dieser Wettbewerb sollte bessere Lösungen aufzeigen.

Wohnen und Gewerbe

Jetzt liegen neue Pläne vor, die HRS im Januar im Stadthaus präsentiert hatte, wie Remo Tambini, Leiter der Abteilung Bau, bestätigt. Es gebe zwar noch einzelne offene Fragen wie die der Erschliessung, die noch zu klären seien. Stefan Kern weiss jedenfalls, dass HRS einen Gestaltungsplan «in nächster Zeit» einreichen werde und eine Überbauung mit Wohnungen nun in Gang bringen wolle. In einem nächsten Schritt wolle der designierte Landkäufer HRS ein bewilligungsfähiges Baugesuch ausgestalten. Erstellt werden sollen auf dem früheren Forster-Areal Wohnbauten. Laut Martin Kull, dem CEO von HRS, sind sechs Gebäudekörper mit 45 bis 50 Wohneinheiten geplant. Ob Miet- oder Eigentumswohnungen, sei noch offen. Ebenso, für wen Entwickler HRS baut. Selber führt HRS kein Immobilienportefeuille.

Rund 30 Millionen Franken

Weiter sehen die Pläne gegen die Romanshornerstrasse hin einen Gewerbeanteil vor. «Wir schaffen jetzt die baurechtlichen Grundvoraussetzungen, um die Planung zügig vorantreiben zu können», sagt Martin Kull – und kündigt an: «Noch in diesem Monat wird HRS den Gestaltungsplan einreichen.» Kull geht von einem Investitionsvolumen in der Grössenordnung von 30 Millionen Franken aus. Die AFG wird das Land dann grundbuchamtlich abtreten, wenn das Projekt bewilligt ist. Den Kaufpreis machen die Parteien nicht öffentlich. Vom Gang des baurechtlichen Verfahrens ist abhängig, wann die alten Fabrikbauten abgebrochen werden und die Wohnüberbauung realisiert wird.

AFG: Verlagerung nach Frasnacht

Im Verlauf der letzten dreissig Jahre hat die Arbonia-Forster-Gruppe sukzessive Teile der Produktion sowie die Verwaltung von Arbon nach Frasnacht verlegt. Der Bau eines neuen Forster-Röhrenwerks hatte diese Entwicklung in Gang gesetzt. Auch die Arbonia war von der Friedenstrasse weggezügelt in den Ortsteil Frasnacht. Das Küchencenter folgte. Zuletzt verlagerte die AFG, noch unter Edgar Oehler, den Verwaltungssitz nach Steineloh und zog aus dem Breitehof aus. 2008 bezog die AFG das neue markante Corporate Center. Schon vorher zeichnete sich ab: Grosse Teile des einstigen Forster-Fabrikareals am Rand der Altstadt, begrenzt durch die Romanshornerstrasse, die Bahnkurve und die Zelgstrasse, stehen zur Disposition – ausgenommen der Breitehof selber. Das Gebäude, bis 2008 Hauptsitz der AFG, ist denkmalgeschützt. Es war 2011 für 700 000 Franken neun Meter verschoben worden. Das Haus, das der Kanton erworben hatte, musste zurückweichen, weil dort der Einlenker in die neue Kantonsstrasse erstellt wird. Die übrigen Fabrikgebäude, die noch durch Dritte genutzt wurden (zum Beispiel als Schulküche durch die Sekundarschule), stehen leer und geben keine Visitenkarte ab.

Neue Stadttor-Silhouette

Der damalige AFG-Konzernchef Edgar Oehler wollte darum die «vereinigten Hüttenwerke» niederreissen und Platz schaffen für eine städtebaulich interessante Gestaltung. 2006 bereits fasste die interessierte HRS den Auftrag, auf der Grundlage einer Projektstudie der AFG-Hausarchitekten Gisel+Partner das entleerte Firmenareal einer attraktiven Wohnnutzung zuzuführen. Die AFG hatte mit HRS eine Kaufvereinbarung getroffen, die öffentlich beurkundet ist. Die Stadt signalisierte starkes Interesse, dass an der «Pforte West» zur Altstadt eine markante und auch architektonisch überzeugende Stadttore-Silhouette entsteht. Es konnte kaum schnell genug gehen. Die Betreiber des Xang-Kulturlokals in der alten Forster-Beizerei mussten ebenso die gemietete Halle räumen, wie Mietverhältnisse für andere Zwischennutzungen endeten.

Hochhauspläne versandet

Vor bald sieben Jahren entwarfen Gisel+Partner Projektideen für den Bau von drei Hochhäusern mit insgesamt 72 Wohnungen in einem grünen Vorstadtpark. Der damalige HRS-Entwickler Stephan Rausch präsentierte dazu Planskizzen. Erklärte Absicht war, die Projektidee in einen Gestaltungsplan zu giessen. Ein von Kanton und Stadt bewilligter Gestaltungsplan wäre die Voraussetzung gewesen, um ein Umzonungsverfahren einzuleiten und ein definitives Bauprojekt auszuarbeiten. 2008 wollte ihn HRS eingeben. Doch den Durchbruch schaffte das Projekt nicht. Auf dem Platz Arbon hatte HRS zum einen noch andere Eisen im Feuer. Neben der grundsätzlichen Machbarkeit bot auch die Umgebungsgestaltung noch Hürden.