Wohnqualität erster Güte

Randnotiz

Brunhilde Bergmann
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Immobilienmakler rechtfertigen die teils horrenden Preise oft mit hoher Wohnqualität in bester Lage. Je nach Objekt wird da geworben mit Wohnen im Grünen an unverbaubarer Lage, gutem Anschluss an den öffentlichen Verkehr oder mit Zentrumsnähe und Anschluss an die Hauptverkehrsachsen. Am besten natürlich mit der Kombination von allem. Klar, dass bei uns in Kradolf-Schönenberg vor allem die Thur und auch die geringe Distanz zu Schule, Kindergarten, Badi und Arzt- praxen punkten. Nur über die Nähe zur Kirche, islamischem Kulturzentrum oder Friedhof habe ich noch nie werbewirksam gelesen. Gut, letzteres versteckt sich vielleicht hinter der unverbaubaren Lage.

Und noch ein wesentlicher Aspekt steht nie in den Annoncen. Vielleicht, weil dieser unbezahlbar ist. Das wird mir besonders jetzt in der Ferienzeit bewusst. Wie stünde es um die Wohnqualität – nicht nur in meinem Quartier – ohne gute Nachbarschaft? Statt meinen Drucker mit dem Vorschlaghammer zu bearbeiten, wie’s mir gerade im Sinn steht, druckt mir Nachbars Sohn die Dokumente aus. Die Katze muss ich nicht ins Tierheim bringen, die Nachbarin kümmert sich um sie, ebenso wie um die Blumen. Der Briefkasten quillt nicht über, der frei gewordene Privatparkplatz darf benutzt werden, Tomaten und Gurken finden dankbare Abnehmer... Und mit Sicherheit wird wieder mal ein Kaffee oder ein Fläschchen Wein geteilt. Das nenne ich unbezahlbare Wohnqualität!

Brunhilde Bergmann