Wohin mit den Asylbewerbern?

Die Gemeinde Tägerwilen erhält vom Kanton per 1. Dezember sieben bis neun Asylanten zugeteilt. Eine Unterkunft steht für sie noch nicht zur Verfügung. Gegen eine Lösung mit Containerwohnungen gibt es Einsprachen der Nachbarn.

Urs Brüschweiler
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Umstrittener Standort für eine Asylantenunterkunft: Neben der Hertlerhalle plant Tägerwilen, Wohncontainer zu bauen. (Bild: Donato Caspari)

Umstrittener Standort für eine Asylantenunterkunft: Neben der Hertlerhalle plant Tägerwilen, Wohncontainer zu bauen. (Bild: Donato Caspari)

TÄGERWILEN. «Tägerwilen geht wieder einmal andere Wege», sagte Gemeindeammann Markus Thalmann. Am Montagabend begrüsste er rund 25 Personen in der Aula der Turnhalle. Sie wohnen alle im Tägerwiler Nordwesten und hatten sich mittels einer Sammel- und einer Einzeleinsprache gegen den Bau eines provisorischen Containers ausgesprochen. Die Gemeinde entschied sich für die Durchführung einer öffentlichen Einspracheverhandlung, weil es ein Thema sei, welches das ganze Dorf betreffe.

Keine St. Florian-Politik

Der Stein des Anstosses: In dem geplanten Container bei der Hertlerhalle an der Lohstampfestrasse, wo auch der Werkhof der Gemeinde untergebracht ist, sollen künftig Asylanten untergebracht werden. Roland Hugentobler, Leiter der Sozialen Dienste von Tägerwilen, erklärte die Ausgangslage. Weil derzeit die Empfangszentren des Bundes und die Durchgangsheime des Kantons überfüllt seien, würde die Zuweisungen an alle Gemeinden stur durchgezogen. Nach dem Verteilschlüssel sei auch Tägerwilen verpflichtet bis zu zehn Asylanten aufzunehmen. «Wir kommen nicht mehr darum herum», ergänzte Markus Thalmann. Und die Haltung: «Wir nicht, aber alle anderen» könne keine Lösung sein für Tägerwilen.

Auch die zuständige Gemeinderätin Brigitte Seger sagte, man müsse jetzt in den sauren Apfel beissen, auch wenn der Gemeinderat davon nicht begeistert sei. Allein geeignete Unterkünfte, wie zum Beispiel alte Wohnungen, sind nicht vorhanden. «Wir sind alles Mögliche durchgegangen», sagte Brigitte Seger. Die Erwägungen hätten zu der jetzt angedachten Lösung mit provisorischen Containern auf gemeindeeigenem Grund geführt.

Asylanten lösen Ängste aus

Doch diese passt den Quartierbewohnern nicht. Hauptsächlich befürchten sie, dass die Asylanten herumlungern, Alkohol trinken und Ärger machten. Auch vor Drogendealern wurde gewarnt. Viele äusserten auch Ängste, wenn Kinder alleine an der Unterkunft vorbeilaufen würden.

«Ich verstehe sie, aber ich habe schlicht keine andere Lösung», musste Gemeindeammann Markus Thalmann zugestehen. Doch ein Ziel der öffentlichen Verhandlung war auch, neue Ideen für eine Unterkunft im Dorf zu finden. Fleissig wurden leerstehende Liegenschaften aufgezählt oder Plätze, wo eine Containerlösung realisiert werden könnte. Zu spüren war aus der Runde, dass ein Standort am Rande oder ausserhalb des Dorf bevorzugt würde.

Ein Dorf sucht gemeinsam

Der Gemeinderat werde das Problem nochmals diskutieren und die Vorschläge prüfen. «Wichtig ist, dass die Bevölkerung weiss, dass wir eine Lösung brauchen.»