Wo sich Romanshorner wohl fühlen

Die Hubzelg ist ein warmer und die Alleestrasse ein kalter Ort. Dies und noch viel mehr haben Studenten im Rahmen einer sogenannten Sozialraum-Analyse in Romanshorn herausgefunden.

Markus Schoch
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ROMANSHORN. Romanshorn nennt sich zu Recht Hafenstadt. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls fünf Studenten der Fachhochschule St. Gallen, die im Auftrag des Betula im letzten halben Jahr eine sogenannte Sozialraum-Analyse durchgeführt haben. Dazu sahen sie sich Pläne an, spazierten durch die Stadt, befragten 50 Romanshorner nach attraktiven beziehungsweise unattraktiven Orten und führten mit 29 von ihnen sowie dem Stadtpräsidenten und vier weiteren sogenannten Experten Interviews.

Viele zieht es ans Wasser

Die Ergebnisse haben Chiara Eugster, Esther Hausamman, Sarah Kuhn, Arian Künzle und Noemi Padrutt gestern vorgestellt.

Generell lässt sich sagen: In der Freizeit zieht es viele Romanshorner ans Wasser. Dort spielt sich zu grossen Teilen das Leben ausserhalb der eigenen vier Wände ab. Beliebte Treffpunkte sind das Bistro Panem oder die Hafenlounge. Spontane Begegnungen ergeben sich nach Beobachtung der Studenten aber selten. Am ehesten komme es zu Kontakten zwischen oder mit Hundehaltern.

Dass sich im Moment alles auf den See konzentriert, ist nach Meinung der Studenten eine nicht ungefährliche Entwicklung. So bestehe das Risiko, dass Ressourcen in den anderen Stadtteilen verloren gingen.

Sehr oft und gerne halten sich die Romanshorner auch im Einkaufszentrum Hubzelg auf. Es ist der am zweithäufigsten genannte Sozialraum aller Befragten. Hoch im Kurs ist ebenfalls der Wald und – im Sommer – die Waldschenke.

Alleestrasse ist kalt

Schlecht kommt in der Befragung die Alleestrasse weg, wo die meisten Geschäfte und Läden sind. Sie wird als kalt empfunden: leer und unbelebt. Das Problem ist gemäss den Studenten, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Die Verkehrsführung sei auch nicht ideal. Die Stadt ist im Moment daran, eine bessere Lösung zu finden, was die Studenten begrüssen. Weil ein Stadtkern fehle, sei die Orientierung überhaupt eher schwierig. Ein kalter Ort ist nach Meinung vieler Gesprächspartner auch der Bahnhof. Vor allem abends fühlen sie sich nicht wohl.

Junge sind mit dem Freizeitangebot in Romanshorn nicht zufrieden. Sie gehen nach Konstanz oder St. Gallen in den Ausgang, weil sie in der Hafenstadt nicht auf ihre Kosten kommen. Anders sieht es für die ältere Generation aus, die Kino, Konzerte und Kleinkunstveranstaltungen am Ort offenbar schätzt.

Vereine kommen kaum vor

Überrascht hat die Studenten, dass es zwar sehr viele Vereine in Romanshorn gibt, sie aber kaum je als Sozialraum genannt wurden. Anders die Kirchgemeinden. Sie werden als Ort der Begegnung bezeichnet – zumindest von einem Teil der Kirchbürger.

Das Betula, wo Menschen auf dem Weg in die Selbständigkeit leben und arbeiten, bekommt übrigens gute Noten. Die Institution wird in der Bevölkerung positiv wahrgenommen, was die Co-Leiter Stefan Ribler und Christian Brönimann besonders freute.

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