Wo Buben gerne pauken

Mit einer Bratwurst und einem Feierabendbier stimmt sich ein Mann mittleren Alters, einen Pikes-Schal um den Hals gewickelt, vor dem Eissportzentrum auf das Heimspiel ein. Noch 20 Minuten bis Matchbeginn. Mit Pauken, aber ohne Trompeten kündigt sich der Fanclub des Gegners an.

Daniel Walt
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Pausenunterhaltung: Wer kratzt das Eis schneller von der Scheibe?

Pausenunterhaltung: Wer kratzt das Eis schneller von der Scheibe?

Mit einer Bratwurst und einem Feierabendbier stimmt sich ein Mann mittleren Alters, einen Pikes-Schal um den Hals gewickelt, vor dem Eissportzentrum auf das Heimspiel ein. Noch 20 Minuten bis Matchbeginn. Mit Pauken, aber ohne Trompeten kündigt sich der Fanclub des Gegners an. «Wir sind fast alle zum erstenmal in dieser Halle und haben gerade darüber diskutiert, wie kalt sie wohl ist», sagt die 34jährige Susanne Gebauer. Für sie und die restlichen rund 20 Anhänger aus Wetzikon sind die Pikes, als Aufsteiger neu in der 1. Liga mit dabei, ein unbeschriebenes Blatt – «einzig Trainer Mike Richard kennen wir als ehemaligen NLA-Spieler».

«Drüü Millimeter, Schiri!»

«Hopp Pikes, hopp Pikes!» Die Rufe aus der noch jungen Fangemeinde des Heimteams sind auf den neu installierten Sitzplätzen auf der Gegengeraden erst zu hören, als die Fans aus Wetzikon für einen Moment verstummt sind. «Drüü Millimeter, Schiri, gell!», schreit ein Sitzplatz-Besucher aufs Eisfeld, als der Mann in Schwarz pfeift, weil die Scheibe das Angriffsdrittel angeblich verlassen hat. In der ersten Reihe installieren sich zwei junge blonde Frauen mitsamt Sitzkissen. Die eine von ihnen knetet unablässig einen Handwärmer. Als die Pikes nach etwas mehr als einer Viertelstunde in Führung gehen, ist der Jubel auch bei ihnen gross. Wenige Minuten und einen Pfostenschuss später begibt sich die eine der beiden, Cornelia Bretscher, aufs Feld: Sie moderiert das als neue Attraktion eingeführt Eiskratzen, an dem zwei Zuschauer teilnehmen. Es geht darum, eine Scheibe möglichst schnell von Eis zu befreien.

Ein paar giftige Minuten

In der NLA schlagen sich die Fans nach heissen Partien manchmal die Köpfe ein. Im Eissportzentrum Oberthurgau stehen die treuesten Anhänger der Pikes sowie jene des EHC Wetzikon beide auf derselben Tribüne, nur wenige Meter voneinander entfernt. Für die Oberthurgauer Fangemeinde gibt der zwölfjährige Simon Frey an der Pauke den Takt an. «Mein Vater ist Präsident des Fanclubs», sagt der Bub, der erst seit dieser Saison trommelt, die Pikes-Spiele aber seit letzter Saison verfolgt. Unterstützt wird er von Michael Schaub an einer weiteren Pauke. «Bully, Goal, Bully, Goal!» geben die beiden vor, oder bei Strafen des Gegners: «Use, use!». Die Fans um sie herum steigen sofort ein. In schöner Regelmässigkeit können sie jubeln: Die Pikes ziehen auf 4:0 davon. Das Grüppchen aus Wetzikon lässt sich aber nicht entmutigen und schöpft neue Hoffnung, als den Gästen nach 30 Minuten der erste Treffer gelingt. Das Spiel wird in der Folge etwas giftiger. «Sauerei!» sowie einige nicht druckreife Beschimpfungen eines Gästefans nach einem Foul der Pikes. Richtig Spannung mag aber trotzdem nicht aufkommen, zumal die Pikes noch vor der zweiten Pause das fünfte Tor erzielen.

Im Reich der Supporter

Das dritte Drittel verkommt zum reinen Schaulaufen für die Pikes. Mitglieder der Supportervereinigung und ihre Gäste verfolgen es in den Räumen neben dem EZO-Restaurant durch Glasscheiben hindurch. Karin Eggmann, verantwortlich für die Bewirtung: «Normalerweise sind jeweils rund 20 bis 30 Personen hier.» Sie können entscheiden, ob sie den Match durch die Scheiben hindurch oder auf einer Leinwand inklusive Ton verfolgen, die seit Ende letzter Saison in der Lounge 65 in Betrieb ist. Die meisten sitzen an der Fensterfront bei einem Gläschen Wein oder sonst einem Getränk. Unter ihnen auch Rolf Oberhänsli, Co-Präsident der Supportervereinigung, die derzeit gegen 80 Mitglieder zählt. «Wo fahrt denn de umenand?», ruft er nach einem missglückten Angriff und fügt an, Eiskunstläuferin Sarah Meier könne das besser, und das sogar ohne Schoner. Die Stimmung ist aufgeräumt, auch wenn kein Tor mehr fällt. Nach der Schlusssirene beglückwünscht man sich, während im Hintergrund das Trommeln langsam verstummt. Die Meinungen sind gemacht: Der Start in die 1. Liga ist den Pikes geglückt. Nicht nur Präsident Richard Stäheli hofft, dass die Oberthurgauer die Erfolge der Pikes noch vermehrt mit Matchbesuchen belohnen – zu diesem Spiel gekommen sind nämlich gerade einmal rund 280 Zuschauer.

regionalsport 45

Grund zum Jubeln: Die Anhänger der Pikes – unter ihnen auch Simon Frey und Michael Schaub an den Pauken – feiern ein Tor. (Bilder: Daniel Walt)

Grund zum Jubeln: Die Anhänger der Pikes – unter ihnen auch Simon Frey und Michael Schaub an den Pauken – feiern ein Tor. (Bilder: Daniel Walt)

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