«Wir wollen eine neue Jugi»

ROMANSHORN. Die Jugendherberge von Romanshorn ist in die Jahre gekommen. Um den Ansprüchen der Touristen gerecht zu werden, plant der Gemeinderat deshalb eine neue Jugi. Das Projekt steckt aber noch in den Kinderschuhen.

Michèle Vaterlaus
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Mit sanften Renovationsarbeiten soll die Jugendherberge über den Winter auf Vordermann gebracht werden. (Bild: Reto Martin)

Mit sanften Renovationsarbeiten soll die Jugendherberge über den Winter auf Vordermann gebracht werden. (Bild: Reto Martin)

38 Jahre alt ist die Jugendherberge von Romanshorn. Entsprechend ist sie in die Jahre gekommen. Hier und dort müssen Mobiliar und Nasszellen erneuert werden. Denn die Ansprüche der Touristen an die Anlage steigen von Jahr zu Jahr. Das hat den Gemeinderat von Romanshorn dazu bewogen, über die Zukunft der Jugi nachzudenken, und er ist zum Schluss gekommen: «Wir wollen eine neue Jugi», wie Urs Oberholzer, der zuständige Gemeinderat, sagt. «Heute, wo die Touristen in Jugendherbergen fast einen hotelähnlichen Standard wollen, ist unsere nicht mehr zeitgemäss.» Zudem sei es immer schwieriger, den Standards der verschiedenen Labels zu genügen (siehe Kasten). Erschwerend komme in Romanshorn hinzu, dass das Gebäude ursprünglich eine Militärunterkunft war und sie heute in einem Mehrzweckgebäude integriert ist.

Modernere Jugendherbergen

Oft würden Jugendherbergen von Familien genutzt. «Sie bevorzugen Nasszellen in ihrem Zimmer und nicht die üblichen Etagenduschen», sagt Oberholzer. Zudem gebe es einen Trend zu kleineren Zimmern. «Es ist anders als früher, als ganze Klassen in Jugendherbergen untergebracht wurden und nur Mädchen und Buben getrennt schliefen.» Es gehe in der Jugi aber auch um moderneres Mobiliar und mehr Hygiene. «Nicht dass die Jugi schmutzig oder verlottert ist. Es ist alles intakt und sauber. Aber in zehn Jahren wird sie wohl nicht mehr reichen», so Oberholzer. Mit einer moderneren Jugendherberge hofft der Gemeinderat mehr Touristen anzulocken. Damit könnte der Umsatz gesteigert werden. Denn die Jugi macht jedes Jahr einen Verlust von rund 60 000 Franken und dieses Defizit trägt die Gemeinde. Wobei Finanzverwalter Franz Stucki relativiert. «Gemäss Studien des schweizerischen Jugendherbergen-Verbandes gibt ein Gast etwa 40 Franken pro Tag in Romanshorn aus. Das sind Einnahmen für Restaurants und Gewerbe von einer Viertel Million pro Jahr.» Oberholzer ergänzt: «So gesehen ist das nicht einfach ein Defizit.»

Viele offene Fragen

Der Weg bis zu einer neuen Jugi ist aber noch weit. «Wir überlegen uns zwar Alternativen», sagt Oberholzer. «Aber vieles müssen wir noch klären.» Denn neben dem Punkt, dass die Jugi nicht mehr zeitgemäss sei, sei der Standort nur mässig günstig. «Wenn Gruppen in der Unterkunft sind, ist es laut. Das stört die Anwohner», sagt er. Also gehe es auch darum, wo die neue Jugi gebaut werden könne. «Optimal wäre am See, da wir viele Bodensee-Velotouristen haben.» Dann müsse ein Investor gefunden werden. «Das kann ein Privater oder eine Stiftung sein. Klar ist, dass die Gemeinde selbst keine neue Jugi bauen kann.» Nicht zuletzt müsse eine Lösung für die heutige Jugi gefunden werden: «Soll Gewerbe entstehen oder Wohnungen? Das sind Fragen, die wir uns stellen.»

Sanfte Renovation im Winter

Bis die Fragen geklärt sind, soll die «alte» Jugendherberge erhalten bleiben. Um den Ansprüchen der 6500 Gäste pro Jahr gerecht zu werden, wird sie über den Winter sanft saniert. Die Duschen werden auf Vordermann gebracht, der Eingangsbereich, die Rezeption und ein Zimmer neu gestrichen. Die zwölf Kochstellen, die nicht mehr in Betrieb sind, werden abmontiert und an ihrer Stelle eine Kaffee-Ecke eingerichtet. «Besonders sind die Massnahmen nicht. Wir haben über den Winter meist Verbesserungen vorgenommen», so Oberholzer. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf 25 000 Franken.

Gemeinderat Urs Oberholzer. (Archivbild: Reto Marin)

Gemeinderat Urs Oberholzer. (Archivbild: Reto Marin)

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