«Wir wollen die Leute motivieren»

KRADOLF-SCHÖNENBERG. Der Ruf nach einer nachhaltigen Politik ist allgegenwärtig. Der Gemeinderat Kradolf-Schönenberg hat eine Kommission ins Leben gerufen, die sich dieser Forderung annehmen soll. Präsident des Gremiums ist Gemeinderat Paul Stahlberg.

Georg Stelzner
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Paul Stahlberg, Gemeinderat und Kommissionspräsident, tankt zu Hause sein Elektrofahrzeug mit selbst produziertem Strom auf. (Bild: Georg Stelzner)

Paul Stahlberg, Gemeinderat und Kommissionspräsident, tankt zu Hause sein Elektrofahrzeug mit selbst produziertem Strom auf. (Bild: Georg Stelzner)

«Schon vor meiner Wahl in den Gemeinderat habe ich versucht, gegenüber den nächsten Generationen verantwortlich zu handeln», erklärt Paul Stahlberg. Die Aufgabe, die neugeschaffene Nachhaltigkeitskommission der Gemeinde zu präsidieren, hat Stahlberg daher gerne übernommen. «Ich musste nicht lange überlegen, denn das ist ganz in meinem Sinne.» Die Zielsetzung der Kommission beschreibt Stahlberg so: «Wir wollen mit unserer Arbeit etwas schaffen, das der Umwelt zugute kommt, den Leuten hilft, Geld zu sparen, und ihnen auch Spass macht.»

Zahlreiche Möglichkeiten

Der Gemeinderat hat sich zur Gründung dieser Kommission entschlossen, weil er Nachhaltigkeit als ein Handlungsprinzip erachtet, welches die Bewahrung und Stabilität der Lebens- und Wirtschaftsqualität in der Gemeinde langfristig sichere. Paul Stahlberg betont das breite Spektrum potenzieller Anwendungen. Nachhaltigkeit umfasse letztlich alle Tätigkeiten der Menschen, führt Stahlberg aus. Private also genauso wie unternehmerische und öffentliche.

Konkrete Beispiele zu nennen, fällt dem Präsidenten der Kommission nicht schwer: «Man kann beim Einkaufen auf Plastiksäckli verzichten, auf dem Dach des Wohnhauses Solarzellen installieren oder den Rasen mit einem Elektrogerät mähen.» Stahlberg selber benützt seit geraumer Zeit ein Auto mit Elektromotor und ist zum glühenden Anhänger dieser zukunftweisenden Technologie geworden.

Weitergabe von Erfahrungen

Die Kommission betrachtet es nach den Worten ihres Präsidenten als vordringliche Aufgabe, motivierende Erfahrungen in Sachen Nachhaltigkeit in der Bevölkerung zu verbreiten und Ideen zu sammeln, wie das Thema in der Gemeinde verankert und entwickelt werden könnte.

Im Hinblick auf ein glaubwürdiges Engagement in der Kommission sei es wichtig, dass die Mitglieder eine gewisse Vorbildfunktion einnähmen. Stahlberg: «Sie sollten auch Freude am Aufbau von etwas Neuem haben und bereit sein, ihr Wissen mit anderen zu teilen.»

Auf freiwilliger Basis

Stahlberg versichert, dass es nicht die Absicht der Kommission sei, mit erhobenem Zeigefinger auf die Einwohner zuzugehen. Die Kommission wolle keinen Druck ausüben, sondern die Leute motivieren, ihr Handeln freiwillig am Nachhaltigkeitsprinzip zu orientieren. Stahlberg glaubt, dass sich die Begeisterung für diese Idee nach den ersten Gehversuchen bei den meisten einstellen wird. Er ist jedoch auch Realist genug, um nicht damit zu rechnen, dass alle Einwohner mitmachen werden. Eine entsprechende Grundeinstellung sei Voraussetzung.

Kommission hat Antragsrecht

Die Nachhaltigkeitskommission wird laut Stahlberg dem Gemeinderat regelmässig Bericht über ihre Aktivitäten erstatten. Sie habe gegenüber der kommunalen Behörde ein Antragsrecht. Stahlberg wünscht sich, dass der Begriff «Nachhaltigkeit» eines Tages Teil der Ressortbezeichnung wird. «Nachhaltige Politik ist eine globale Notwendigkeit», stellt Stahlberg fest. Er ist überzeugt, dass jede Gemeinde – ungeachtet ihrer Grösse – einen Beitrag leisten kann, um nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.