«Wir wollen die Durchfahrer nicht»

ARBON. Das Bergliquartier wird zur grössten zusammenhängenden Arboner Tempo-30-Zone. Noch in diesem Jahr ist die Auflage der ersten Etappe geplant. Über drei Kilometer Quartierstrassen sollen dann 2016 verkehrsberuhigt werden.

Max Eichenberger
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Grosses Interesse an der geplanten Tempo-30-Zone im Bergli. Patrick Brunschweiler vom Ingenieurbüro Wälli erläutert die Pläne. (Bild: Max Eichenberger)

Grosses Interesse an der geplanten Tempo-30-Zone im Bergli. Patrick Brunschweiler vom Ingenieurbüro Wälli erläutert die Pläne. (Bild: Max Eichenberger)

Es gibt immer weniger weisse Flecken. Damit meint Stadtpräsident Andreas Balg die Wohnquartiere, die noch nicht Tempo-30-Zonen sind oder wo solche noch nicht in Planung sind. Konsequent, aber nicht zuletzt aus Kostengründen schrittweise würden sie umgesetzt. Der Stadtrat habe im Grundsatz als Ziel festgelegt, dass überall in siedlungsorientierten Strassen Tempo-30-Zonen eingerichtet würden, erinnert Balg an einer Informationsveranstaltung über den Stand der Umsetzung im Bergliquartier.

Petition gab Anstoss

Den Anstoss zu einer flächendeckenden Realisierung gab vor zwei Jahren eine Petition. Der Stadtrat hat das Anliegen aufgenommen und setzt die Tempo-30-Zone nun etappenweise um: Zunächst im nördlichen Bergliquartier, später dann im südlichen Teilgebiet. Bestimmt werde der Takt einerseits durch die Finanzen. Anderseits nutze man Synergien dort, wo Leitungen und Strassenbeläge erneuert werden müssten. Die Signalisation ist das eine, die Gestaltung das andere: «Und die ist wichtiger als die Tafeln, weil sie motiviert, im richtigen Tempo zu fahren», sagt Balg und betont den Grundsatz: «Die Strassenräume sind so zu gestalten, dass so schnell oder langsam gefahren werden kann, wofür sie in der Nutzung vorgesehen sind.»

Anregungen noch aufnehmen

So unterscheiden sich Quartier- und «verkehrsorientierte Strassen». Laut Rainer Heeb, Bereichsleiter Tiefbau, seien diese baulichen und gestalterischen Massnahmen in Abstimmung mit dem Kanton geplant worden.

Dieser habe die Signalisationshoheit und müsse letztlich auch das Konzept gutheissen, bevor es dann öffentlich aufgelegt werden könne. Dazu gebe es klare Vorgaben. Ziel sei die öffentliche Auflage der ersten Etappe noch in diesem Jahr, sagt Heeb. «Wenn alles gut läuft, könnte man dann im Frühling 2016 anfangen.» Noch könnten Inputs aus den Quartieren in die Planung einfliessen. Auch deshalb hat die Stadt die öffentliche Veranstaltung durchgeführt.

Im Slalom langsamer

Verschiedene Massnahmen gestalterischer Art trügen dazu bei, dass langsamer gefahren werde, zeigen Stadtrat Peter Gubser und Rainer Heeb auf: Eingangsportale mit Stelen und Signalisation, die nur ein Kreuzen von einem Fahrzeug und einem Fahrrad zulassen; versetzte Parkplätze mit einfachen Pfosten, die den Automobilisten einen «Slalomkurs» (Gubser) aufzwingen. Statt 112 gibt es so künftig noch 101 Parkplätze im Gebiet Bergli Nord. Stopstrassen würden aufgehoben; bei Kreuzungen gelte Rechtsvortritt, was mehr Achtsamkeit verlange und dazu beitrage, dass langsamer gefahren werde. «Schwellen oder Rampen sind an Knotenpunkt ebenfalls ein probates Mittel, die Geschwindigkeit zu brechen», sagt Rainer Heeb.

Wirkungsvoll, aber günstig

Kostenmässig fielen Schwellen nicht ins Gewicht, wenngleich Anwohner eine Kehrseite spüren: Schwellen erzeugten Immissionen, auch weil dort gebremst und wieder angefahren werde. Wenn dies mit dazu beitrage, quartierfremden Verkehr zu verbannen und auf Durchgangsstrassen zu kanalisieren, seien diese in Kauf zu nehmen, meint die Mehrheit. «Wir wollen die Durchfahrer nicht», sagt etwa Riquet Heller, Miturheber der Petition.

Die Massnahmen sollen wirkungsvoll sein, anderseits aber kostengünstig realisiert werden, betont Peter Gubser. «Zwei Stelen mit Montage kosten um die 2500 Franken, ein Metallpfahl bei den Parkfeldern 400 Franken.» Bäume seien zwar sehr schön, wären aber zwanzigmal teurer. In Wohnquartieren mit Gärten habe es schon Bäume. In Ausnahmefällen sollen Fussgängerstreifen bestehen bleiben, etwa bei der Schule. Man sei mit dem Kanton im Gespräch, so Heeb. Normalerweise gibt es die nicht mehr in Tempo-30-Zonen.