«Wir sind optimistisch»

Eine kleine Gruppierung will den Verkauf des Arboner Burkhardt-Hauses verhindern. Sie verlangt ein Jahr Zeit, um eine andere Lösung mit einer Genossenschaft als Trägerschaft ausarbeiten zu können. Eine der treibenden Kräfte ist Ruth Erat.

Markus Schoch
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Ruth Erat vor dem Burkhardt-Haus, das der Stadt Arbon gehört und seit Jahren leer steht. (Bild: Markus Schoch)

Ruth Erat vor dem Burkhardt-Haus, das der Stadt Arbon gehört und seit Jahren leer steht. (Bild: Markus Schoch)

Frau Erat, Sie konnten diese Woche Ihre Pläne für das Burkhardt-Haus einer Kommission des Stadtparlaments vortragen. Wie waren die Reaktionen?

Ruth Erat: Die Kommission ist uns sicher wohl gesonnen. Ich erlebte das Gespräch als sehr angenehm und offen. Es ist jetzt ein ordentlicher Weg zu gehen.

Und wie sieht dieser Weg aus?

Erat: Die Kommission wird jetzt beraten, ob das Burkhardt-Haus tatsächlich verkauft werden soll, so wie es der Stadtrat beantragt. Den abschliessenden Entscheid trifft Mitte März das Parlament, dessen Mitglieder das Haus vorgängig besichtigen können. Das ist für uns schon einmal ein gutes Zeichen. So wissen die Parlamentarier aus eigener Anschauung, wovon die Rede ist. Und sie werden sehen, wie schwierig es wäre, die Liegenschaft zu verkaufen.

Wenn das Parlament das Haus trotzdem auf den Markt bringen will: Würde Ihre Gruppierung notfalls das Referendum ergreifen, so dass die Bevölkerung das letzte Wort hat?

Erat: So weit haben wir noch nicht studiert. Wir sind im Moment optimistisch, dass man uns ein Jahr Zeit gibt.

Die Stadt rechnet fest mit dem Verkauf. Im Budget für dieses Jahr ist bereits ein Betrag von über 1 Million Franken eingesetzt. Kann sich Arbon in der aktuell finanziell schwierigen Situation überhaupt leisten, auf dieses Geld zu verzichten?

Erat: Arbon muss sich das leisten können. Das Haus war ein Geschenk an die Stadt und gehört der Bevölkerung.

Bettina Hedinger von der Denkmalpflege war auch an der Kommissions-Sitzung dabei. Was meinte sie zum Verkauf beziehungsweise dem Vorschlag, das Burkhardt-Haus in die Hände einer Genossenschaft zu geben?

Erat: Sie machte sich dafür stark, dass das Haus der Allgemeinheit erhalten bleibt. Und sie sagte auch, dass der Wert des Burkhardt-Hauses gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Was macht das Haus so wertvoll?

Erat: Es ist ein einmaliges Zeugnis der Stadtentwicklung, des Jugendstils, des Hangs zum Gesamtkunstwerk und einer Künstlerpersönlichkeit. Darüber hinaus ist es eines der schönsten Häuser in Arbon überhaupt. Wir müssen ihm darum Sorge tragen. Im Inneren ist das Gebäude seit der Renovation leider bereits verändert worden. Auf keinen Fall zulassen dürfen wir, dass der Garten so überbaut wird wie in der Nachbarliegenschaft.

Ihre Gruppierung sieht aber auch eine neue Überbauung vor.

Erat: Es gibt im Garten einen Bereich, den man nutzen kann. Es ist der untere Teil, wo heute die Garagen stehen. Dort kann man etwas realisieren.

Was ist Ihre Idee?

Erat: Wir haben noch keine konkreten Vorstellungen. Ziel ist ganz allgemein, Einnahmen zu generieren zur Querfinanzierung des Burkhardt-Hauses. Es könnten durchaus auch Wohnungen sein. Ein Projekt müsste in jedem Fall sehr sorgfältig und in enger Absprache mit der Denkmalpflege sowie am liebsten mit der Stadt entwickelt und umgesetzt werden. Die entsprechenden Abklärungen sind hier wie anderswo kompliziert, und darum brauchen wir Zeit.

Die Kerngruppe ist im Moment klein. Sie besteht aus Ihnen, Ihrem Mann und Kurt Sonderegger. Sie wollen alles allein machen?

Erat: Nein, wir wollen zusätzliche Mitglieder finden und haben bereits die Fühler ausgestreckt.