«Wir müssen immer offen sein für individuelle Lösungen»

Manchmal rumpelt es über dem Schulzimmer der Klassen von Markus Bertet. Dann, wenn der Paletten-Rolli der Metzgerei über dem Schulzimmer eingesetzt wird. Denn Markus Bertet und seine Klassen sind in einer Oberaacher Industrieliegenschaft untergebracht.

Rita Kohn
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Verschiedene Bereiche: Das grosszügig bemessene Schulzimmer von Markus Bertet lässt Raum für eine sinnvolle Unterteilung. (Bilder: Rita Kohn)

Verschiedene Bereiche: Das grosszügig bemessene Schulzimmer von Markus Bertet lässt Raum für eine sinnvolle Unterteilung. (Bilder: Rita Kohn)

Im Treppenhaus blättert der Verputz, und wer zur 5. und 6. Klasse von Oberaach möchte, kommt zuerst an Kellern und mit grossen Holzplatten verschlossenen Räumen vorbei. Doch kaum öffnet sich die Tür zum wohl ungewöhnlichsten Schulzimmer in Amriswil, ist Staunen angesagt. «Als ich das erste Mal hier war, dachte ich einfach <Wow>», sagt Lehrer Markus Bertet. Hell und geräumig scheint das Zimmer, das einen der insgesamt fünf Schulstandorte von Oberaach ausmacht. «Es ist wunderbar und gibt mir die Möglichkeit zu modernen Unterrichtsformen», schwärmt Markus Bertet, dem es nichts ausmacht, dass sein Schulzimmer im Keller einer ehemaligen Schuhfabrik liegt. Die Grösse des Raumes wiege alle möglichen Nachteile auf, ist Bertet überzeugt.

Aneinander vorbeikommen

Für das System, das die Schule in Oberaach anwendet – es werden jeweils zwei Klassen miteinander unterrichtet –, ist die Situation im Schlössli-Park ideal. Denn dank der grosszügigen Grundfläche konnte Markus Bertet verschiedene Lernbereiche schaffen, es gibt gar eine gemütliche Sofa-Runde und eine kleine Arena, in der musiziert wird. Dadurch könnten die Gruppen individueller arbeiten, es sei ruhiger im Schulzimmer, und bei bestimmten Arbeiten – gerade wird ein Trickfilm gedreht – könnte auch einmal eine angefangene Arbeit liegen gelassen werden, was Abbau- und Aufbauarbeiten erspare. «Die Schülerinnen und Schüler kommen gut aneinander vorbei», zieht Bertet Bilanz.

EDV und Telefon

Abgenabelt vom Schulkomplex fühlt sich Markus Bertet nicht. Er habe ein eigenes Telefon bekommen und zudem sei er mittels EDV gut vernetzt, so dass er ständig in der Lage sei, zu kommunizieren. Ausserdem trenn nur ein kleiner Kiesweg die Schlössli-Park-Liegenschaft von den nächsten Schulliegenschaften. Früher sei er viel mehr Einzelkämpfer gewesen, erklärt Markus Bertet, der vor seiner Anstellung in Oberaach viele Jahre als Lehrer an der Gesamtschule von Kümmertshausen unterrichtete. Da nehme er Nachteile, wie etwa die durch die Industrie verursachten Geräuschimmissionen, gerne in Kauf. Schliesslich sei das Nebeneinander von von Gewerbe und Schule auch für beide Seiten eine Befruchtung. «Es weckt gegenseitiges Verständnis», hat Markus Bertet festgestellt.

Gemeinsames Schulhaus

Davon, dass die Situation noch über viele Jahre anhalten wird, davon geht der Lehrer aber nicht aus. Es sei immer mal wieder im Gespräch, die fünf Schulstandorte in Oberaach in einen gemeinsamen Schulhaus zusammenzuziehen. Eine Option, mit der Markus Bertet zwar leben kann, die er aber nicht herbeisehnt. «Ich werde an einem anderen Ort nie wieder so viel Platz zum Unterrichten haben», sagt er und weist auf den grosszügigen Raum, in dem sich die Klassen tummeln. Doch: «Wir müssen immer offen sein für individuelle Lösungen.»

Markus Bertet

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