«Wir hängen im luftleeren Raum»

Der Kreuzlinger Gemeinderat hat die Standortplanung für Mobilfunkantennen bereits zum zweitenmal zurückgewiesen. Stadtrat Michael Dörflinger ist darüber enttäuscht, lässt sich aber nicht entmutigen.

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Michael Dörflinger Stadtrat Departement Bau (Bild: Quelle)

Michael Dörflinger Stadtrat Departement Bau (Bild: Quelle)

Herr Dörflinger, wie gross ist Ihre Enttäuschung darüber, dass die Standortplanung für Mobilfunkantennen vom Gemeinderat erneut zurückgewiesen wurde?

Michael Dörflinger: So auf einer Skala von eins bis zehn? Ziemlich weit oben, weil uns der Gemeinderat ja bestätigt hat, die «Hausaufgaben» gründlich und mit grossem Aufwand erledigt zu haben. Wir haben sogar – jetzt kann ich das ja verraten – gegen die Empfehlung unserer eigenen Fachleute die Rahmen der kommunalen Möglichkeiten mit etwas verwegenen politischen Begründungen gesprengt. Trotzdem war der Rat bereits zum zweitenmal nicht bereit, einen Entscheid für oder gegen das neue Reglement zu fällen. Mir hätte ein Entscheid geholfen. Mit der Rückweisung lässt man uns im luftleeren Raum hängen.

Können Sie sich erklären, warum der Gemeinderat nicht einfach Nein stimmt, sondern das Geschäft lieber zurückweist?

Dörflinger: Die Materie ist schon recht verzwickt. Im Prinzip wollen einzelne aus Befürchtungen vor Strahlenschäden keine der heutigen Antennen. Sie wissen jedoch, dass die Gemeinden keine Handhabe besitzen, sie aus gesundheitlichen Gründen abzulehnen.

Warum?

Dörflinger: Der Schutz der Bevölkerung vor Strahlen ist halt ausschliesslich Sache des Bundes. Die Gemeinden haben keinen Spielraum, hier mit kommunalen Bestimmungen einzugreifen. Das vorliegende Reglement schöpft zwar die etwas bescheidenen Möglichkeiten der Standortsteuerung voll aus, erreicht aber schliesslich doch nicht das, was eigentlich gewünscht wird. Ein «Nein» wäre daher zwar konsequent gewesen, hätte aber vielleicht auch den schalen Eindruck hinterlassen, der Gemeinderat wolle sich überhaupt nicht für seine Bevölkerung einsetzen.

Wie gehen Sie nun weiter vor?

Dörflinger: Mit der Rückweisung wurde ja auch ein neuer Auftrag verbunden: Warten und schauen, wie sich alles entwickelt. Eigentlich eine schöne, einfache Aufgabe. Ich bin aber ein bisschen ehrgeiziger und will mich dafür einsetzen, dass Kreuzlingen die neuste und beste Technik erhält.

Wie wollen Sie das erreichen?

Dörflinger: Dazu werden wir den Kontakt mit den Mobilfunkanbietern suchen. Dieser ist ziemlich eingefroren, da wir mit unserem Reglement einen grossen Mehraufwand für sie verursacht hätten und uns damit nicht besonders beliebt gemacht haben. Wir gehen aber davon aus, dass die zurzeit hängigen Bewilligungen von den Aufsichtsinstanzen schliesslich ebenfalls gutgeheissen werden und danach gebaut werden kann. Damit ist dann auch in nächster Zeit kein neues Gesuch für einen Antennenbau zu erwarten, so dass wir Gelegenheit haben, eine einvernehmliche, gute Lösung für unsere Stadt auszuhandeln.

Müssen Sie nochmals von vorne beginnen?

Dörflinger: Nein. Ein neues Reglement auf den bisherigen Grundlagen zu erarbeiten, halte ich derzeit für sinnlos.

Interview: Nicole D'Orazio