«Wir denken wie eine Pflanze»

HATSWIL. Seit 25 Jahren ist Werner Wüthrich mit seinem Unternehmen den Pflanzen nahe und ist «schon auch ein wenig stolz» darauf, dieses Jubiläum feiern zu können. Der 56-jährige gebürtige Appenzeller blickt auf eine bewegte Zeit zurück.

Manuel Nagel
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Auf einem Aussenfeld in Hefenhofen: Werner Wüthrich fühlt sich inmitten seiner Pflanzen wohl. (Bild: Manuel Nagel)

Auf einem Aussenfeld in Hefenhofen: Werner Wüthrich fühlt sich inmitten seiner Pflanzen wohl. (Bild: Manuel Nagel)

«Eigentlich wollte ich gar nie Unternehmer werden, aber ich musste mich damals quasi über Nacht entscheiden, ob ich bei der Stacher AG einsteigen will», meint Werner Wüthrich mit einem Schmunzeln. Das war 1984. Zwei Jahre später hatte er seine drei Teilhaber Reto Petralli, Hans Stacher und Erwin Strub ausbezahlt und zusammen mit seiner Frau Rosi die Wüthrich Baumschulen AG gegründet.

«Es war ein harziger Beginn», erzählt Wüthrich, «und wenn vier Teilhaber da sind, dann ist es immer etwas schwieriger, als wenn einer das Sagen hat.»

Strukturwandel in der Branche

Mit der aufkommenden Globalisierung setzte um die Jahrtausendwende ein Strukturwandel in der Gartenbranche ein. «Damals hat es Gärtnereien noch und noch verblasen», erinnert sich Wüthrich.

Auch für sein Geschäft musste er eine Entscheidung treffen, denn der bisherige Standort in Uttwil wurde den Wüthrichs zu klein. Schon früher sahen sie sich nach einem geeigneten Grundstück um, doch nun intensivierten sie ihre Suche. In Hatswil wurden Werner und Rosi Wüthrich schliesslich fündig. «Ein beinahe idealer Standort», meint Wüthrich, auch wenn er ganz gerne an der Seestrasse geblieben wäre.

Neuer Ort und neuer Name

So fuhren im Sommer 2002 in Hatswil die Bagger auf, und bereits im darauffolgenden Winter zog die Wüthrich Baumschulen AG um und feierte im März 2003 Eröffnung, nun unter dem neuen Namen Wüthrich Pflanzen AG.

Auch die Kundschaft von Wüthrich hatte sich im Laufe der Zeit gewandelt. Zu Beginn seiner Geschäftstätigkeit zählten vor allem Gartenbauer und Obstbauern zu seinen Kunden. Über 50 000 Obstbäume hätten sie damals pro Jahr selbst produziert. Das war damals ein wichtiges Standbein für Wüthrichs Baumschule. Heute sind es rund achtmal weniger.

Auch die Quantität der Eigenproduktionen ging mit dem Umzug nach Hatswil markant zurück. Waren es in Uttwil noch gegen die 90 Prozent, so stammen heute nur noch 25 bis 30 Prozent aus eigener Produktion. Der Rest ist Handelsware, die wiederum zu zwei Dritteln importiert wird – ebenfalls eine Folge der Globalisierung.

Keine Einkaufswägeli-Ware

«Wir müssen uns von den Discountern abheben», weiss Wüthrich, «denn kleine Pflanzen bekommt man heute bereits sehr günstig. Wir hingegen haben keine Einkaufswägeli-Ware.

Zudem versuchen wir, durch Qualität und Fachwissen zu überzeugen.» Dem Konsumenten – mittlerweile sind über 20 Prozent seiner Kunden Endverbraucher – müsse er halt auch erklären, weshalb seine Preise teilweise etwas höher lägen. «Es gibt nicht viele Betriebe, die fachlich mit uns mithalten können. Zudem war auch die Lehrlingsausbildung stets ein wesentlicher Bestandteil unseres Betriebes und ein wichtiger Teil unserer Philosophie. Für meine Mitarbeiter soll ihr Beruf zugleich auch Berufung sein.

Wir versuchen deshalb, wie eine Pflanze zu denken», sagt Werner Wüthrich.

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