«Wir bauen einen Stadtteil»

ARBON. Wo Saurer einst Lastwagen baute, erhält Arbon ein zweites Stadtzentrum. Die Schweizer Architekturzeitschrift «Hochparterre» widmet diesem seltenen Projekt ihr neuestes Themenheft.

Fritz Bichsel
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Das Modell zeigt, wie im Saurer WerkZwei das neue Stadtquartier Gestalt annehmen wird. Rechts das geplante Hochhaus auf Steinacher Boden. (Bild: pd)

Das Modell zeigt, wie im Saurer WerkZwei das neue Stadtquartier Gestalt annehmen wird. Rechts das geplante Hochhaus auf Steinacher Boden. (Bild: pd)

Die Schweiz ist gebaut. Platz für neue Dörfer oder gar Städte gibt es nicht. Hinzu kommen fast nur noch Siedlungen an Ortsrändern, Industrieüberbauungen oder Feriendörfer. Die seltene Möglichkeit, auch ein Innenstadtquartier neu zu bauen, bietet sich in Arbon. Anstelle der aufgegebenen Lastwagenfabrik und weiterer Industriebrachen angrenzend an die Altstadt entsteht eine «neue Stadtmitte».

Gedanklich von Alt zu Neu

Dieses Grossprojekt in einer Innenstadt weckte Interesse von Architekt Ivo Bösch, Mitinhaber eines Büros und Redaktor bei «Hochparterre». Nun legt diese bekannte Schweizer Zeitschrift für Architektur und Design das Themenheft «Saurer WerkZwei wird neuer Stadtteil» vor.

Für dieses Werk durchstreifte Fotograf Pit Brunner alte Hallen, verlassene und noch belebte Winkel oder Brandruinen auf dem 200 000 Quadratmeter grossen Areal. Nun prägen sechs ganzseitige Fotos von ihm das gut zwanzigseitige Themenheft. Was auf diesen riesigen Flächen neu projektiert ist, zeigen Visualisierungen, Fotos von Modellen und Pläne der Teilprojekte aus mehreren, auch international ausgeschriebenen Architekturwettbewerben.

Beispielhafte Grundlagen

Ivo Bösch erläutert die Resultate: von Hotel und Saurer-Museum über Wohnhäuser an einem Park entstehen Neubauten für Verkauf und weitere Dienstleistungen. Baudenkmäler werden erhalten. Es gibt noch Baufelder für offene Nutzungen. Das Gelände erstreckt sich bis zum geplanten Hochhaus auf Steinacher Boden. David Canzoni, Architekt und freier Mitarbeiter bei «Hochparterre», zeichnet das Werden des Riesenprojekts nach und kommt zum Schluss: «Die Testplanung und das Konzept von 2004 erweisen sich als robust – fast alles gilt noch so, wie damals geplant.» Der St. Galler Journalist René Hornung, ein Kenner von Geschichte und Architektur der Ostschweizer Industrie, erkundet in einem Interview mit Vertretern von HRS die Realisierungsschritte und beleuchtet die Omnipräsenz dieses Generalunternehmens in Arbon.

20 Jahre

HRS ist auf dem Saurer-Areal – auf dem 400 freistehende Einfamilienhäuser Platz fänden – und auf weiteren Bauflächen in der Bodenseestadt engagiert als Käufer, Projektentwickler und auch grösster Investor. CEO Martin Kull fasste an der Themenheftvernissage für Vertreter von Kanton, Stadt und dreissig beteiligten Planungsbüros das Vorhaben so zusammen: «Wir bauen seit 2013 und über etwa zwanzig Jahre einen neuen Stadtteil. Solche langfristigen Investments erfordern auch gute Architektur.» «Hochparterre»-Redaktor Ivo Bösch zieht aus seinen Recherchen dieses Fazit: «HRS hat hier beim Planen alles richtig gemacht.» An der Heftvernissage hat er diesen Befund erläutert.

Aus einem Guss

Wie zuerst Saurer baue hier eine einzige Firma aus einem Guss ein ganzes Quartier. Sie habe ein geeignetes Areal an Zentrumslage und in Seenähe langfristig gesichert, «den guten Gestaltungsplan» übernommen und mit «hochdotierten Architekturwettbewerben» weiterentwickelt, Fachleuten gut zugehört und auch Ängste in der Bevölkerung ernst genommen. Nun baue HRS das Richtige an dieser Lage: «Ein gemischtes Quartier zum Wohnen und Arbeiten, mit Freiräumen und bewahrten Baudenkmälern.»

Das geplante neue Hotel Werk2 im früheren Werkareal. (Bild: pd)

Das geplante neue Hotel Werk2 im früheren Werkareal. (Bild: pd)

Martin Kull CEO HRS Real Estate AG (Bild: Max Eichenberger)

Martin Kull CEO HRS Real Estate AG (Bild: Max Eichenberger)