«Will Kesswil vorwärtsbringen»

KESSWIL. Meisterlandwirt Kurt Henauer will Gemeindeammann von Kesswil werden. Die Unterschiede zu seiner Mitbewerberin Karin Bétrisey seien nicht gross. Er sei aber im Dorf aufgewachsen und habe ein grosses Beziehungsnetz, sagt der 52-Jährige. «Trotzdem bin ich absolut unabhängig.»

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Naturverbundener Landwirt: Kurt Henauer bewirtschaftet 130 Hochstämmer und hat 280 Meter Hecken gepflanzt. (Bild: Reto Martin)

Naturverbundener Landwirt: Kurt Henauer bewirtschaftet 130 Hochstämmer und hat 280 Meter Hecken gepflanzt. (Bild: Reto Martin)

Herr Henauer, Sie sind 52 Jahre alt und wollen als Gemeindeammann in die Politik einsteigen. Warum?

Kurt Henauer: Ich habe mich bis jetzt im Turn- und Gemeindeverein, als Feuerwehrkommandant oder beim kantonalen Milchverband für die Öffentlichkeit engagiert. Nachdem ich alle diese Aufgaben abgegeben habe, wäre ich nun bereit für die Politik. Ich dachte zuerst an den Gemeinderat und nicht ans Amt des Gemeindeammanns.

Jetzt ist es anders gekommen, weil im Sommer Hermann Haffter seinen Rücktritt erklärt hat und ich gefragt wurde, ob ich nicht sein Nachfolger werden will. Eine neue Herausforderung ist immer gut. Und der Moment wäre günstig.

Inwiefern?

Henauer: Ich betreibe die Milchwirtschaft zusammen mit einem Kollegen in einer Tierhaltergemeinschaft. Die vertragliche Abmachung endet 2012. Danach würde ich ihm die Milchproduktion mit den Lieferrechten überlassen.

Die arbeitsintensive Stallarbeit würde ich schon ein Jahr früher abtreten. Weiter würde ich meinen Betrieb mit Futterbau und Obstbau weiterführen, statt mit einem Lehrling mit einem Angestellten.

Sie sind in Kesswil aufgewachsen und sind über die Vereine und die Feuerwehr eng mit dem Dorf verflochten. Wie unabhängig wären Sie als Gemeindeammann?

Henauer: Ich bin absolut unabhängig, weil ich alle Meinungen höre und mir selber ein Bild machen kann. Ich bin auch auf niemanden angewiesen.

Dass ich eigenständig bin, habe ich in der Vergangenheit wiederholt bewiesen. Alle, die mich kennen, wissen das.

Können Sie gut Nein sagen?

Henauer: Ich habe das Gefühl, ich könne gut zuhören, ich bin aber nicht einer, der endlos Diskussionen führen will. Wenn alles gesagt ist, möchte ich eine Entscheidung. Meine Lebenserfahrung hat mich gelehrt, auch Nein zu sagen.

Sie sind in der SVP. Welche Rolle spielt die Parteipolitik?

Henauer: Ich bin kein treuer Parteigänger und habe in den letzten Jahren ein differenziertes Verhältnis zur SVP entwickelt. Vor allem mit der SVP Schweiz und dem Zürcher Flügel habe ich zuweilen Mühe.

Kein Wunder: Ihr politisches Vorbild ist der verstorbene SP-Ständerat Thomas Onken. Warum er?

Henauer: Fasziniert bin ich davon, wie tolerant und offen er war. Thomas Onken stellte nicht das Parteibuch in den Vordergrund.

Ihm ging es um die Sache. Damit hat er viel erreicht. Ähnlich politisiert auch SVP-Nationalrat Hansjörg Walter, der mir ebenfalls gut gefällt.

Am Podium im Januar waren kaum Unterschiede zwischen Ihnen und Frau Bétrisey auszumachen. Sie selber sagt, der Eindruck täusche. Teilen Sie diese Einschätzung?

Henauer: Die Unterschiede sind tatsächlich nicht gross. Wir wollen beide das Beste fürs Dorf und haben festgestellt, dass Kesswil neuen Schub braucht.

Landwirte gelten eher als Bewahrer.

Henauer: Ich habe das Gefühl, dass ich mit meiner Betriebsführung modern bin. Ich bin eine Tierhaltergemeinschaft eingegangen, um marktgerecht produzieren zu können. Ich habe auch Innovationsbereitschaft bewiesen, als ich eine Kultur mit Tafeltrauben anlegte. Ich mache auch viel für die Natur. Ich bewirtschafte 130 Hochstämmer und habe 280 Meter Hecken angelegt. Ich traue mir zu, Kesswil vorwärtszu bringen. Gutes kann man bewahren, es schliesst aber nicht aus, Neues zu schaffen.

Kesswil soll sich als Ort mit hoher Lebensqualität für Jung und Alt, für Neuzuzüger und Alteingesessene weiterentwickeln, sagen Sie. Wie soll das gehen?

Henauer: Wir müssen uns ein frisches Erscheinungsbild geben. In der Vergangenheit haben wir wenig fürs Image getan. Ein neues Logo könnte die Ausstrahlung des Dorfes verbessern. Kesswil braucht auch ein Leitbild, und die Behörde müsste ihm konsequent nachleben. Wichtig wäre mir, den Puls der Bevölkerung zu spüren. Ich würde eine Arbeitsgruppe mit vertrauensvollen Leuten einberufen.

Ihr Auftrag: eine Vision «Kesswil 2025» ausarbeiten. Der Kreisel und das Seeufer könnten schöner gestaltet werden. Gleichzeitig muss die wirtschaftliche Entwicklung gefördert werden. Die Gemeinde sollte generell aufmerksam sein und Chancen packen, wenn sie sich bieten. Damit meine ich beispielsweise Land, das plötzlich zum Kauf steht und neue Perspektiven eröffnen könnte.

Denken Sie an die Dorfwiese?

Henauer: Nein, aber sie ist auch ein Thema. Ich denke eher an eine Unterführung, über die man schon lange redet.

Würden Sie die Planung eines neuen Hafens nochmals an die Hand nehmen?

Henauer: Wir müssen auf jeden Fall nochmals dahinter. Ich wäre offen und würde hoffen, dass wir einen neuen Hafen bauen können. Ich weiss aber auch als Mitglied des früheren Hafenförderungsvereins, wie schwierig es ist. Der Wunsch nach einem neuen Hafen ist alt.

Bereits vor 30 Jahren gab es die Idee eines eigentlichen Freizeitzentrums bei der Badewiese mit Schiffsanlegeplätzen und Hotel. Ob die Kesswiler so etwas wollen, weiss ich aber nicht.

Kesswil soll in den nächsten fünf Jahren von den Reserven leben. Ist das die richtige Strategie?

Henauer: Ich war zuerst schockiert, als ich das hörte.

Jetzt halte ich die Strategie für den richtigen Weg, da in den nächsten Jahren einiges ansteht und so der Steuerfuss gehalten werden kann. In drei Jahren werden wir möglicherweise nicht darum herumkommen, ihn nach oben anzupassen, wenn wir alle Projekte umsetzen wollen.

Die 100 Franken teure Vignette für auswärtige Badegäste hat hohe Wellen geworfen. Würden Sie sie abschaffen?

Henauer: Ich bin nicht ganz glücklich mit der heutigen Lösung. Es braucht sicher Verbesserungen im Rahmen eines Gesamtverkehrskonzepts.

Aber ich würde die Vignette sicher nicht als erste Amtshandlung abschaffen. Die heutige Behörde hatte offenbar gute Gründe, sie einzuführen.

Interview: Markus Schoch

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