«Will das Werk zusammenhalten»

ROMANSHORN. Seit 15 Jahren führt Roswitha Demarmels eine Atelier-Galerie mit Bildern ihres 1992 verstorbenen Mannes Ludwig. Das Interesse am Romanshorner Maler mit Bündner Wurzeln ist ungebrochen.

Markus Schoch
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Ludwig Demarmels: Seine Bilder ziehen noch immer Besucher aus dem In- und Ausland an. (Bild: Archiv SBZ)

Ludwig Demarmels: Seine Bilder ziehen noch immer Besucher aus dem In- und Ausland an. (Bild: Archiv SBZ)

romanshorn. Das Elternhaus von Roswitha Demarmels an der Amriswilerstrasse 44 in Romanshorn ist voller Erinnerungen. Auf drei Stockwerken hängen insgesamt 200 Bilder, die ihr Mann Ludwig zwischen 1935 und 1992 malte. Es könnten noch viel mehr sein. «Mir fehlt aber der Platz, sie zu zeigen», sagt die 74-Jährige mit Bedauern in der Stimme.

Seit 15 Jahren führt sie eine Atelier-Galerie, die morgen Sonntag das nächste Mal geöffnet ist. Ausgestellt sind Ölgemälde, Aquarelle, Reliefs, Holzschnitte, Lithografien und Druckgrafiken.

Auch fast 20 Jahre nach dem Tod ihres Mannes ziehen die Kunstwerke noch immer Besucher aus dem In- und Ausland an. «Ich bin darüber manchmal selber erstaunt», sagt Roswitha Demarmels.

Neue und alte Bewunderer

Viele der Kunstliebhaber kannten ihren verstorbenen Mann noch selber, der seine Werke als «Poesie in Farbe» bezeichnete. Sie kommen regelmässig nach Romanshorn, wo sich der Bündner 1951 niederliess. Dabei lernen sie immer wieder neue Facetten seines Schaffens kennen. Denn Roswitha Demarmels wechselt die Bilder in der Ausstellung immer wieder aus.

Doch es sind nicht nur langjährige Bewunderer des vielseitigen Künstlers, die den Weg an den Bodensee finden. «Es gibt viele, die das Werk meines Mannes erst jetzt entdecken», sagt Roswitha Demarmels.

Populär bei den Rätoromanen

Ungebrochen populär ist Ludwig Demarmels im rätoromanischen Sprachraum, wohin es ihn mit Pinsel und Farbe immer wieder zog. Der Wahl-Thurgauer wurde im kleinen Dorf Stierva geboren und wuchs in Davos auf. Für die Rätoromanen sei ihr verstorbener Mann nach wie vor der Maler schlechthin, sagt Roswitha Demarmels. Bernard Cathomas, der ehemalige Direktor von Pro Helvetia, schrieb unlängst in einem Brief an sie, dass ihr Mann Landschaften und Menschen in der rätoromanischen Schweiz «so träf dargestellt hat, dass er auch der jungen Generation etwas zu sagen hat». Sein Werk strahle nach wie vor Kraft, Wärme und Heimatverbundenheit aus.

Der Zeitung «La Pagina» aus der Region Surmeir im Zentrum Graubündens war die Wiedereröffnung der Atelier-Galerie in Romanshorn in diesem Jahr ein Artikel über die gesamte Frontseite wert.

Im kürzlich erschienen Lexikon Istoric Retic, dem ersten Geschichtslexikon der rätoromanischen Schweiz, ist Ludwig Demarmels erwähnt und sogar im Bild zu sehen.

Alles aufgearbeitet

Roswitha Demarmels verwaltet das künstlerische Erbe ihres Mannes mit Umsicht und grossem Engagement. So hat sie soeben dank Hilfe aus dem Freundeskreis ein Verzeichnis aller Kunstwerke im eigenen Haus abgeschlossen: Sie sind jetzt vermessen, datiert und in Bezug auf die verwendete Technik charakterisiert. «Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, als wir fertig waren», sagt Roswitha Demarmels.

Zu den meisten Besitzern von Bildern ihres Mannes pflegt sie Kontakt. «Ich weiss mit wenigen Ausnahmen auswendig, wer welches Kunstwerk gekauft hat.» Der grösste Sammler lebt in Offenburg. Stirbt einer von ihnen, erfährt es Roswitha Demarmels nicht selten, weil die Erben wissen wollen, was das Bild ihres verstorbenen Mannes wert ist. Manchmal erhält sie auch Bilder in die hauseigene Sammlung zurück.

Immer wieder stösst Roswitha Demarmels auf unbekannte Werke, was nicht verwundern kann. Ihr Mann malte bereits, als er noch nicht einmal 20 Jahre alt war. Solche frühen Arbeiten hält sie auf Fotos fest. Freischaffender Kunstmaler wurde Ludwig Demarmels erst 1968 mit über 50. Den Durchbruch schaffte er in den letzten Jahren seines Lebens.

Öffentlich zugänglich halten

Roswitha Demarmels verkauft nur selten Bilder ihres verstorbenen Mannes. Von gewissen will sie sich grundsätzlich nicht trennen, andere gibt sie nur weg, «wenn alles stimmt», wie sie sagt.

Sie wolle das Werk zusammenhalten und hoffe, dass die Sammlung auch später öffentlich zugänglich bleibe. «Das ist mein grosser Wunsch.»

Atelier-Galerie L. Demarmels, Amriswilerstr. 44, Romanshorn, Telefon 071 463 18 11, zwischen Mai und Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat geöffnet (14 bis 17 Uhr),. Gruppen erhalten auf Anmeldung auch an anderen Tagen Einlass.

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