WILEN-GOTTSHAUS: Seine Hühner leben glücklich

Auf der Hühnerfarm von Stephan Beutter leben 11 000 Legehennen. Hauptabnehmerin der Eier ist die Migros-Genossenschaft Ostschweiz.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Drucken
Teilen
Eierproduzent Stephan Beutter zusammen mit seinen glücklichen Hühnern. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Eierproduzent Stephan Beutter zusammen mit seinen glücklichen Hühnern. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Hier lebt es sich glücklich: Umgeben von saftig grünen Wiesen und dem Ausblick auf den Horber Weiher gackern unzählige Hühner um die Wette. Und sie haben zudem viel Freiraum – zehn Prozent mehr Platz im Stall als das Tierschutzgesetz vorschreibt und zweieinhalb Quadratmeter Weidefläche pro Huhn. Bei Stephan Beutter im Weiler Birnstiel bei Wilen-Gottshaus leben rund 11 000 Hennen glücklich.

Stephan Beutter nimmt ein Huhn auf den Arm und begrüsst mit ruhiger Stimme seine Herde: «Chomm Bibibi, chomm Bibibi.» Ihre Arbeit für heute haben die Legehennen bereits erledigt. In den ersten Stunden ihres Tages, etwa von vier bis zehn Uhr, legen die Hühner ihre Eier. «Ein Huhn legt sein Ei instinktiv an einer geschützten, dunklen Stelle», erklärt Stephan Beutter. In seinem Stall sind deshalb die Legenester an einem dunklen Platz positioniert und der Nestboden abgeschrägt. Das Ei rollt vom Nest auf ein Förderband und wird in die Sortieranlage transportiert. «Bis vor vier Jahren haben wir diese Arbeiten manuell gemacht», sagt er. Die vollautomatische Anlage sei eine der modernsten, die es momentan gibt. Früher, als noch alles von Hand gemacht wurde, waren fast doppelt so viele Leute beschäftigt – heute seien es sechs Personen, die sich rund 400 Stellenprozente teilen.

Täglich bringt er die frischen Eier nach Gossau

Jeden Tag landen rund 10 000 Eier – die Legeleistung liegt bei etwa 91 Prozent – in der Verpackungsanlage, wo sie maschinell in Schachteln abgepackt und palettiert werden. Täglich bringt Stephan Beutter die frischen Eier mit seinem Lieferwagen in die Migros-Betriebszentrale nach Gossau. Die Migros-Genossenschaft Ostschweiz ist seine Hauptabnehmerin. Zudem beliefert er Bäckereien und Restaurants in der Umgebung sowie Kunden zwischen Zürich und Baden/AG.

Stephan Beutter kauft die Junghennen im Alter von 18 Wochen ein. Zwar legen sie dann noch keine Eier, sie können sich aber an ihre Umgebung gewöhnen. In der zwanzigsten Alterswoche beginnen die Hühner zu legen. Genau 50 Wochen bleiben die Legehennen auf der Hühnerfarm, danach werden sie ausgemustert. «Eine längere Nutzung ist nicht möglich, weil sonst die Produktion nicht mehr mit dem Absatzmarkt übereinstimmen würde», erklärt der Eierproduzent. Gerade nach Ostern breche die Nachfrage ein, dadurch habe es zu viele Eier auf dem Markt. Etwa 5 500 Hühner werden dann geschlachtet und zu Charcuterie-Produkten wie Geflügelwurst weiterverarbeitet. Früher wurden ausgesonderte Tiere in der Regel als Suppenhühner verwertet. «Suppenhühner waren einst eine Delikatesse, heute landen sie kaum mehr auf dem Teller», sagt Stephan Beutter.

Geheiratet hat er zwar, aber eine Frau ohne Hof

Die Eierschale ist ein Wunderwerk der Natur – diese bildet sich in der Nacht. Deshalb brauchen die Hennen in der Nacht ihre Ruhe. «Im Eileiter befinden sich 35 Eier, alle in verschiedenem Reifezustand», weiss der Eierproduzent. Ein 1,5 Kilogramm schweres Huhn legt täglich ein Ei von etwa 60 Gramm. «Hühner sind Spitzenathleten», meint Stephan Beutter und lacht. «Sie machen nur einmal frei in zehn Tagen.» Auf zehn Tage verteilt legt ein Huhn nämlich neun Eier.

Aufgewachsen in der Agglomeration von Zürich, stand für Stephan Beutter schon früh fest, dass er Landwirt werden möchte. «Ich komme zwar nicht aus einer Bauernfamilie», erzählt er und ergänzt, dass sein Vater ein Werbeatelier führte. Zusammen mit seinen Eltern verbrachte er jeweils die Ferien im Bündnerland. Dort hielt er sich lieber bei den Bauern auf, als mit seinen Eltern etwas zu unternehmen. Nach der obligatorischen Schulzeit entschied er sich für eine landwirtschaftliche Ausbildung im Emmental. Seine Eltern ermahnten ihn jedoch, dass es für sie unmöglich sei, ihm einen landwirtschaftlichen Betrieb zu kaufen. Er hingegen hatte damit kein Problem: «Dann suche ich mir halt eine Frau mit einem Hof.» Wenn Stephan Beutter an diese Anekdote denkt, muss er heute noch lachen – geheiratet hat er zwar, aber eine Frau ohne Hof.

Nach dem Lehrabschluss zog es Stephan Beutter nach Ostafrika. Dort hatte er während zwei Jahren landwirtschaftliche Entwicklungshilfe geleistet. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz arbeitete er als Angestellter auf Landwirtschaftsbetrieben. Auf einem Betrieb im Kanton Aargau habe es ihm so richtig den Ärmel reingezogen. Dort hatte es nämlich Legehennen. Für Stephan Beutter war klar: «Ich möchte in Zukunft selber Hühner halten.» Deshalb baute er sich bereits im Aargauischen einen Kundenstamm auf und ging auf Eiertour. Der eidg. dipl. Meisterlandwirt hat sich weitergebildet und auf die Freilandhaltung von Legehennen spezialisiert.

Mit seiner Frau Cornelia und den vier damals noch kleinen Kindern verschlug es ihn im Jahre 1993 in den Thurgau. Im Weiler Birnstiel konnte er die Hühnerfarm von Walter Schmid übernehmen und einen Pachtvertrag auf zehn Jahre abschliessen. Nachdem er das notwendige Eigenkapital erwirtschaftet hatte, kaufte er im Jahr 2003 die Hühnerfarm.

Vor acht Jahren wurde Stephan Beutter zusammen mit einem weiteren Eierproduzenten, Rolf Inauen aus Haslen, mit der Regio-Wurzeltrophäe der Migros ausgezeichnet. Die beiden waren der Jury als innovative Produzenten aufgefallen. Sie gehörten zu den ersten Lieferanten, die ihre Eier mit Legedatum, Produzenten-Code und Internetadresse versahen.

Stephan Beutter liebt die Herausforderungen in seinem Beruf. Er mag die Arbeit in seinem Betrieb genauso wie die Vermarktung der Eier und den Kontakt mit den Kunden. Wichtig ist ihm, dass seine Hühner wirklich ein glückliches Leben haben. So werden sie im Freien von etwa 20 Hähnen begleitet. «Es gibt nichts Schöneres, als in der Morgenfrische zuzuschauen, wie die Hühner auf der Wiese picken und die Hähne dazwischen krähen.»

www.huehnerei.ch