WIGOLTINGEN: Mehr Familienfest als Schwinget

Ein zünftiges Sommerfest erlebten die 200 bis 300 Besucher und Besucherinnen am 2. Chäsi-Plauschschwingfest auf der Chäsi-Wiese. Trotz Sägemehlring lag das Augenmerk am Samstag mehr auf dem gesellschaftlichen als auf dem sportlichen Aspekt.

Rudolf Steiner
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Die Zuschauer unter den Sonnenschirmen und im Festzelt verfolgen einen Kampf am Wigoltinger Plauschschwingfest. (Bilder: Rudolf Steiner)

Die Zuschauer unter den Sonnenschirmen und im Festzelt verfolgen einen Kampf am Wigoltinger Plauschschwingfest. (Bilder: Rudolf Steiner)

Rudolf Steiner

weinfelden

@thurgauerzeitung.ch

Es ist eine gelungene zweite Auflage des Wigoltinger Plauschschwingfests. Die Anfänge gehen aber weiter zurück als nur bis zur ersten offiziellen Austragung vor einem Jahr, wie OK-Präsident Tino Martin erklärt. Bereits vor 13 Jahren habe er mit einigen Kollegen das erste inoffizielle Plauschschwingfest im Dorf organisiert. «Es ging uns schon damals mehr ums Zusammenfesten als ums richtige Schwingen», sagt der 31-jährige Mechaniker aus Märstetten, der am Samstag auch selbst in die Zwilchhosen stieg. Allerdings sei die Idee nach der erstmaligen Durchführung in Vergessenheit geraten, bis sie sich vor drei Jahren entschlossen hätten, das Plauschschwingfest bei der Chäsi in Wigoltingen zu neuem Leben zu erwecken.

Vor einem Jahr wurde das ­erste offizielle Chäsi-Plauschschwingfest mit 16 Teilnehmern und grossem Erfolg durchgeführt. Da es sich ja um kein richtiges, sondern um ein Plauschschwingfest handelt, dürfen sich nur Wettkämpfer beteiligen, die nicht als offizielle Schwinger beim Verband lizenziert sind, wie die Verantwortlichen erklärten. «Dieses Jahr meldeten sich bereits 26 Teilnehmer an, von denen jeder sechs Gänge austragen kann», erklärt der OK-Chef.

In den Ring mit kurzen Hosen und Piercings

Als Kampfrichter waren Hans Roth und der einheimische ehemalige Spitzenschwinger und 132-fache Kranzgewinner Markus Thomi im Einsatz. Sie standen den ganzen Tag unter der brütenden Sonne während den 78 Kämpfen und dem Open-End-Schlussgang im Sägemehlring also volle sechs Stunden. Im Sägmehl ging es vor allem beim Outfit nicht ganz so traditionell wie bei klassischen Schwingfesten zu und her. Zumindest kämpften die Plauschschwinger in den traditionellen Zwilchhosen, daneben traten sie teils aber mit bunten T-Shirts und kurzen Hosen, teils sogar mit Piercings an, was bei traditionellen Schwingfesten nicht toleriert wird.

Sonst herrschte aber an dieser Sommerlochveranstaltung eine ausgesprochen urchige, gemütliche und familiäre Stimmung. Viele der Teilnehmer waren mit ihren Familien ans Fest gekommen und wurden von ihren kleinen Kindern lautstark angefeuert. Dazwischen sorgte auch noch das Appenzeller Jodelchörli Silberdistel von Barbara Laager und eine Treichlergruppe mit den beiden ausgewanderten und «heruntergekommenen» Innerrhödlern Sepp Mazenauer und Sepp Inauen mit ihren Senntumsschellen für eine urchige Feststimmung. Und die ganz starken Männer konnten ihre Muskeln zudem beim Steinstossen mit dem 40 Kilo schweren Original-Chäsi-Stein spielen lassen. Als Sieger aus diesem urchigen Wettkampf ging der 51-jährige Kampfrichter Markus Thomi hervor, der den kleinen Verwandten des Unspunnensteins genau drei Meter weit stiess.

Als Schwingfestsieger wurde der 31-jährige aktive Ringer Urs Wild aus Weinfelden gekrönt. Der mehrfache Schweizer Meister im Freistilringen besiegte Christian Kern nach sieben Minuten mit Kurz und Nachdrücken und erhielt statt eines Munis eine schön geschnitzte Holzuhr.