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WIGOLTINGEN: Die Kindergarten-Oma

Die 88-jährige Lilly Wertli hat vor drei Jahren angefangen, freiwillig im Kindergarten auszuhelfen. Heute wäre ein Leben ohne die Arbeit mit den Kleinen für sie unvorstellbar.
Isabella Gómez
Kindergarten-Oma Lilly Wertli spielt mit den Kindergärtlern Plitsch-Platsch Pinguin. (Bild: Isabella Gómez)

Kindergarten-Oma Lilly Wertli spielt mit den Kindergärtlern Plitsch-Platsch Pinguin. (Bild: Isabella Gómez)

Isabella Gómez

isabella.gomez@thurgauerzeitung.ch

Konzentriert betrachtet er den Eisberg. Wohin soll der Pinguin platziert werden, damit er nicht runterfällt? Der Bub entscheidet sich für die gleiche Stelle, an der der Pinguin seiner Mitschülerin bereits runtergefallen ist. Lilly lächelt. «Manchmal machen sie den gleichen Fehler wieder und wieder», sagt sie. Aber die Kinder lernen während des Spielens dazu. Der Bub kann es nochmals probieren. Mit Erfolg, denn dieses Mal bleibt der Pinguin stehen.

Bereits seit drei Jahren hilft die 88-jährige Lilly Wertli freiwillig im Kindergarten Wigoltingen aus. Sie ist jeweils am Freitagmorgen von acht bis etwa zehn Uhr dort anzutreffen. Mittlerweile kennt man sie als die Kindergarten-Oma und sie hofft, dass es noch lange so bleibt. «Ich bin froh, dass ich geistig und körperlich noch in der Lage bin, das zu machen», sagt sie. Schon immer hat Wertli gerne mit Kindern zusammengearbeitet. 18 Jahre lang hat sie im Bündner Oberland gelebt und dort eine Bastelgruppe für Kinder gegründet. Auch ein Kinderbuch, in dem sie ihre Texte mit Kinderzeichnungen kombinierte, hat sie damals veröffentlicht. Sie unterrichtete eine Weile sogar in der Scoletta, da es in ihrem Dorf keine Kindergärtnerin gab. Heute lebt Lilly Wertli in Müllheim. Dort hat sie auch vor drei Jahren beim Spazieren die Mutter einer der Kindergärtnerinnen von Wigoltingen kennen gelernt. «Sie sagte zu mir, dass ihre Tochter meine Hilfe im Kindergarten bestimmt brauchen könnte», sagt sie. Die Idee, mit Wertli zusammenzuarbeiten, kam bei der Wigoltinger Kindergärtnerin Claudia Röthlisberger gut an und es kam zu einem Gespräch zwischen den beiden. «Wir sind so verblieben, dass ich erst mal an einem Tag vorbeischaue und dann entscheide, ob es mir gefällt», sagt Wertli. «An diesem Tag habe ich mein Herz an den Kindergarten verloren.» Seitdem ist Lilly Wertli immer am Freitagmorgen im Kindergarten.

Eine grosse Hilfe für die Kindergärtnerin

Nach der Begrüssung werden die Kinder in Gruppen eingeteilt und machen verschiedene Aktivitäten, sagt Wertli. Immer wieder wechseln sie die Posten. «Bei mir können sie spielen oder ich lese ihnen etwas vor.» Für Röthlisberger ist die Kindergarten-Oma eine Entlastung. «Bei 23 Kindern ist es schwer, mit nur vier zusammenzusitzen und etwas zu machen», sagt sie. Wertli biete den Kindern die Aufmerksamkeit, die sie brauchen. Und auch die Kinder freuen sich, wenn sie im Kindergarten ist. «Beim Znüni wollen sie immer, dass ich Geschichten erzähle», sagt Wertli. Dann hören sie ganz gespannt zu. Einige Kinder reservieren dafür sogar den Platz neben sich für sie. Auch kleine Geschenke und Zeichnungen bekomme sie immer wieder von den Kleinen. «Die hängen alle bei mir zu Hause im Gang.»

Im Moment ist die Zeit im Kindergarten für die 88-Jährige nicht wegzudenken. «Am Freitag mache ich nie andere Pläne, der Kindergarten steht an erster Stelle», sagt sie. Kindergarten-Oma zu sein, sei eine Bereicherung, da sie so viel Positives von den Kindern bekomme. «Egal ob eine Umarmung oder wenn sie kurz meine Hand halten, es ist einfach so ein schönes Gefühl.» Auch die Fortschritte der Kinder mitzuverfolgen sei ein wertvolles Erlebnis. Wertli ist der Meinung, dass es diese Möglichkeit für mehr alte Menschen, die ein Herz für Kinder haben, geben sollte. Viele haben nämlich viel freie Zeit und wissen gar nicht, was sie damit anfangen sollen. Im Kindergarten mithelfen zu können biete Abwechslung, sagt sie. «Es tut am Herzen gut und ich möchte noch lange Kindergarten-Oma sein.»

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