Wie wollen wir älter werden?

Unter den älteren Menschen sind zunehmend Migranten. Ulrich Otto plädiert für Wohnformen, in denen alle Generationen gemeinschaftlich miteinander leben.

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Mobilität im Alter. (Bild: Reto Martin)

Mobilität im Alter. (Bild: Reto Martin)

Der Einladung der SP Arbon waren zahlreiche Interessenten gefolgt, um zu erfahren, ob es Alternativen zur gängigen Alterspolitik gebe oder ob immer mehr Plätze für Alters- und Pflegeheime gestellt werden müssten.

Neue Zielgruppen

Professor Otto, Leiter des Kompetenzzentrums für Generationen der Fachhochschule St. Gallen, stellte fest, dass die Ostschweiz eine heimoffene Kultur lebe.

Die Anstrengungen müssten jedoch auf andere Lösungen konzentriert werden, da die Gesellschaft sich immer mehr Heime gar nicht leisten könne. Zudem würden neue Zielgruppen wie zunehmend alleinstehende Männer oder Migrantinnen und Migranten in die Altersphase eintreten. Dies werde noch viel zu wenig beachtet.

«Kampf um die Lufthoheit»

Kommerzielle Interessengruppen haben für die Altersfrage ausgetüftelte Konzepte entwickelt.

Dahinter stünden verschiedenste Leitbilder: die betulichen Überlegungen auf der einen Seite, eine Art «technische Entsorgung des Alters», das heisst mit sämtlichen elektronischen Möglichkeiten überwacht, auf der anderen. Offen bleibe die Frage nach den sozialen Netzen, nach Begegnung und Gemeinschaft sowie nach der Lebensqualität.

Mittendrin – statt aussen vor

Die Aufspaltung nach Altersgruppen sei eine Idee von gestern. Es sollte kein abgeschottetes Wohnen geben. Eine Alterskategorisierung habe sich ebenso überlebt wie eine Einengung auf Alterspolitik. Letztlich gehe es um Generationenpolitik. «Wenn ich 60 Jahre alt bin, möchte ich mir nicht vorgeben lassen, wie ich als 60-Jähriger zu sein habe», bestätigt ein Zuhörer.

Professor Otto zeigte an existierenden Projekten auf, dass durchmischte Wohn- oder Hausgemeinschaften nicht nur funktionieren, sondern auch wirtschaftlich tragend sein können.

Höchste Zeit, umzudenken

«Die Politik ist überall weit hinter der Tragweite des Problems zurück», bedauert Professor Otto. Aus wissenschaftlicher Sicht seien dringend Unterstützungs- und Versorgungskonzepte gefragt, die den Heimübertritt so weit wie möglich hinausschieben oder erübrigten.

Ein Netz aus Zusatzdienstleistungen könne es einem Menschen ermöglichen, um einiges länger in seiner vertrauten Umgebung zu leben. Ebenfalls müsse man sich von grossen Heimen zugunsten familienähnlicher Strukturen verabschieden.

Alt werden in Arbon

In der Diskussionsrunde zeigten sich die Anwesenden beeindruckt, aber auch skeptisch im Hinblick auf Realisierbarkeit und Akzeptanz gemeinschaftlicher Wohnformen.

Da in Arbon der Bau eines neuen Pflegeheims anstehe, wäre es eine gute Gelegenheit, nochmals bei der Planung über die Bücher zu gehen. (pd)