Wie du mir, so ich dir

Die in Stachen über Generationen verwurzelte und expandierende Mosterei Möhl AG hat ein Problem. Eine Einsprache blockiert den Bau eines neuen Lagergebäudes. Möhl selber hatte zuvor Rechtsmittel gegen Wohnbaupläne des Einsprechers ergriffen. Im Vorort herrscht Disharmonie.

Max Eichenberger
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Der Neubau des Tanklagers für Konzentrate in Stachen soll so aussehen. Links am Bildrand: Das geplante Mosterei-Museum. (Bild: pd)

Der Neubau des Tanklagers für Konzentrate in Stachen soll so aussehen. Links am Bildrand: Das geplante Mosterei-Museum. (Bild: pd)

ARBON. Nach dem Zukauf des Thurella-Handelsgeschäftes benötigt Möhl mehr Kapazitäten. Das Ausbauprojekt hatte der Mostereibetrieb zwar noch vor dem Thurella-Kauf eingegeben. Geschäftsführer Ernst Möhl ist aber froh, dass er darin weitsichtig Tankreserven eingeplant hat. Jetzt braucht er sie.

Mit der Übernahme des Thurella-Zweiges hängt ein weiteres Projekt zusammen: eine Verladehalle für Lastenzüge. Dort soll das Konzentrat in Tankwagen umgeschlagen werden für den Transport in die Migros-eigenen Betriebe. Weil die Halbfabrikate ein Qualitätszertifikat erfüllen müssen, dürfen sie nur in einem geschlossenen Raum verladen werden.

«Fürchten Einschränkungen»

Gegen das Bauvorhaben des Tanklagers hat ein Landeigentümer Einsprache erhoben, dessen Parzelle im Süden zwölf Meter an das Möhl-Areal grenzt. Für Möhl ist dies offensichtlich eine Retourkutsche – und für ihn ärgerlich.

Möhl seinerseits hatte nämlich zuvor Einsprache gegen eine auf jenem Nachbargrundstück geplante Überbauung mit 32 Wohneinheiten gemacht. Begründet hatte er diese damit, die vier Meter schmale Strasse sei nicht für zusätzlichen Anliegerverkehr ausgelegt.

Über dieses Strässchen neben der noch grünen Wiese wickelt Möhl seit dreissig Jahren mit Lastern seine Auslieferungen ab mit Gebinden, die aus der Abfüllerei kommen. «Wir fürchten, dass wir dort eingeschränkt werden», sagt Möhl. Nachbar Ernst Gsell hat mit einer Einsprache die Möhl-Ausbaupläne vorerst ausgebremst.

Als Retourkutsche sieht Gsell das nicht: Die Einsprache sei «sachlich begründet». Möhl habe stark expandiert und sei im Begriff, weiter auszubauen. Das bringe zwangsläufig auch eine höhere Verkehrsbelastung mit sich. Diese will er nicht hinnehmen.

Ausnahmen für Möhl

Es werde mit zwei Ellen gemessen, meint Gsell. Für seine Neubauten habe Möhl Ausnahmebewilligungen erhalten, dass er etwa näher an die Strasse bauen konnte. Die Frohsinnstrasse sei nicht Möhls Privat-, sondern eine Gemeindestrasse. «Das Möhl-Areal liegt in der selben Zone wie unsere Parzelle», betont Gsell – nämlich in der Wohn- und Gewerbezone mit hoher Baudichte. Er bezieht sich auf ein Gutachten eines Ingenieurbüros. Danach genügte die Strasse bei Realisierung seines Wohnbauprojektes – sofern die angrenzende Frohsinn-Parzelle der Bürgergemeinde nicht auch noch überbaut würde.

Gsell will nichts mehr als gleiches Recht beanspruchen. «Ich bin halt gegenüber den Möhls ein Nobody – und mich schmettert man ab.» Auch spricht Gsell von Korruption, nachdem er diesen Begriff im Wörterbuch gecheckt hat. Möhl wisse seit dreieinhalb Jahren mit Einsprachen sein Bauprojekt zu verhindern. Auch habe die Arboner Bauverwaltung mit einer angeblich falschen Auskunft zum Nullpunkt (das Baugelände ist leicht abschüssig) gegenüber dem Architekten einen Bock geschossen, so dass letztlich bei der Eingabe die Bauten auf den Plänen teilweise 15 Zentimeter zu hoch gerieten. Das Verfahren läuft noch.

Wohnbau kesselt Gewerbe ein

Möhl ist überzeugt: «Wenn wir unser legitimes Recht nicht wahrgenommen hätten, hätte der Landeigentümer keine Einsprache gemacht.» Über die Frohsinnstrasse gebe es keinen Mehrverkehr, weil die Mosterei die Abfüllerei nicht für Thurella beansprucht. Der Verkehr rolle oben über die Niederfeld- und St. Gallerstrasse und tangiere Gsells Parzelle nicht.

Der Einsprecher stösst sich überdies an der Fassadengestaltung des Lagers, die sich an den Altbau lehnt. «Dabei haben wir die Denkmalpflege beigezogen», sagt Möhl. Der Einwand, es habe zu wenig Grünfläche, widerlegt er mit dem Hinweis auf den drei Meter breiten Rabattenstreifen.

Möhl nacht sich grundsätzliche Sorgen: «Durch den Wohnbau kommen Gewerbe und Industrie zunehmend unter Druck. Wir können unseren Betrieb nicht einfach zügeln. Wir sind da verwurzelt.»

Ein weiteres Projekt befindet sich in der Pipeline und soll im kommenden Winter eingegeben werden: ein Mosterei-Museum mit darunterliegendem Holzfass-Keller, wo die Säfte künftig länger lagern und so noch besser werden sollen.

Ernst Möhl Mitinhaber und Geschäftsführer (Bild: Max Eichenberger)

Ernst Möhl Mitinhaber und Geschäftsführer (Bild: Max Eichenberger)