Widerstandsnest formiert sich

Am Dienstagabend gründeten 41 Personen in Lengwil den «Verein zum Schutz von Kulturland in ländlichen Gemeinden». Grosses Ziel des bäuerlich geprägten Komitees ist es, den Bau der vom Kanton geplanten Oberlandstrasse zu verhindern.

Urs Brüschweiler
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Der Vorstand des neuen Vereins: Ernst Brühlmann (Schönenbaumgarten), Werner Indergand (Altnau), Präsident Matthias Rutishauser (Lengwil), Katharina Graedel (Lengwil), Hans-Peter Blaser (Lengwil), Ueli Walter (Lengwil) und Klemenz Somm (Kreuzlingen). Sepp Trinkler (Langrickenbach) und Andreas Meyer (Altnau) konnten an der Gründungsversammlung nicht anwesend sein. (Bild: Urs Brüschweiler)

Der Vorstand des neuen Vereins: Ernst Brühlmann (Schönenbaumgarten), Werner Indergand (Altnau), Präsident Matthias Rutishauser (Lengwil), Katharina Graedel (Lengwil), Hans-Peter Blaser (Lengwil), Ueli Walter (Lengwil) und Klemenz Somm (Kreuzlingen). Sepp Trinkler (Langrickenbach) und Andreas Meyer (Altnau) konnten an der Gründungsversammlung nicht anwesend sein. (Bild: Urs Brüschweiler)

LENGWIL. «Wenn wir erfolgreich sein wollen, braucht es Einsatz und Herzblut.» Der Altnauer Landwirt und abtretende Kantonsrat Werner Indergand eröffnete die Versammlung im Saal des Restaurant Sonne in Lengwil. Etwa 45 Personen waren der Einladung zur Gründungsversammlung des neuen Vereins gefolgt. Viele Landwirte, die meisten aus der Gemeinde Lengwil, wo der Widerstand gegen die OLS deutlich spürbar ist. Mit dabei waren auch Klemenz Somm und Jost Rüegg aus Kreuzlingen. Beide Kantonsratskandidaten (GLP bzw. Grüne) lassen sich für den Kampf gegen den Strassenbau vor den Vereinskarren spannen. Lediglich als Gast beteiligte sich Markus Hausammann an der Versammlung. Der Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft aus Langrickenbach möchte erst abwarten, wie sich sein Verband in dieser Frage entscheidet.

Die erste IG von Betroffenen

«Wir sind die erste Interessengemeinschaft aus Betroffenen, die offiziell etwas auf die Beine stellt, gegen die Strassen. Wir hoffen, dass der Funke springt und es noch andere Widerstandsnester geben wird», sagte Werner Indergand. Danach wählte die Versammlung den Lengwiler Landwirt und Gemeinderat Matthias Rutishauser zum Präsidenten des Vereins sowie acht weitere Vertreter in den Vorstand. Rutishauser erläuterte die Argumentation, weshalb man für ein Nein zu BTS und OLS bei der Abstimmung am 23. September kämpfen will. Der Kulturlandverlust sei zu gross, für das, was die Strasse bringe. Der Raum Kreuzlingen werde nicht entlastet. Es entstehe unerwünschter Siedlungsdruck, zudem brächten neue Strassen schliesslich auch mehr Verkehr. «Dass kann nicht das Ziel unserer Gesellschaft sein.»

Der Verein versteht sich als Vertretung der ländlichen Anliegen der Region, eine Interessenvertretung direkt Betroffener der OLS. Er richtet sich in erster Linie an Einwohner und Landbesitzer im Bezirk Kreuzlingen.

Man muss die Abneigung spüren

Was will man tun? Der Verein will stark Präsenz markieren: Flyer drucken, Leserbriefe schreiben, mit Plakaten, Transparenten und mobilen Tafeln auf sich aufmerksam machen. Klemenz Somm holte Akten hervor, mit den Unterlagen aus der Kampagne gegen die Südumfahrung von 2005. «Ich wollte diesen Ordner eigentlich erst als Opa im Schaukelstuhl wieder rausholen, um darin zu schmökern, jetzt ist es halt früher.» Er möchte mit seinen Erfahrungen von damals wieder mithelfen. Somm rief dazu auf, die Kampagne nicht professionell zu führen, aber vom Herzen geleitet. «Man muss spüren, dass wir das wirklich nicht wollen.» Und er will früh mit Aktionen beginnen.

Bauern gegen Südumfahrung

Vor der Versammlung wurde der Verein «Bauern gegen Südumfahrung» – der nie aufgelöst worden war – in den neuen Verein überführt. Dieser ist statutarisch nicht auf die OLS fokussiert. Man brauche ihn vielleicht wieder einmal. «Falls der Kanton nach einem Nein wieder mit einer neuen Vorlage kommt», sagte Rutishauser.