Widerstand gegen den Maststall

Landwirt Micha Huber will einen grossen Poulet-Maststall in Klarsreuti errichten. Gegen das Baugesuch sind bei der Gemeinde Birwinken mehrere Einsprachen eingegangen. Darunter auch eine Sammeleinsprache von Kurt Zwahlen.

Mario Testa
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Kurt Zwahlen stört sich an den Plänen, dass auf dem Acker hinter ihm ein grosser Poulet-Maststall gebaut werden soll. (Bild: Mario Testa)

Kurt Zwahlen stört sich an den Plänen, dass auf dem Acker hinter ihm ein grosser Poulet-Maststall gebaut werden soll. (Bild: Mario Testa)

KLARSREUTI. Im kleinen Klarsreuti ist Bio Trumpf. Die Familie Oswald war 1930 ein Pionier, als sie auf biologisch-dynamische Landwirtschaft umstellte. Heute noch ist der Oswaldhof ein Vorzeigebetrieb. Ausserdem gibt es einen Bio-Knospenbetrieb und den Zottelhof in Klarsreuti. «In diesem Dorf ist ein Poulet-Maststall einfach völlig fehl am Platz», sagt Kurt Zwahlen. «Deshalb wehre ich mich auch dagegen und habe Einsprache gegen das Baugesuch eingereicht.»

Keine Zukunft mit Rindviechern

Den Poulet-Maststall bauen will Micha Huber. «Eine Erweiterung unseres Rindviehbestandes am heutigen Standort ist nicht möglich und wirtschaftlich nicht tragbar», sagt der junge Landwirt. Daher habe er sich schon vor Jahren nach neuen Geschäftsfeldern umgesehen. Huber hatte bereits 2014 ein Baugesuch eingereicht für einen Poulet-Maststall, hatte nach grossem Widerstand das Gesuch damals aber wieder zurückgezogen. In der Zwischenzeit hat er einen neuen Standort gesucht und dazu auch mit dem kantonalen Amt für Raumentwicklung korrespondiert. «Der jetzige Standort wurde von mir umfassend begründet und durch den Kanton mit gewissen Vorbehalten als positiv beurteilt», sagt Huber. «Er ist weiter weg vom Dorf als noch bei der ersten Baueingabe aus dem Jahr 2014.»

Zwar liege der geplante Stall nun etwas nordwestlich ausserhalb des Dorfes. Aber trotzdem sei er noch zu nah, argumentiert Kurt Zwahlen. «Vier Meter nebenan beginnt der Hochstammobstgarten des Oswaldhofs, dann ist in unmittelbarer Nähe auch der Zottelhof mit Hochlandrindern. Was, wenn sich von der Pouletmast multiresistente Keime in diese Gebiete ausbreiten?» Zudem befürchtet er, dass es stinkt im Dorf, wenn der Wind aus der Richtung des Stalls bläst. «Auch die Zufahrt zum Mastbetrieb ist nicht für Fahrzeuge über fünf Tonnen zugelassen. Und bei so riesigen Mastbetrieben mit bis zu 18 000 Tieren wird sowohl die Anlieferung als auch der Abtransport der Tiere, des Futters und des Mists mit grossen Lastwagen erfolgen», sagt Zwahlen. Da ein Poulet-Mastbetrieb also bodenunabhängig sei, könne er auch sonstwo stehen. «So ein Betrieb gehört in eine Gewerbezone und nicht ins Landwirtschaftsland auf eine Ackerbaufläche», sagt Zwahlen.

Grundsätzlich empfinde er solche Tierfabriken als Auslaufmodell. Mit diesen Argumenten und einem Unterschriftenbogen bewaffnet hat Kurt Zwahlen 13 Unterschriften in der Gemeinde gesammelt und zu einer Sammeleinsprache zusammengefasst. Laut Gemeindepräsident Peter Stern ist diese Einsprache nicht die einzige, die gegen den Maststall eingegangen ist.

Alles im gesetzlichen Rahmen

Bauer Micha Huber ist überrascht von der grossen Gegenwehr gegen sein Bauprojekt. «Aus den Baugesuchsunterlagen ist ersichtlich, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Bereiche wie Mindestabstand, eigene Futterbasis und Zonenkonformität eingehalten und erfüllt sind. Daher erstaunt mich der Widerstand sehr», sagt der junge Familienvater. Gerade punkto Geruchsbelästigung würde er beim geplanten Stall das Mögliche tun. «Das Projekt wurde so erarbeitet, dass jederzeit an der vom Dorf abgewandten Seite eine Abluftreinigungsanlage angegliedert und betrieben werden kann», sagt er und betont: «Es ist uns wichtig, den Bedenken der Dorfbewohner Rechnung zu tragen, und eine zufriedenstellende Lösung zu erarbeiten.»