Wichtiger Teilsieg für Rekurrenten

KREUZLINGEN. Die Schlosswiese muss frei bleiben. Zu diesem Schluss kommen die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz sowie Denkmalpflege in ihrem Gutachten. Geklärt ist die Situation damit aber noch längst nicht.

Martina Eggenberger Lenz
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Den geschützten Landsitzen Brunnegg und Girsberg droht laut Gutachten die Verstädterung. (Bild: Mario Testa)

Den geschützten Landsitzen Brunnegg und Girsberg droht laut Gutachten die Verstädterung. (Bild: Mario Testa)

Die Schlosswiese bleibt Kreuzlingens unendliche Geschichte. Zum Land zwischen Brunnegg und Girsberg und zu einer möglichen Bebauung gibt es einen gültigen Gestaltungsplan, der eigentlich revidiert werden soll, einen Kompromissvorschlag, drei Volksentscheide und jetzt also auch noch ein Gutachten.

Was in den nächsten Jahren aber mit «der teuersten Kuhweide der Schweiz» passiert, ist immer noch offen. Grundbesitzer und Investoren wollen ihr Land, das der Bauzone W70 zugeteilt ist, nach wie vor überbauen. Auf der anderen Seite versuchen die Schlossbesitzer und die Vertreter der «Schloss-Initiative», genau dies zu verhindern. Und auf politischer Ebene geistert der Volkswille herum: freihalten ja, aber ohne Kostenfolge.

Rundum-Schutz für Brunnegg

Das Gutachten, über dessen Inhalt die Stadt Kreuzlingen gestern informierte, spricht Klartext. Die Parzellen zwischen den Schlössern sollen ausgezont oder mit planungs- oder denkmalrechtlichen Schutzmassnahmen vor einer Überbauung geschützt werden. Das gleiche soll für das Land in Richtung Gutsbetrieb Brunnegg gelten. Eine Überbauung würde gemäss Gutachten eine «schwerwiegende Beeinträchtigung des Ortsbildes» bedeuten.

Nun sind die eidgenössischen Kommissionen aber keine rechtlichen Instanzen. Sie können direkt nichts anordnen. Aber ihre Schlussfolgerungen spielen in zukünftigen Rechtsverfahren eine wichtige Rolle, so wohl auch im immer noch sistierten Verfahren zur Teilrevision des Gestaltungsplans über die betroffenen Parzellen oder wenn es um konkrete Baubewilligungen ginge. Dass das Gutachten überhaupt erstellt worden ist, ist den Rekurrenten im Verfahren zur Teilrevision des Gestaltungsplans Ribi-Brunnegg zu verdanken, also den Schlossbesitzern. Sie wollten über den von der Schule Bernrain ins Spiel gebrachten Kompromiss mit einer teilweisen Freihaltung erst nach Vorlage des Gutachtens diskutieren.

Gespräch mit Beteiligten

Stadtpräsident Andreas Netzle erklärt auf Anfrage, man werde nun das Gespräch mit den Vertretern des Kompromissvorschlags, den Grundeigentümern und den Rekurrenten suchen und evaluieren, welche Bedeutung das Gutachten für das weitere Vorgehen hat. Danach werde man zuhanden des kantonalen Departementes für Bau und Umwelt einen Antrag stellen.

Stadtrat noch ohne Meinung

Inhaltlich habe man mit allem rechnen müssen, auch damit, dass sich die Kommissionen gegen eine Bebauung der Parzellen aussprechen. «Das stellt uns aber vor eine schwierige Situation. Es gibt nämlich auch eine rechtliche und eine politische Realität – und die hat eine Bebauung ausdrücklich vorgesehen.» Netzle verweist auf den gültigen Gestaltungsplan von 1995, den im Jahr 2000 revidierten Zonenplan und die vom Volk 2011 klar abgelehnte Auszonung, der Schlosswiese. Die Planungsinstrumente seien schliesslich auch vom Kanton genehmigt worden.

Die Haltung des Stadtrates zum Gutachten ist indessen noch nicht definiert. «Wir werden dies im Hinblick auf die jetzt nötigen Gespräche tun», sagt der Stadtpräsident.