Whisky ist auch eine Liebhaberei

Das Schloss Hagenwil in der Abenddämmerung: Es ist acht Uhr und ausser ein Gärtner bei der Arbeit und ein paar Autos auf dem Parkplatz ist nichts zu sehen. Es ist Ruhetag, wie auf einem Schild am Tor steht.

Luisa Gomringer
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Urs Poltéra und Falk Döhler lassen sich von Ivan Vollmeier beraten. (Bild: Luisa Gomringer)

Urs Poltéra und Falk Döhler lassen sich von Ivan Vollmeier beraten. (Bild: Luisa Gomringer)

Das Schloss Hagenwil in der Abenddämmerung: Es ist acht Uhr und ausser ein Gärtner bei der Arbeit und ein paar Autos auf dem Parkplatz ist nichts zu sehen. Es ist Ruhetag, wie auf einem Schild am Tor steht.

Ich lausche. Hinter dem Tor höre ich von der Burgbar her Gelächter und das Klirren von Gläsern. Alle zwei Monate am ersten Mittwoch im Monat teilen hier Whiskyliebhaber ihre Leidenschaft und degustieren hochwertige Single Malts.

26 Jahre alter Whisky

Ich komme in einen Raum mit behäbigen Steinmauern und einer mit Kerzen beleuchteten Bar. Auf dem Tisch stehen Whiskyflaschen im Alter von sechs bis zu 26 Jahren. Es werden Gläser mit weitem Bauch und engem Rand geschwenkt. «Bleibt der Whisky haften, ist er besonders ölig», weiss ein Kenner. Am Tisch nebenan wird über die eigenen Sammlungen diskutiert. «150 Franken für die Flasche, ja, das ist ein vernünftiger Preis», sagt Ivan Vollmeier, der Inhaber des «House of Single Malts». Er bringt die Whiskys zum Degustieren mit.

Als 18jährige Nichtkennerin von Whisky stehe ich am Anfang ein wenig verloren vor dem Tisch mit den Flaschen, deren Namen man nicht aussprechen kann. «Wahrscheinlich erfindet man die Namen der Whiskys erst, wenn man schon ein paar Gläschen degustiert hat», sagt der Organisator, Florian Rexer. In meiner Hoffnung, dass der Whisky leichter über die Zunge fliesst, probieren Ivan Vollmeier, Florian Rexer und ich einen Whisky, der in meinem Geburtsjahr abgefüllt wurde. Nach dieser Kostprobe habe ich beschlossen, nochmals 18 Jahre zu warten, bis ich meinen zweiten Whisky degustiere.

Eine Stunde und viele Geschichten später fängt Falk Döhler, ein Schauspieler der Schlossfestspiele, an, Musik zu machen. Man hört ihm gerne zu, wenn er barfuss auf einem Hocker sitzt und seine selbst komponierten Lieder spielt.

Die Stimmung ist phantastisch. Kenner und Nichtkenner tauschen spannende Whiskygeschichten aus, Schauspieler werden zu Musikern und ich bin mitten drin in den Geschichten über indischen und japanischen Whisky. Ich erfahre, warum Eis ein No-Go für Premiumprodukte ist und lerne nebenbei noch das gälische «zum Wohl» – «Sláinte».

Soll kein Geheimtip bleiben

Die Veranstaltung findet zum dritten Mal statt. Allein durch Mundpropaganda treffen sich hier im Schloss Hagenwil nun 20 Männer und Frauen. «Es freut mich, wie sich die Veranstaltung entwickelt hat und es soll auch kein Geheimtip mehr bleiben», sagt Rexer. Bezahlt werden 25 Franken und dann kann man so viel degustieren, wie man will oder kann.