Werner Attinger ist ein Macher

GERTAU. In den letzten 20 Jahren hat Werner Attinger die Gertau zu einem beliebten Treffpunkt für Reiter, Velofahrer und Geniesser ausgebaut. Aus der ehemaligen Kioskwirtschaft hat er mit seiner Frau Ursula ein richtiges Restaurant gemacht.

Erwin Schönenberger
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Werner Attinger bringt die Wanderer mit der Fähre trockenen Fusses über die Sitter. (Bild: Andrea Stalder)

Werner Attinger bringt die Wanderer mit der Fähre trockenen Fusses über die Sitter. (Bild: Andrea Stalder)

Eigentlich begann alles mit einem Inserat in der NZZ. Da wurde ein Landwirtschaftsbetrieb mit Möglichkeit zur Pferdehaltung in der Gertau angeboten, genau das richtige für Werner Attinger, der als Bauernsohn in der Gastronomie arbeitete und ein eigenes Pferd besass.

Sie sahen die Möglichkeiten

Erst bei der Besichtigung erfuhr Attinger, dass auf der Liegenschaft das Servitut besteht, die Sitterfähre zu betreiben. Zudem bestand die Gelegenheit, die bisherige Kioskwirtschaft zu einem richtigen Restaurant auszubauen. Werner und Ursula Attinger sahen in der Gertau die Möglichkeit, eine gute Existenz aufzubauen. Sie wollten auch die ganze Anlage erweitern. Heute gibt es neben dem Fährbetrieb auch Landwirtschaft, Pferdepension mit Reithalle und ein Restaurant. Werner Attingers Grilladen aus dem einmaligen Milchtank-Barbeque-Ofen sowie die Spargeln aus eigenem Anbau sind bis weit über die Region hinaus bekannt.

Gertau gehört zum Pilgerweg

Die Sitterfähre hat eine lange Geschichte, auch wenn niemand genau weiss, seit wann sie besteht. Sicher ist, dass schon vor langer Zeit Pilger diese Möglichkeit nutzten, die Sitter auf dem Pilgerweg von Konstanz nach St. Gallen zu überqueren. Ein Beweis dafür ist auch die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kapelle Degenau, die auf dem Weg über St. Pelagiberg nach St. Gallen zum Marschhalt und zur Besinnung einlud.

Dass die Fähre bis in die heutige Zeit erhalten wurde, ist vor allem der Familie Scheiwiler zu verdanken, die den Fährbetrieb über fast 300 Jahre aufrecht erhielt. Damals konnte man sich für 30 Rappen über die Sitter setzen lassen. Aber auch heute bedeuten die zwei Franken pro Überfahrt noch keine grosse Einnahmequelle für den Fährmann. Je nach Wetter befördert die Fähre an einem schönen Sonntag bis 100 Gäste über die Sitter. Velofahrer, viele davon aus den Niederlanden, nutzen die Gelegenheit, den Fluss auf diese Weise zu überqueren.

Jedes Jahr etwas Neues

Die Gäste, die sich bereits vor 20 Jahren gerne in der etwas anderen, ruhigeren Welt der Gertau aufhielten, spürten bald, dass mit Werner Attinger ein Macher am Werk war, der den Betrieb zielgerichtet ausbaute. Jedes Mal, wenn man nach der Winterpause die Gertau wieder aufsuchte, fand man neue Gebäude in einem Holz-Stil, der in die Landschaft passte. Da folgte nach dem ersten Stall im Norden schnell auch einer im Süden. Dann wurde das Restaurant immer grösser und komfortabler, und Werner Attinger baute trotz einiger Widerstände im Osten die einmalige Reithalle, die auch für grosse Events genutzt werden kann. Auch die Kinder entdeckten jeden Frühling neue, originelle Spielmöglichkeiten. Zudem standen nun Unterkunftsmöglichkeiten für reisende Gäste zur Verfügung. Heute verfügt die Gertau über vier bequeme Gästezimmer.

Vor einigen Jahren begann Werner Attinger neben der Graswirtschaft des Landwirtschaftsbetriebs Spargeln anzubauen, und natürlich werden diese auch im Restaurant angeboten und an verschiedene Betriebe in der Umgebung geliefert.