«Werden den Schock verdauen»

ARBON. Die Frankenstärke sorgt am «Wirtschaftsgipfel»-Podium in Arbon für Diskussionen. Raiffeisen-Ökonom Martin Neff setzt auf eine Belebung der Eurozone. Derweil bereitet Mubea-CEO Willi Lüchinger eher der Berufsnachwuchs Sorgen.

Martin Sinzig
Merken
Drucken
Teilen
Diskutieren Stärken und Schwächen der Arboner Wirtschaft: CEO der Mubea AG Willi Lüchinger, GTOB-Vizepräsident Daniel Eugster, Gesprächsleiter Rolf Staedler, AVA-Vizepräsident Dieter R. Hölterhoff, Chefökonom bei Raiffeisen Martin Neff und der Arboner Stadtpräsident Andreas Balg. (Bild: Martin Sinzig)

Diskutieren Stärken und Schwächen der Arboner Wirtschaft: CEO der Mubea AG Willi Lüchinger, GTOB-Vizepräsident Daniel Eugster, Gesprächsleiter Rolf Staedler, AVA-Vizepräsident Dieter R. Hölterhoff, Chefökonom bei Raiffeisen Martin Neff und der Arboner Stadtpräsident Andreas Balg. (Bild: Martin Sinzig)

Die Frankenstärke sei ein Megatrend, und das seien auch gute Nachrichten. «Wir werden diesen Schock verdauen, auch wenn es nicht schmerzlos ist», sagte Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz. Er skizzierte damit die volkswirtschaftliche Ausgangslage für die Stadt Arbon vorgestern abend am «Wirtschaftsgipfel»-Podium.

Mehrere Parteien erörterten Stärken und Schwächen des wirtschaftlichen Standorts. Ein starker Wohnungsbau, aber zu wenige Firmenansiedlungen. Interessante Arbeitsplätze, aber mangelhaft qualifizierter Nachwuchs. Diskussionsstoff gab es genügend, und die Ränge im Seeparksaal waren gut besetzt.

Interesse über Region hinaus

Denn die zweite Auflage des «Wirtschaftsgipfels» stiess nicht nur bei Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Bildung – die Stadt, der Arbeitgeberverband Arbon und Umgebung (AVA) sowie der Verein Gewerbe Thurgau Oberer Bodensee (GTOB) organisierten den Anlass – auf Interesse, sondern auch über die Region hinaus.

Zuversicht schöpfte Raiffeisen-Ökonom Neff schliesslich vor allem wegen der erwarteten Belebung in der Eurozone. Positive Wachstumseffekte könnten die negativen Auswirkungen der Wechselkurse ausgleichen, sagte er. Zudem habe die Schweiz ihr Potenzialwachstum im letzten Jahrzehnt entgegen des Trends steigern können.

13 Millionen für Maschine

Gute Nachrichten für den Wirtschaftsstandort Arbon verkündete Willi Lüchinger, CEO der Mubea AG, die stark in die Produktion von Präzisionsstahlrohren investieren will. In den nächsten Monaten würden in Arbon 13 Millionen Franken für eine neue Hochgeschwindigkeits-Schweissmaschine aufgewendet. Sie soll den Ausstoss markant erhöhen. Schliesslich sei es die Absicht des Familien-Konzerns mit weltweit 10 000 Beschäftigten, in Arbon ein Entwicklungszentrum für Präzisionsstahlrohre aufzubauen.

Schwächen ortete Lüchinger jedoch im Personalbereich. Es sei nicht einfach, gute Ingenieure zu finden. Die Führungskräfte fördere der Konzern, oder für 45 der 190 Beschäftigten zum Beispiel führe das Unternehmen Deutschkurse durch, um Defizite auszumerzen.

Grossen Nachholbedarf habe der Standort Arbon besonders im Nachwuchsbereich. Junge Menschen, die den dualen Berufsbildungsweg beschreiten wollten, seien hier um Faktoren schlechter qualifiziert als in Regionen wie etwa dem St. Galler Rheintal. «Hier gibt es noch Potenzial», sagte Lüchinger.

Zu wenige Ansiedlungen?

Angesichts des Wohnbau-Booms in der Stadt Arbon wurde auch die Frage gestellt, was denn für die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen getan werde. Dafür genügend Flächen und Raum zur Verfügung zu stellen, sei das Ziel der Stadtbehörde, sagte Stadtpräsident Andreas Balg. Im Einzelfall gehe die Stadt direkt auf Gewerbe- und Industrieunternehmen zu, um sie für Investitionen zu gewinnen.

Mit Ansiedlungen liege Arbon im kantonsweiten Vergleich markant hinter Kreuzlingen und Frauenfeld, monierte Gesprächsleiter Rolf Staedler, der selbst als Unternehmer und Investor tätig ist. «Wir liegen an der Peripherie», räumte AVA-Vizepräsident Dieter R. Hölterhoff ein. Seinen Glauben an den Standort Oberthurgau bekräftigte GTOB-Vizepräsident Daniel Eugster. Darum seien die Nachwuchsförderung und das politische Engagement für bessere Rahmenbedingungen nötig.

«Seid doch mal selbstbewusst»

«Es passiert so viel Gutes, seid doch mal selbstbewusst», redete Edgar G. Sidamgrotzki als Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit den Arbonerinnen und Arbonern ins Gewissen. Es gelte, sich auf seine Stärken zu besinnen und diese auszuspielen. Es brauche aber vor allem die Einheit von Wirtschaft und Politik, um den Standort gemeinsam voranzubringen, führte Amtschef Edgar Sidamgrotzki aus.