Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Wer überlebt, wird Bundesrat

ROMANSHORN. «Tatort Bundeshaus» heisst das Kriminalstück, das am Samstagabend auf der MS Thurgau zwischen den Gängen eines Dinners aufgeführt wurde. Eine Satire über Politikerinnen und Politiker wie Ursi Murer und Tomy Brummer.
Heinrich Schlegel
Krimi auf dem Schiff: Das Denlo-Ensemble spielte rund ein Dutzend Personen. (Bild: Heinrich Schlegel)

Krimi auf dem Schiff: Das Denlo-Ensemble spielte rund ein Dutzend Personen. (Bild: Heinrich Schlegel)

Die Gäste im ersten Stock der MS Thurgau unterhielten sich angeregt. Das Schiff hatte kaum in Romanshorn abgelegt, da traten Kandidatinnen und Kandidaten einer etwas speziellen Bundesratswahl auf und warben um Stimmen.

Bundesratswahl als Casting

Erstmals, so die Annahme in der von Peter Denlo verfassten Satire, sollte der Bundesrat durch das Volk gewählt werden. Die Wahl wurde als Casting vom Fernsehen durchgeführt. Moderator der Sendung: Sven Epinard. Alle Minderheiten, auch die mit Migrationshintergrund, sollen im Bundesrat vertreten sein, nur die Männer nicht mehr. Dagegen wehrte sich Tomy Brummer als kräftiger Polterer. Eine zweite bedeutende Rolle bei dieser Wahl spielte ein gewisser Flavio Belli. Er erheiterte mit Sprüchen wie «Wer den Risotto versalzt, muss ihn selber essen» oder «Stehst am Ende vom Maggiatal, kommt sicher grad die Bundesratswahl».

Eitle Schwätzerinnen

Das Denlo-Ensemble spielte rund ein Dutzend Personen, ganz normale Typen, satirisch leicht überzeichnet. Dieser Bericht kann nur einige skizzieren. Die Bundesrätinnen waren – Ähnlichkeiten mit lebenden Personen seien rein zufällig, versicherten die Theaterleute – äusserst eitel, völlig ichbezogen und versierte Intrigantinnen.

Da war Schwester Doris von der OLP, der Ora-et-Labora-Partei mit dem Slogan «Wählen Sie mich und ich bete für Sie!» Sie sprach salbungsvoll und sang auch, und zwar den Song «Ich bin ein Star». Da war auch Bundesrätin Ursi Murer. Wortgewandt sich anbiedernd wusste sie immer, was Sache war.

In die Präsentation knallte ein Schuss. Er traf Vidi Bürümtürü, die Bundesrätin mit Migrationshintergrund. Darauf meinte Ursi Murer zu Bundesratsschwester Doris, sie müsse der mit türkischem Akzent Röchelnden die letzte Ölung spenden. Schwester Doris kommentierte den Mord so: «Wir dürfen dem Mörder nicht böse sein, wir haben alle auch schon Böses getan.»

Chance für die Handpflegerin

Und so wurden mit treffenden Bemerkungen die Charaktere der Politiker dargestellt. Es kam zu weiteren Tötungen und einer spannenden Suche nach dem Täter. Dank der Morde wurden zwei Sitze im Bundesrat frei, eine Chance für Kandidatin Mandy Vögeli. Zu ihr kamen die Bundesrätinnen in die Manicure und darum wusste sie, wie man sich als Bundesrätin benehmen muss. Das genügte als Qualifikation für das Amt.

Mit vielen weiteren treffsicheren Pointen, überraschenden Geständnissen und einem spannenden Showdown unterhielt das Stück ausgezeichnet. Gespielt wurde auf dem Schiff in vier Akten zwischen Apéritif, Salat, Vorspeise, Hauptgang und dem Dessert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.