Wenn's beim Sprechen klemmt

Gut zwei Prozent der Bevölkerung sind in ihrem Redefluss gehemmt. Im Bildungszentrum äusserten sich stotternde Betroffene aus einer Selbsthilfegruppe.

Hedy Züger
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Der Eisberg ist wie ein Symbol für Menschen, die vom Stottern betroffen sind. Ein grosser Teil (der Zusammenhänge) liegt unsichtbar unter der Wasseroberfläche.

Mehr Fachleute als Betroffene

Mit diesem Bild eröffnete Beat Meichtry von der Versta (Vereinigung für Stotternde und Angehörige), Lenk, den öffentlichen Abend im Bildungszentrum Arbon. Wenige Betroffene, die Mühe haben mit dem Redefluss und vor allem bei Vokalen «anhängen», aber viele Logopädinnen und Logopäden liessen sich über den gehemmten Redefluss und die Angebote der Vereinigung informieren: Das sind vor allem Kurse und Seminare, Literatur und Filme.

Selbsthilfegruppe fehlt

In der Schweiz bieten bisher fünf Selbsthilfegruppen fachlichen Beistand, Freundschaft und Rückendeckung. Falls sich Interessenten melden, soll im Thurgau eine weitere Gruppe für Jugendliche und/oder Erwachsene gegründet werden. Wie eine Selbsthilfegruppe einen Abend gestaltet, führten fünf Betroffene aus der Region Chur sowie Zürich vor. Sie haben es mit Hilfe der Versta, mit Fachpersonen und Übungen weitgehend geschafft, das Sprechproblem aufzuarbeiten. Alle stehen in anspruchsvollen Berufen.

Ruth Kappeler, Logopädin in Arbon, sowie weitere Logopädinnen zeigten auf, wie sich beim Kleinkind «Redeunflüssigkeiten», die normal und entwicklungsbedingt sind, vom eigentlichen Stottern unterscheiden.

Selbstwertgefühl stärken

Eltern helfen dem Kind, wenn sie ihm geduldig zuhören, es ausreden lassen, beim Sprechen ein Vorbild sind. Sie sollen seine Fähigkeiten und das Selbstwertgefühl stärken. Wenn sich die «Sprechunflüssigkeit» nicht in einigen Monaten auflöst, ist Beratung sinnvoll. Der Kinderarzt oder die Fachpersonen Logopädin und Kantonslogopädin helfen.

Sprechfreude

Betroffene spüren ihr Stottern im voraus (psychisch): Störungsbewusstsein und Erwartungsangst folgen. Sie erleben einen hohen Leidensdruck und Ängste. Jede Erfahrung einer Sprechhemmung wird im Unterbewusstsein gespeichert. Meichtry sprach von einem Teufelskreis, der in einen «Engelskreis» umgewandelt werden müsse: Sprechhemmung und Atemhemmung werden in verschiedenen Therapien angegangen. In der Gruppentherapie der Versta, die mit der IV in einem Leistungsvertrag steht, werden Atemtechnik und Sprechgewandtheit gefördert, die Tonsicherheit kehrt zurück. Sprechfreude und Sprechlust werden zum Erfolgserlebnis. Meichtry: «Wer die Sprechlust einmal entdeckt hat, kann sie fördern.»

Eine Selbsthilfegruppe initiieren

Ziel aller Anstrengungen ist es, Sprechsicherheit zu gewinnen, die Selbstsicherheit zu stärken und Selbstverwirklichung zu erreichen. «Wir leiten das Angebot der Versta weiter, auch im Thurgau eine Selbsthilfegruppe zu bilden», versprach eine Logopädin.

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