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Wenn der Kuss unerwünscht ist

AMRISWIL. Kinder lernen in der Wanderausstellung «Mein Körper gehört mir» sich gegen unerwünschte Berührungen und Nähe zur Wehr zu setzen. Alle Beteiligten sind vom Nutzen der Ausstellung überzeugt.
Rita Kohn
Die Kinder setzen sich mit den verschiedenen Körperstellen auseinander. (Bild: Rita Kohn)

Die Kinder setzen sich mit den verschiedenen Körperstellen auseinander. (Bild: Rita Kohn)

«Wenn sich etwas unangenehm oder eklig anfühlt, darfst Du dazu Nein sagen.» Was die Mädchen und Knaben der vierten Klasse von Nadine Schlappritzi an diesem Nachmittag hören, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die Realität hingegen spricht eine andere Sprache. Nach wie vor werden zahlreiche Kinder Opfer von sexuellen Übergriffen oder Gewalt.

Die Prävention gegen sexuelle Ausbeutung hat bei der Schule Amriswil denn auch einen hohen Stellenwert. Alle drei Jahre holt die Schule die Wanderausstellung «Mein Körper gehört mir» nach Amriswil. Angeboten wird die Ausstellung vom Kanton Thurgau und der Fachstelle Prävita. Angesprochen sind die zweiten bis vierten Klassen.

Selbstbewusstsein fördern

Die Schülerinnen und Schüler sind aufgeweckt, hören zu, teilen sich mit. Welche Berührungen mögen sie, will Prävita-Mitarbeiterin Melanie De Visser von den Kindern wissen. Sie müssen nicht lange überlegen. «Wenn die Katze mit mir schmust», sagt ein Mädchen und ein Junge ergänzt, dass er es mag, sich in eine flauschige Decke zu hüllen.

Anhand der Comicfigur Paula stellt Melanie De Visser eine spezielle Situation dar: Das geschätzte Kuscheln mit der Grossmutter auf dem Sofa, aber auch der unerwünschte Kuss der Grossmutter. Die Kinder sind geteilter Meinung. Einige mögen es, von der Grossmutter einen Kuss zu bekommen, andere finden es nicht so angenehm. Melanie De Visser geht auf die Kinder ein, redet mit ihnen darüber, wieso es schwierig ist, der Grossmutter zu sagen, dass man den Kuss nicht möchte. Die Kinder fürchten um die Zuneigung der Grossmutter, wollen sie nicht kränken. «Wenn es Euch unangenehm ist, dürft Ihr Stop sagen», betont die Fachfrau. Eine Schülerin überlegt kurz, dann gesteht sie: «Ich finde es unangenehm, dass mir meine Patin immer ein Geschenk mitbringt, wenn sie kommt.» Es ist eine andere Form von zu viel Nähe.

Schlechte Geheimnisse teilen

Die Rede ist an diesem Nachmittag von guten und schlechten Geheimnissen. Davon, dass die Kinder unbedingt mit jemandem über die schlechten Geheimnisse reden sollen. Und darüber, dass niemand das Recht hat, sie anzufassen, wo es ihnen unangenehm ist.

Sechs Stationen mit verschiedenen Situationen stehen nun für die Klasse bereit. Mit Kichern verteilen die Mädchen und Knaben Begriffe auf stilisierten Körpern, markieren Stellen, wo sie keine Berührungen haben möchten. Sie reden über Geheimnisse und darüber, was ihnen unangenehm ist, und was sie mögen. Körperkontakt als Wohlfühlmoment hat dabei auch Platz. «Berührungen sind dann nicht o. k. , wenn sie Euch unangenehm sind», betonen Melanie De Visser, ihre Kollegin Susanne Fotheringham und Lehrerin Nadine Schlappritzi.

Schulleiter Ueli Wolf, der die diesjährige Wanderausstellung für die Schule Amriswil koordiniert, ist mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. «Sie wird von allen sehr gut aufgenommen.»

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