Wenn das Herz versagt, pressiert's

Defibrillatoren können bei Herzversagen Leben retten. Wo sie Sinn machen, darüber ist man sich nicht immer einig. Kreuzlingen will sie demnächst in allen Stadtbussen mitführen.

Urs Brüschweiler
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Josef Hegelbach, Bademeister im Egelsee, prüft den Defibrillator auf seine Einsatzbereitschaft. (Bild: Donato Caspari)

Josef Hegelbach, Bademeister im Egelsee, prüft den Defibrillator auf seine Einsatzbereitschaft. (Bild: Donato Caspari)

kreuzlingen. Noch keine 14 Tage ist es her, als in der Winterthurer Eulachhalle bei einem Junioren-Handballspiel ein Schiedsrichter mit einem Herzinfarkt auf dem Spielfeld zusammenbrach. Mit Reanimationsmassnahmen konnte er ins Leben zurückgeholt werden. Weniger Glück hatte im letzten Jahr ein 21jähriger Handballer in Schaffhausen. Er verstarb noch während des Spiels an Herzversagen.

Diese tragischen Vorfälle haben den Handballclub Kreuzlingen nachdenklich gestimmt. Einige Mitglieder hatten den verstorbenen Handballspieler persönlich gekannt. Vereinspräsident Patrick Müller setzt sich nun dafür ein, dass Defibrillatoren an möglichst vielen Orten verfügbar sind. «Wenn die Chance besteht, auch nur ein Leben zu retten, muss es dies wert sein.» Beim Handballclub ist man mit der aktuellen Situation nicht glücklich.

In der Egelsee-Turnhalle, wo sie ihre Spiele austragen, gibt es einen Defibrillator nur im Hallenbad nebenan. Wenn dieses geschlossen ist, gebe es keinen Zugang zum Gerät, was herzlich wenig nütze, so Müller. Sonst hat es in den Kreuzlinger Turnhallen nur noch im Dreispitz einen Defibrillator. Falls seitens der Schulbehörde kein weiteres Gerät angeschafft werde und auch der Standort desjenigen im Hallenbad unverändert bleibe, werde der Handballclub prüfen, auf eigene Kosten ein entsprechendes Gerät anzuschaffen.

Nur vermeintliche Sicherheit

Bei Schulpräsident Jürg Schenkel stösst Müller mit seinen Forderungen nur bedingt auf Verständnis. Über die Verbesserung der Zugänglichkeit der Geräte in den Randzeiten könne man reden, ausserdem plane man ein weiteres Gerät auf dem Sportplatz Burgerfeld zu installieren. Doch habe er nicht vor, in allen Turnhallen ein Gerät hinzustellen, so Schenkel. «Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, es geht hier nur um eine vermeintliche Sicherheit.

» Nach dieser Forderung müsse man an jedem Hydranten einen Defibrillator montieren. Man müsse vorsichtig und pragmatisch die Sinnhaftigkeit beurteilen und keine Schnellschüsse machen. «Wenn jedoch der Stimmbürger das möchte und auch dieses Geld ausgeben will, dann mache ich das gerne.» Bei der Stadt Kreuzlingen sind Defibrillatoren aktuell ebenfalls ein Thema.

Stadtrat David Blatter hat auf Antrag der Buskommission 35 000 Franken im Budget 2011 vorgesehen für die Anschaffung eines Geräts in jedem der acht Stadtbusse. Bisher habe die Stadt in der Verwaltung und im Yachthafen Defibrillatoren installiert.

Im Stadtgebiet verfügbar

Die Geräte in den Bussen sollen einerseits bei Vorfällen mit Fahrgästen zum Einsatz gelangen, andererseits dadurch aber auch breit im Stadtgebiet verfügbar sein. Besonderen Wert soll auch auf die Schulung gelegt werden.

Die Chauffeure werden eine Ausbildung an den Geräten erhalten, so Blatter.