«Weniger als fünf gingen vorzeitig»

ARBON. Stellenabbau bei der Arbonia Forster Holding AG (AFG): Die eingereichte Petition konnte die 70 Kündigungen nicht abwenden. Die Geschäftsleitung hat aber Unterstützungsmassnahmen für Härtefälle anberaumt.

Tanja von Arx
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Die AFG hält an der Produktionsverlagerung ins Ausland fest: Das Heizkörperwerk in Arbon wird auf Ende dieses Jahres geschlossen. (Bild: Max Eichenberger)

Die AFG hält an der Produktionsverlagerung ins Ausland fest: Das Heizkörperwerk in Arbon wird auf Ende dieses Jahres geschlossen. (Bild: Max Eichenberger)

«Die AFG ändert ihre Strategie nicht. Sie zieht sie voll durch.» Jacob Auer, Präsident der Gewerkschaft Unia Arbon-Romanshorn, ist ernüchtert. «Die Produktionsverlagerung ins Ausland läuft.» Alle siebzig Kündigungen würden vollzogen, die Maschinen ausgelagert.

Hatten Auer und andere Mitglieder der Unia doch standfest dagegen angekämpft. Im November überreichte eine Delegation – neben Auer Erich Kramer und Thomas Wepf – dem AFG-CEO Alexander von Witzleben und der Geschäftsleitung eine Petition mit 413 Unterschriften, um die geplante Schliessung des Heizkörperwerks zu verhindern. Es soll per Ende 2016 nach Tschechien ausgelagert werden. Dadurch erhofft sich die AFG Einsparungen, denn wie bei anderen Schweizer Unternehmen drückt der aufgehobene Euromindestkurs. Die Zahl der Stellen in Arbon schrumpft dadurch von 350 auf 280.

Fonds für Schwervermittelbare

Die Unia hat mit der Petition indes erreicht, dass die AFG für die Betroffenen Unterstützungsmassnahmen anberaumte. Besonders sogenannten Härtefällen kommt das zugute, wie aus einem Schreiben hervorgeht, das der Redaktion vorliegt. Die Firma versteht darunter schwer vermittelbare Angestellte aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkung und Krankheit, Bezüger von Teilinvalidenrenten und Mitarbeiter in besonderer familiärer Situation (Pflege oder Krankheit von unterstützungspflichtigen Familienangehörigen und Kindern). Die AFG äufnet ihnen einen Fonds von 100 000 Franken.

Angestellten ab 62 Jahren, die vor Ende des Arbeitsverhältnisses keine zumutbare Stelle mehr finden, macht die AFG ein Angebot auf frühzeitige Pensionierung. Es enthält AHV-Beiträge bis zum ordentlichen Pensionsalter, höchstens tausend Franken pro Jahr, und eine AHV-Brücke in Höhe der maximalen Einzelrente oder Ehepaarsrente von 28 200 respektive 42 300 Franken. Ausbezahlt werden zudem Pensionskassenbeiträge auf Basis des letzten Lohnes.

Auf Antrag des Mitarbeiters wird der Beitrag auf 60 Prozent des Nettolohnes erhöht, falls die AHV-Brücke und die PK-Rente diese Schwelle nicht erreichen (weitere Unterstützungsmassnahmen siehe Kasten).

Allerdings finden die Unterstützungsmassnahmen «keine Anwendung bei Kündigungen durch den Mitarbeitenden, Verweigerung der Annahme eines zumutbaren anderen Arbeitsplatzes innerhalb der AFG sowie bei Kündigungen durch die Firma wegen ungenügender Leistung, ungenügendem Verhalten, disziplinarischen Gründen oder wichtigen Gründen gemäss Obligationenrecht (fristlose Entlassung)», hält das Reglement fest. Ausserdem schliesst es Angestellte aus, die eine neue Stelle in der Firma antreten.

«Härtefall ist auch ein Vater»

Jacob Auer begrüsst, dass im Rahmen der Härtefälle – etwa Personen in einem «saudummen Alter» von 63, die in der Firma schon die Lehre absolviert haben – Hilfestellungen geboten werden. Aber der Gewerkschaftspräsident bemängelt die offene und beschränkte Festlegung in Bezug darauf, wer in diese Kategorie fällt. «Für uns gilt auch ein vierfacher Familienvater als Härtefall.» Zudem hätte die Unia keine Informationen darüber erhalten, um wie viele Fälle es sich effektiv handelt.

Auf Anfrage unserer Zeitung sagt Fabienne Zürcher, Mediensprecherin der AFG: «Wir reden hier von einer tiefen einstelligen Zahl.» Dasselbe sagt sie über die frühzeitigen Pensionierungen. «Weniger als fünf Mitarbeitende» seien darüber hinaus vorzeitig gegangen. Über die Reaktionen der gekündigten Mitarbeiter möchte Zürcher keine Angaben machen. Ein Treffen mit der örtlichen Unia zwecks weiterführender Lösung sehe die AFG nicht vor.

Alexander von Witzleben CEO und Verwaltungsrats- präsident der AFG (Bilder: pd)

Alexander von Witzleben CEO und Verwaltungsrats- präsident der AFG (Bilder: pd)

Jacob Auer Präsident Gewerkschaft Unia Ortsgruppe Arbon-Romanshorn

Jacob Auer Präsident Gewerkschaft Unia Ortsgruppe Arbon-Romanshorn

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