Weltstar aus Romanshorn

Die erste Romishorner Runde im Ortsmuseum am Hafen wurde zum vollen Erfolg. Der Anlass und ein neues Strassenschild waren der lyrischen Sopranistin Maria Stader gewidmet.

Alois Degenhardt
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Maria-Stader-Schild, präsentiert von Gemeindeammann Norbert Senn, Hermann Roth vom Museum und Angelica Wehrle, Bauverwaltung. (Bild: Alois Degenhardt)

Maria-Stader-Schild, präsentiert von Gemeindeammann Norbert Senn, Hermann Roth vom Museum und Angelica Wehrle, Bauverwaltung. (Bild: Alois Degenhardt)

romanshorn. Kreative Ideen sind gefragt, wenn sich ein Museum das Interesse der Öffentlichkeit auf Dauer erhalten möchte. Musikfreund Hermann Roth war für die erste Romishorner Runde (das Tagblatt berichtete) auf die am Ort aufgewachsene, weltberühmte Sängerin Maria Stader gestossen. Sie konzertierte zwar mit den bekanntesten Orchestern und Dirigenten ihrer Zeit, vor allem als Mozart-Interpretin, blieb einer breiten Öffentlichkeit in ihrer Heimat aber weitgehend unbekannt.

Von Zufällen geprägt

Für den Abend hatte Hermann Roth in akribischer Arbeit Textdokumente, Plakate und Schallplattenausschnitte zusammengestellt. Sie vermittelten ein spannendes Bild der ungewöhnlichen Künstlerin. Dabei kam Maria Stader mit ihren Lebenserinnerungen, einem leider bis auf wenige Exemplare vergriffenen Buch aus den 1980er-Jahren, selbst zu Wort.

Schauspielerin Eva Maron las mit viel Einfühlungsvermögen Erinnerungen aus der Kinder- und Jugendzeit, die eindrücklich einen von vielen Zufällen geprägten Weg in die Welt der klassischen Musik schildert.

Konzerte im Kino

Die spätere Sängerin, 1911 in Budapest geboren, kam 1919 als Pflegekind in die Schweiz.

Maria wurde trotz Widerstands der Behörden, die sie mehrfach in die Heimat ausweisen wollten, 1928 von der Familie der Romanshorner Fischer- und Gastwirtsfamilie Stader adoptiert. Maria Stader wuchs in der Folge im «Thurgauer Hof» an der Schlossbergstrasse auf. Eindrücklich schildert sie die Fahrt nach Rorschach, wo der Vater ein Sabel-Piano erstand, als das Talent der Tochter nicht mehr zu überhören war.

Hermann Roth seinerseits sprach mit alten Romanshornern, die sich nicht nur an das lebhafte Kind, sondern auch an ihre wenigen Konzerte im Kino Orpheum erinnern. Zu dieser Zeit hatte sie Romanshorn längst verlassen und war mit dem Weinfelder Musikdirektor und späteren Zürcher Chordirektor Hans Erismann verheiratet. In späteren Jahren wird ihr eine enge Beziehung zum kommunistischen Schaffhauser Nationalrat Walther Bringolf nachgesagt, die von vielen Fans nicht goutiert wurde.

Erinnerung wachhalten

Eine Idee, die zur Erinnerung an Maria Stader beitragen wird, ist Angelica Wehrle von der Bauverwaltung zu verdanken. Eine Verbindungsstrasse soll das Voigt-Areal zur Schlossbergstrasse erschliessen. Dieser Weg soll nach dem Willen des Gemeinderates Maria-Stader-Weg heissen. Er ist in der Nähe des Hauses, in dem diese ihre Kindheit verbrachte.

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