Weiterhin wohnen wie gewohnt?

ARBON. Das 19. «Forum 60 +/-» beschäftigte sich mit dem Wohnen im Alter – von der nachfamiliären Phase bis hin zum Eintritt ins Pflegeheim. Dabei stellten zwei Initiantinnen der Wohngemeinschaft «Solinsieme» ihr Modell vor.

Hedy Züger
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Bewohner der Wohngemeinschaft «Solinsieme» in St. Gallen beim Kaffee auf einem Balkon des Hauses. (Archivbild: Ralph Ribi)

Bewohner der Wohngemeinschaft «Solinsieme» in St. Gallen beim Kaffee auf einem Balkon des Hauses. (Archivbild: Ralph Ribi)

Arbon. «Wir eröffnen den Wohndialog», sagte Peter Rutishauser. Am 19. «Forum 60 +/-» mit dem Thema «Wohnen im Alter» begrüsste er zwei Vertreterinnen der Wohngemeinschaft «Solinsieme» in St. Gallen. Diese funktioniert bereits seit zehn Jahren. «Solinsieme» habe sich bewährt, sagten Elisabeth Merkt und Jeannette Steccanella, zwei der vier Initiantinnen der Wohngemeinschaft. In der Schweiz gebe es erst wenige Beispiele von Altersgemeinschaften mit Wohneigentum, sagte Eugen Zuberbühler vom Forum.

Auch der Architekt zog ein

Die Initiantinnen von «Solinsieme» hatten nach einer autonomen Wohnform im Alter gesucht – und eine leere Fabrik gefunden. Darin wurden 17 kleine Lofts von 55–93 Quadratmeter eingerichtet, mit Anlagekosten von 238 000 bis 375 000 Franken. «Wir lagen mit der kleinen Projektgruppe richtig», sagen die vier Freundinnen. Sie fanden leicht 13 weitere Interessenten. Selbst der Architekt zog mit seiner Gattin in eine Wohnung ein, ausserdem Paare, Singles und eine Mutter mit Kleinkind. Die Eigentümer wechselten selten, es sei jedoch kein Problem, eine Wohnung wieder zu verkaufen.

Keine Luxuswohnungen

Auf «Luxus» wie Geschirrspüler, eine eigene Waschmaschine und ein Autoparking wurde verzichtet. Über die 20 Prozent Gemeinschaftsraum errichteten sie eine Genossenschaft, die Wohnungen sind Eigentum. Es wurde je eine Gruppe für Garten, Kultur, Lesen und Nordic Walking gegründet.

Sensible Konflikte würden eher im Plenum angesprochen als einzeln, sagte eine der Informantinnen. Bedingung für eine vertrauensvolle Beziehung seien Offenheit und Ehrlichkeit. aber auch Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, Dinge zu verändern.

«Inzwischen ist die Hälfte der Bewohner pensioniert, ein Teil viel auf Reisen, andere gerne in ihrem Heim», sagte Steccanella. Sie seien stolz, so viele «gute Leute» für ihr Projekt gefunden zu haben. Sie machten auch vieles selber, die Nachbarschaftshilfe erspare ihnen zudem manche Kosten. Es sei zu erwarten, dass diese auch bei leichter Pflegebedürftigkeit funktionieren werde, sagt sie weiter.

Eugen Zuberbühler, stellvertretender Koordinator «Forum 60+/–». (Bild: Hedy Züger)

Eugen Zuberbühler, stellvertretender Koordinator «Forum 60+/–». (Bild: Hedy Züger)

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