WEINFELDEN: Wohlklang im Gotteshaus

Der professionelle Chor Ensemble Cantissimo widmete sein Konzert am Sonntag ganz dem Maler Marc Chagall.

Christof Lampart
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Elegant gekleidet singen die Chormitglieder. (Bild: Christof Lampart)

Elegant gekleidet singen die Chormitglieder. (Bild: Christof Lampart)

Wo könnte man Marc Chagall (1887 bis 1985), jenen französischen Maler jüdisch-russischer Herkunft, der zeitlebens unter anderem gerade wegen seiner zahlreichen bunten Kirchenfenster Weltruhm genoss – und dies noch immer tut –, besser ehren als in einem Gotteshaus? Nun, zumindest ist die Verbindung von Ort und Maler offensichtlich – und so dürfte es niemanden gross verwundert haben, dass das Ensemble Cantissimo am Sonntagabend zu einer Chagall-Vesper in die katholische Kirche Weinfelden einlud.

Was die gut zwei Dutzend Sängerinnen und Sänger unter der musikalischen Leitung von Markus Utz boten, wäre es zweifelsohne Wert gewesen, dass ­ 300 und nicht knapp 30 Personen dem Konzert beiwohnten. Doch es hat nicht sollen sein, das schöne Wetter hielt wohl viele vom Gang in die Kirche ab.

Viel Harmonie ganz ohne Misstöne

Cantissimo offerierte der Zuhörerschaft mit der «Chagall-Vesper» ein Programm, das musikalisch harmonisch aufbaute und dem alles Dissonante fremd war. Müsste man das Konzert mit nur einem Wort zusammenfassen, so würde «wohlklingend» passen. Dennoch wirkte die Werkauswahl – es wurden, gleich einem Triptychon, drei musikalische Bilder wiedergegeben – alles andere als flach, sondern entpuppte sich je länger je deutlicher als klug bedacht, baute sich doch durch die Werke hindurch eine immer grösser Spannung auf.

Schlank und kräftig und dabei doch sehr akzentuiert tönte der Gesang. Die fast leere Kirche verstärkte akustisch diesen Effekt noch einmal. Es war für die wenigen Gäste ein Genuss, dem Dargebotenen zuzuhören.

Das sphärische Ambiente, das sich in der Kirche ausbreitete, rührte nicht nur vom wunderschönen Gesang. Vielmehr hatte auch die Schweizer Theaterschauspielerin Annabelle Sersch Anteil am guten Gelingen. Die Glarnerin las und rezitierte Texte aus Marc Chagalls biografischen Texten, die von seinen Reisen, von Heimat und Liebe, von Exil und Emigration handelten.

Christof Lampart

weinfelden

@thurgauerzeitung.ch