WEINFELDEN: Wer bremst, verliert

Mutige Fahrer starteten gestern zuoberst auf der Magdenaustrasse zum traditionellen Wega-Seifenkistenrennen und rasten mit ihren Boliden dem Ziel an der Bankstrasse entgegen.

Rudolf Steiner
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Karl Manz aus Warth rast mit seinem Enkel Samuel im Cockpit dem Ziel entgegen. (Bild: Rudolf Steiner)

Karl Manz aus Warth rast mit seinem Enkel Samuel im Cockpit dem Ziel entgegen. (Bild: Rudolf Steiner)

WEINFELDEN. Nicht nur weil es vor und während des ersten Laufs regnete, gingen alle Fahrer den ersten Lauf vorsichtig an. Denn die 560 Meter lange Strecke mit 36 Metern Höhendifferenz präsentierte sich im nassen Zustand als heimtückisch und anspruchsvoll. Vor allem die kniffligen Passagen beim S unterhalb der Einmündung Bienenstrasse und die finale Doppelkurve beim Übergang beim Restaurant Stiefel verlangte von den tollkühnen Pilotinnen und Piloten Fingerspitzengefühl.

Wahl zwischen Bremsen und Tempo

Während die weniger Mutigen aufs Bremspedal traten und damit Tempo verloren, das dann weiter unten fehlte, gingen die «Bleifüsse» das Risiko ein, einen Ausflug in einen benachbarten Garten mit entsprechendem Zeitverlust hinzunehmen und zudem womöglich noch den fahrbaren Untersatz zu beschädigen. Nachdem sich aber das Wetter im Laufe des Sonntags merklich besserte und beim letzten Lauf sogar teilweise die Sonne schien, schwand auch das Risiko, wegen zu hohem Tempo von der Strecke zu fliegen. Durch diesen Umstand wagten auch praktisch alle Fahrer mit jedem Lauf mehr und erzielten so neue persönliche Bestzeiten.

Das Wega-Seifenkistenrennen war gleichzeitig der letzte Meisterschaftslauf des Schweizerischen Seifenkistenvereins und entschied durch die doppelte Punktevergabe in mehreren Kategorien über den Schweizer- Meister-Titel. So holte sich die Präsidentin des SSK, die 53jährige Bernadette Schmid aus Schlatt TG, mit dem Sieg am Wega-Rennen zum wiederholten Male den Titel in ihrer Kategorie. Gar nicht am Start war der ehemalige Junioren-Europameister und mehrfache Schweizer Meister Jan Schmid, der das Rennen nur als Zuschauer am Streckenrand verfolgte und mit seiner Mutter mitfieberte. «Ich habe im Moment kein konkurrenzfähiges Fahrzeug. Das ist noch im Bau und kann erst nächste Saison eingesetzt werden», sagte der 20jährige Landmaschinenmechaniker aus Schlatt. Ebenfalls als interessierter Zuschauer am Streckenrand verfolgte der 93jährige Dorfhistoriker und pensionierte Primarlehrer Eugen Alder aus Märstetten das Rennen. «Ich kann mich noch gut erinnern, als meine Söhne am Rennen mitgemacht haben. Das war in den Fünfzigerjahren und die Fahrzeuge bestanden tatsächlich noch aus Seifenkisten der Firma Steinfels», sagte Alder.

Der letzte Lauf bringt die Bestzeit

Buchstäblich das Tüpfchen aufs i setzte mit seinem dritten Lauf im allerletzten Lauf des diesjährigen Seifenkistenrennens der 49jährige Markus Müller aus Mühleberg BE. Er schaffte die Tagesbestzeit und übt im Schweizerischen Seifenkistenverein das Amt des technischen Delegierten aus. Seine 43,5 Sekunden entsprechen für die Strecke in Weinfelden einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 46,345, wobei die Höchstgeschwindigkeit auf den schnellsten Streckenabschnitten natürlich einiges schneller war. Damit bei den diversen Abflügen ins Grüne und in die Gärten nichts Schlimmes passiert, hatten die Organisatoren, die Jungwacht Weinfelden, die Strecke mit unzähligen Strohballen gesichert und die Funktionäre des Schweizerischen Seifenkistenvereins, die auch für die Zeitmessung zuständig waren, entschärften die Route mit Plastikpylonen. «Durch all diese Vorsichtsmassnahmen konnten wir auch den diesjährigen Anlass ohne Zwischenfälle und Unfälle und bei einigermassen annehmbaren Wetterverhältnissen vor viel Publikum problemlos abschliessen», sagte ein zufriedener OK-Chef Mathias Kuhlow.