WEINFELDEN: Stadt statt Dorf

Das Dorf soll im Zuge der Revision der Gemeindeordnung zur Stadt umbenannt werden. «Ich bin kein Turbo in dieser Frage, aber die Gelegenheit ist gut», sagt Gemeindepräsident Max Vögeli.

Mario Testa
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Max Vögeli, Gemeindepräsident von Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Max Vögeli, Gemeindepräsident von Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Max Vögeli, wird Weinfelden nun definitiv eine Stadt?
Den abschliessenden Entscheid fällt das Weinfelder Stimmvolk, zuvor muss auch das Gemeindeparlament noch darüber debattieren. Aber ja, es stimmt, der Gemeinderat beantragt die ­Namensänderung im Zuge der Revision der Gemeindeordnung.

Weinfelden dürfte sich seit bald acht Jahren Stadt nennen, 2009 wurde die Marke von 10000 Einwohnern geknackt. Warum kommt dieser Schritt erst jetzt?
Es ist allgemein bekannt, dass ich kein Turbo in dieser Angelegenheit bin. Ich sage immer: Nur wer keinen Namen hat, braucht einen Titel. Also deswegen machen wir es nicht, Weinfelden hat einen guten Namen. Aber im Zuge der Revision der Gemeindeordnung – sie ist schon über 15 Jahre alt, und in dieser Zeit hat sich vieles verändert – haben wir die Um­benennung im Gemeinderat besprochen und uns einstimmig für sie ausgesprochen. Es ist eine gute und passende Gelegenheit.

Hand aufs Herz, Weinfelden ist doch eigentlich längst eine Stadt. Weshalb haben Sie sich mit der Umbenennung so lange Zeit gelassen?
Das Tempo bestimmen die Gemeinden selbst. Aber es stimmt, Weinfelden übernimmt schon lange Zentrumsfunktionen, und von der Infrastruktur her sind wir eine Stadt. Aber ich unterscheide da gerne in harte und weiche Faktoren. Die harten sind die nackten Zahlen und wie gesagt die grosse Infrastruktur oder Zen­trumsfunktionen. Aber auf der anderen, der weichen Seite ist es in Weinfelden halt doch noch so, dass man sich kennt und auf der Strasse grüsst. Das ist etwas, was man in Städten kaum mehr erlebt, sie gelten als unpersönlich. Wir wollen aber auch nach der Umbenennung eine persönliche Gemeinschaft mit kurzen Wegen und offenen Türen bleiben.

Welche Reaktionen haben Sie auf den Entscheid zur Umbenennung bekommen?
Wir haben das Thema Stadt in einer Weiterbildung mit vielen Gemeindeparlamentariern kürzlich angesprochen. Die Reaktionen der Parlamentarier waren durchwegs positiv.

Was kostet die Gemeinde die Umbenennung in Stadt?
Ich denke, wir werden das pragmatisch lösen und die Anpassungen bei den Beschriftungen sukzessive angehen. Also nicht alles in einem teuren Rutsch gar mittels Kreditvorlage umsetzen – wobei, das ist meine Meinung. Über die Umsetzung entscheidet zum Schluss das Gemeindeparlament, aber wir wollen den Finanzrahmen schlank halten.

Wie geht es nun weiter? Wann ist Weinfelden eine Stadt?
Das Gemeindeparlament wird sich noch dieses Jahr mit der Revision der Gemeindeordnung befassen, eine Kommission einsetzen und über den Antrag des ­Gemeinderats entscheiden. Ich denke, 2018 werden die Weinfelderinnen und Weinfelder über die Gemeindeordnung und damit über die Stadtfrage an der Urne entscheiden können.

Weshalb ist Weinfelden eigentlich bereits im Städteverband dabei, auch wenn es noch keine Stadt ist?
Dank der Mitgliedschaft im Städteverband sind wir gut vernetzt und kommen auch direkt an ­Informationen, die Orte von unserer Grösse betreffen. Diese Vorteile wollten wir nutzen.