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WEINFELDEN: «Nun sind es 27 Jahre geworden»

Johannes Bodmer geht in den Ruhestand. 1990 wurde er Pfarrer in Evangelisch-Weinfelden. Damals hätte er nicht gedacht, dass er so lange bleiben würde. An einem anderen Ort aber hätte es für ihn nicht so schön sein können, sagt er in der Rückschau.
Esther Simon
Pfarrer Johannes Bodmer auf der Treppe zum evangelischen Kirchgemeindehaus in Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Pfarrer Johannes Bodmer auf der Treppe zum evangelischen Kirchgemeindehaus in Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Interview: Esther Simon

esther.simon@thurgauerzeitung.ch

Pfarrer Bodmer, hätten Sie sich bei Ihrem Amtsantritt vorstellen können, dass Sie 27 Jahre in Weinfelden bleiben?

Nein, das sicher nicht. Und doch gab es ein Thema, die Zeitdauer betreffend. Ich sagte damals an der Kirchgemeindeversammlung: «Wir möchten gern so lange in Weinfelden bleiben, damit unsere Kinder hier aufwachsen können.» Diese waren damals zwischen vier und sieben. Nun sind daraus 27 Jahre geworden. Und meine Frau und ich sind bereits Grosseltern!

Haben Sie sich bei Ihrem Amtsantritt Ziele gesetzt?

Ja. 1990 hatte die Evangelische Kirchgemeinde unruhige Zeiten hinter sich. Mein Vorgänger blieb nur zweieinhalb Jahre im Pfarramt. Und die beiden Pfarrer vorher hatten ernsthafte Auseinandersetzungen miteinander. Dabei spaltete sich die Kirchgemeinde in zwei Gruppen. Vor diesem Hintergrund erkannte ich: Hier braucht es vor allem Ruhe und Kontinuität. Um das zu erreichen, so schien es mir, könnte ich der richtige Mann sein. Das hat sich dann für mich erfreulicherweise bewahrheitet.

Haben das die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger auch so gesehen?

Ja. Noch nach Jahren haben sie mir von den schwierigen Zeiten erzählt und mir gedankt, dass ich Ruhe und Kontinuität ins Gemeindeleben gebracht habe.

Welches war das schönste Ereignis in Ihrer Amtszeit?

Das ist für mich die Tatsache, dass sich viele Freiwillige in der Kirchgemeinde engagieren. Die Gemeinde lebt dank dieser Leute. Diese Erfahrung war für mich immer wieder motivierend.

Und woran denken Sie nicht so gerne zurück?

Eine traurige Begebenheit war die Taufe eines Kleinkindes, das seit der Geburt um sein Leben zu kämpfen hatte. Im Familienrahmen fand diese Taufe in der Kirche statt. Das Kind ist dann bald darauf gestorben.

Wie sieht ein Arbeitstag eines Pfarrers in Weinfelden aus?

Das ist sehr unterschiedlich. Der Arbeitsbeginn ist meistens beschaulich, mit Zeit für mich und im Gebet zu Gott. Dann folgt die häufigste Tätigkeit: Vorbereitungen. Gottesdienste, Abdankungen, Religions- und Konfirmationsunterricht, Heimgottesdienste, Vorbereitung von Sitzungen. Und nicht zu vergessen: Beantworten von E-Mails, was jeweils schnell eine Stunde braucht. Ein Schwerpunkt sind jene Tätigkeiten, die nicht vorbereitet werden müssen: Seelsorgegespräche im Spital und im Dorf, Gespräche mit Angehörigen bei Todesfällen.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Predigtthemen gewählt?

Wer als Pfarrer predigt, sollte – wie eine Journalistin – mit offenen Augen und Ohren unterwegs sein, stets bereit, etwas aus dem Leben aufzugreifen. So ergaben sich für mich Themen, die ich mir notierte und zu gegebener Zeit im Gottesdienst aufgriff. Aktualitäten konnten sich auch aus Bibeltexten ergeben, die mich ansprechen. Von der Bibellektüre her liess ich mich inspirieren. Kürzlich bin ich durch einen Zeitungstext zu einem Thema gekommen. Der Text hatte den Titel «Vergeben ist menschlich». Als Predigtthema setzte ich folgende Worte: «Hat die Nächstenliebe Grenzen?». Ich wählte gerne kurze, prägnante Bibeltexte als Grundlage der Predigt.

In einer Predigt im März 2016 sagten Sie, dass es Gott gut mit uns meine. Woher kommt denn all das Unglück, die Krankheit?

Warum ist die Welt so, wie sie ist? Warum ist Gott so, wie er ist? Wir werden in die Welt hinein geboren, wie sie ist, und nicht, wie wir sie gerne hätten. Dazu gehören auch das Unglück und die Krankheit. Wir wählen sie nicht und haben sie trotzdem, letztlich ohne Erklärung. Man kann über Gott und sein Verhältnis zu uns philosophieren. Wir können uns Gott so vorstellen, wie wir ihn gerne hätten. Und wir können uns ausmalen, was wir tun würden, wenn wir Gott wären. In solchen Gedanken kann man sich verlieren. Doch jeder Mensch kann mitten in solchen Fragen im christlichen Glauben für sich festhalten: «In Jesus Christus zeigt sich mir Gott. In ihm sehe ich, dass es Gott gut meint mit uns.»

In den 27 Jahren hat die Form des Gottesdienstes einen grossen Wandel durchgemacht: Vom Orgelspiel, dem Gemeindegesang und der Predigt im Mittelpunkt bis hin zu Theatereinlagen und dem Singen von Liedern in englischer Sprache ab Leinwand. Ist diese neue Form ein Zugeständnis an die moderne Zeit?

So, wie Bibeln immer wieder neu übersetzt werden müssen, damit sie verstanden werden können, so muss auch die Form des Gottesdienstes beweglich sein. Das ist ein reformatorischer Grundsatz, an den wir im gegenwärtigen Luther-Jubiläumsjahr speziell denken. Entscheidend ist, wie mit der Form und dem Inhalt des Gottesdienstes umgegangen wird. Die Form soll sich verändern, der Zeit anpassen. Der Inhalt muss der gleiche bleiben, nämlich die Gute Nachricht Gottes, das Evangelium.

Zum Thema Ehebruch predigten Sie, dass sich ein Mann immer so verhalten müsste, als ob die Ehefrau neben ihm stünde. Ist Christ sein anstrengend?

Für ein glückliches Leben sind unser Denken und Verhalten grundlegend. Dazu sind die jüdisch-christlichen Werte eine grosse Hilfe: Die Zehn Gebote, das Unser-Vater-Gebet, das dreifache Liebesgebot. Dort, wo wir uns selber schützen können vor negativen Einflüssen, sollen wir es tun. Es ist also nicht gesetzlich gemeint, dass sich ein Mann immer so verhalten muss, wie wenn seine Frau neben ihm stünde. Das gilt natürlich auch für die Frau! Doch diese Haltung soll eine Hilfe sein. Der Glaube möchte Lebenshilfe sein.

Würden Sie wieder Pfarrer sein wollen in Weinfelden?

Da kann ich klar sagen: Ja. Ich habe mich im Dorf und in der pfarramtlichen Arbeit sehr wohl gefühlt, dass ich ab und zu gedacht habe: An einem anderen Ort könnte es für mich nicht so schön sein. Anfügen kann ich hier noch: Herzlichen Dank für das Wohlwollen, das ich und auch meine Frau erleben durften.

Welcher ist Ihr Lieblingsvers in der Bibel?

Da gibt es mehrere. Den letzten Satz im Matthäus-Evangelium finde ich besonders schön. Dort sagt Jesus: «Das sollt ihr wissen: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.»

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