WEINFELDEN: «Man muss ersetzbar sein»

Kaum wahrgenommen von der breiten Öffentlichkeit, ist im Dorf eine Ära zu Ende gegangen. Der Sozialdemokrat Fritz Streuli ist aus dem Vorstand seiner Partei zurückgetreten. Mit einem bemerkenswerten Argument.

Esther Simon
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Wenn Fritz Streuli im Gemeindeparlament spricht, hören die Leute zu, wie die Gemeinderäte Walter Strupler und Hans Eschenmoser. (Bild: Mario Testa (Weinfelden, 15. September 2016))

Wenn Fritz Streuli im Gemeindeparlament spricht, hören die Leute zu, wie die Gemeinderäte Walter Strupler und Hans Eschenmoser. (Bild: Mario Testa (Weinfelden, 15. September 2016))

Esther Simon

esther.simon@thurgauerzeitung.ch

Der 54-jährige Fritz Streuli ist kein Mann der grossen Worte. Was andere als hohe Auszeichnung betrachten – das Präsidium des Weinfelder Gemeindeparlamentes – war für ihn «nicht der Höhepunkt». Aber das Präsidium des Parlamentes 2005/2006 sei sicher ein besonderes Jahr gewesen, räumt er ein. Gleich verhält es sich mit seinem Austritt aus dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Weinfelden nach 18-jähriger aktiver Mitarbeit: schon bald als Co-Präsident und dann als langjähriger Präsident der Partei. «Man muss ersetzbar sein», sagt Streuli zu seinem Schritt.

Höhepunkte, das sind für Fritz Streuli nicht die Ämter. Es sind vielmehr die Augenblicke, «in denen man eine Idee hat und im Parlament eine Mehrheit für diese Idee gewinnen kann». Ein Beispiel: «Der Gemeinderat wollte die Bürglenstrasse ausbauen. Als ich mir das Vorhaben an Ort und Stelle ansah, kam ich zum Schluss, dass das ein – damals - unnötiges Projekt ist für den Nutzen, den es bringen soll», sagt Streuli. «Im Gemeindeparlament sprach ich dann – mit Unterstützung anderer Parlamentsmitglieder – gegen diese Vorlage mit dem Resultat, dass das Geschäft abgelehnt wurde.»

Anwohner vom Staub und Dreck entlastet

Die Ablehnung hatte einen angenehmen Nebeneffekt für die Anwohner. «In der Folge wurde die Zufahrt zur Gärtnerei Spirig ab der Fallenwiesstrasse bis zu den Verladerampen geteert. Dadurch wurden die Menschen vom Staub und Dreck entlastet.» Ein anderer Erfolg in Fritz Streulis Geschichte als SP-Politiker war die Aufhebung der Einbahnstrassen für Radfahrer im Dorf. Darauf ist er auch heute noch ein bisschen stolz.

Der gebürtige Münchwiler Fritz Streuli kam 1985 erstmals nach Weinfelden, wohnte vorübergehend in Amriswil und kam 1991 zurück. 1999 wählten die Weinfelder den gelernten «Bähnler» in das Gemeindeparlament, im gleichen Jahr trat Streuli in die Sozialdemokratische Partei seines Wohnortes ein. Fast 18 Jahre im Vorstand der Ortspartei, das müsse nun reichen, sagt er. «Es ist nicht gut, wenn eine Partei zu stark auf eine Person angewiesen ist.» Streuli wird aber nach wie vor aktiv politisieren «für eine hoffentlich erfolgreiche SP Weinfelden». Auch dem Gemeindeparlament bleibt er erhalten. Wenn Streuli mit gemächlichen Schritten zum Rednerpult schreitet und dort seine wohl überlegten Argumente vorträgt, dann hören ihm die Leute zu. «In der SP die Fäden hinter den Kulissen ziehen werde ich künftig ganz sicher nicht», sagt Streuli. Man glaubt es ihm.