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WEINFELDEN: Kampf gegen Asylentscheid: Thurgauer Fussballer sammeln lieber Unterschriften als zu trainieren

Die A-Junioren des Fussballclubs Weinfelden-Bürglen tauschen am Donnerstagabend die Fussballschuhe gegen Stift und Unterschriftbogen ein. Sie wollen ein Zeichen setzen gegen den negativen Asylentscheid ihres Teamkollegen Yaya Baldeh.
Isabella Gomez
Die ganze Mannschaft des FC Weinfelden-Bürglen setzt sich für Yaya Baldeh (sechster von rechts) ein. (Bild: Isabella Gomez)

Die ganze Mannschaft des FC Weinfelden-Bürglen setzt sich für Yaya Baldeh (sechster von rechts) ein. (Bild: Isabella Gomez)

Wieder stehen die A Junioren des FC Weinfelden-Bürglen da und sammeln Unterschriften für ihren Teamkollegen Yaya Baldeh. Nicht einmal eine Woche ist vergangen und die Mannschaft hat bereits rund 700 Unterschriften gesammelt – und das war vor der Sammelaktion am Donnerstagabend. Seit dem 7. März werden auch Online Unterschriften gesammelt. Nach nur zwei Tagen waren es dort bereits über 2000 Unterschriften. Mit der Aktion will die Mannschaft zeigen, wie viele Leute hinter Yaya Baldeh stehen und ein Zeichen gegen seinen negativen Asylentscheid setzen. Im besten Fall wollen sie erreichen, dass er in der Schweiz bleiben kann.

Sehr viele Leute aus der ganzen Schweiz unterstützen die Aktion. In der Online-Unterschriftensammlung nennen viele den Grund, warum sie für Yaya Baldeh unterschreiben. Oft erwähnte Begründungen sind, dass er sich gut integriert habe und die Chance verdient hätte hier zu bleiben oder dass er in seinen jungen Jahren eine sichere Zukunft haben solle. Trotzdem gibt es auch einige, die dagegen sind. «Gerade sind wir auf einem älteren Mann zugegangen, er sagte, er unterschreibe sicher nicht, denn er müsse schon genug für ‹solche Leute› zahlen», sagt Teamkollege Jelle Erni. Auch unter dem Bericht über die Unterschriftenaktion auf 20 Minuten seien einige Hasskommentare zu lesen gewesen. Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag sei nun sogar eingestellt worden. Einige kritisierten, dass nur, weil Yaya Baldeh gut Fussball spiele, es nicht gleich heissen müsste, dass er in der Schweiz bleiben kann, sagt Teammitglied Rinor Hiseni. «Es geht hier aber nicht um den Fussball, es geht um ihn als Person.»

Die ganze Mannschaft setzt sich für Yaya Baldeh ein

Angefangen hat die ganze Unterschriftenaktion im Chat der A-Junioren des FC Weinfelden-Bürglen, als Yaya Baldeh sein Team darüber informierte, dass sein Asylgesuch definitiv abgelehnt wurde. «Da kam die Idee Unterschriften dagegen zu sammeln und alle waren sofort dabei», sagt Hiseni. Er habe sogar das Gefühl gehabt, dass beim Heimspiel vergangenen Sonntag, als die Aktion begann, mehr Besucher auf den Tribünen sassen – und das nur um für den 18-Jährigen zu unterschreiben.

Yaya Baldeh ist seit dem Jahr 2016 in der Schweiz, seit Sommer 2017 spielt er in der Mannschaft des FC Weinfelden-Bürglen. «Es gibt Asylanten, die sich nicht richtig benehmen, nichts Sinnvolles in ihrer Freizeit machen, sich nicht integrieren und hierbleiben dürfen. Yaya hat sich integriert, ist Mitglied eines Vereins und sucht auch eine Lehrstelle. Und genau er muss gehen», sagt Rinor Hiseni.

Die Aktion hat sich rumgesprochen

Die A-Junioren des FC Weinfelden-Bürglen haben am Donnerstagabend auf das Training verzichtet, um Unterschriften am Weinfelder Bahnhof sammeln zu können. Yaya Baldeh ist sehr froh über die Unterstützung seiner Teamkollegen. «Es ist sehr schön zu sehen, dass sich die ganze Mannschaft für mich einsetzt», sagt er.

Die Unterschriftenaktion hat sich bereits rumgesprochen, das ist keine Frage. Denn es gibt mehrere Passanten am Bahnhof, die selbst zu der Mannschaft hingehen und fragen, ob sie die seien, die Unterschriften für einen Teamkollegen sammeln und ob sie auch unterschreiben können.

Die Mannschaft ist überrascht, dass sich die Aktion so schnell verbreitet hat und sie so stark unterstützt wird. Schüler, Lehrer, Bekannte und auch Unbekannte setzen sich für Yaya Baldeh ein. «Sogar der Schweizer Rapper Nemo hat die Aktion auf den sozialen Medien unterstützt», sagt Finn Ziegler, Torhüter der Mannschaft. Sogar Leute, die nicht in der Mannschaft sind, helfen mit bei der Unterschriftensammlung. «Ein Freund von mir hat Unterschriften im BBZ gesammelt. Die Geschichte hat mich sehr berührt, nun helfe ich ihnen auch beim Sammeln», sagt Valdrin Dalipi aus Wängi, der am Donnerstabend extra nach Weinfelden kam, um die Aktion zu unterstützen. Er hofft, dass die Leute mit dieser Aktion aufgeweckt werden und Yaya helfen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

«Falls die Aktion nichts bringen sollte, werden wir einfach die Zeit mit ihm geniessen», sagt Rinor Hiseni. Aufgeben komme aber für die Mannschaft nicht in Frage. Morgen werden am Heimspiel des FC Weinfelden-Bürglen noch mal Unterschriften gesammelt. Dann werden alle Unterschriften – Online und auf dem Papier – zusammengezählt. «Danach werden wir sehen, wie es weitergeht», sagt Finn Ziegler.

Nachgefragt: «Wir zeigen uns solidarisch»

Der Migrationsbeirat des Bezirks Weinfelden hat den Artikel der Thurgauer Zeitung über die Unterschriftensammlung für Yaya Baldeh auf Facebook geteilt. Präsidentin Eva Dal Dosso erklärt, warum sie die Aktion unterstützen.

Wie denkt der Migrationsbeirat über die ganze Situation?
Wir finden es wichtig, ein Zeichen zu setzen und zeigen uns solidarisch mit dem Anliegen des FC. Wir hoffen, dass Yaya die Chance bekommt, hierzubleiben und sich seine Zukunft hier in der Schweiz aufbauen kann.

Haben Sie schon einmal von einer solchen Aktion gehört?
Vergangenes Jahr gab es in Deutschland eine ähnliche Situation. Mithilfe von Anwälten hatte die Aktion schliesslich Erfolg.

Könnte Ihr Verein helfen?
Nein. Wir geben sozusagen Migranten eine Stimme, für den Asylbereich sind wir aber nicht zuständig. (igz)

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