WEINFELDEN: Jetzt wird gebohrt statt gepfählt

In zehn Tagen kommt wieder Bewegung auf die Baustelle des Primarschulzentrums Elisabetha Hess. Massive Bohrpfähle bis zur Moräne sollen den Baugrund nun ausreichend stabilisieren.

Mario Testa
Merken
Drucken
Teilen
Nur die Bodenplatten sind vom Rohbau des neuen Primarschulzentrums noch übrig. Mitte Oktober beginnen hier die Bohrarbeiten zur Stabilisierung des Baugrunds. (Bild: Mario Testa)

Nur die Bodenplatten sind vom Rohbau des neuen Primarschulzentrums noch übrig. Mitte Oktober beginnen hier die Bohrarbeiten zur Stabilisierung des Baugrunds. (Bild: Mario Testa)

WEINFELDEN. Die Zeit der Analysen und Planungen ist vorbei. Gestern hat die Totalunternehmerin Implenia AG mitgeteilt, wie sie nach dem Abbruch des Rohbaus nun weiter vorgehen wird auf der Baustelle Elisabetha Hess. Die Ingenieure haben beschlossen, den instabilen Baugrund mit etwa 70 Betonpfählen zu stützen. Diese werden nicht wie beim ersten Mal in den Boden gerammt, sondern gebohrt, zudem sind sie deutlich massiver. «Die neue Ausführung sieht vor, dass mit einem grossen Bohrgerät ein Loch in den Baugrund bis auf die Moräne gebohrt wird. Beim Herausziehen des Bohrers wird unter Druck Beton ins Loch eingebracht», schreibt die Implenia in der Mitteilung. Diese Methode verursache weniger Immissionen für die Anwohner als das Rammen. Die Löcher und damit auch die Betonsäulen die darin entstehen, haben einen Durchmesser von 80 Zentimetern. In zehn Tagen etwa soll das rund 100 Tonnen schwere Bohrgerät in Weinfelden auffahren und mit den Arbeiten beginnen.

Am gleichen Ort und in gleicher Form

«Wir sind froh, dass wir jetzt wissen, es geht weiter, und auch, wie es weitergeht», sagt Primarschulpräsident Thomas Wieland. Auch der Terminplan stehe, mit der Fertigstellung des Schulhauses kann im Juli 2018 gerechnet werden, pünktlich auf den Start ins Schuljahr. Auch wenn zwischenzeitlich nicht klar war, wie es nach der Bodenverflüssigung und der damit verbundenen Senkung der Bauten weitergehen sollte, an das schlimmste Szenario habe er keinen Gedanken verloren, sagt Wieland. «Ein Szenario Projektabbruch gab es nie! Es war klar, dass das Schulhaus am gleichen Ort und in gleicher Form gebaut wird.» Zwar sei man sich in der Behörde und beim Totalunternehmer des schwierigen Baugrunds bewusst gewesen, alle Fachleute hätten jedoch betont, dass Bauen dort möglich sei, wenn auch unter erschwerten Bedingungen.

Nur der Beton kostet die Schulgemeinde mehr

Auf den Kredit für den Schulhausbau hat der Rückbau und die erneute Bodenstabilisierung wenig Einfluss. Laut Thomas Wieland sollte der gewährte Kredit reichen. «Rückbau und Wiederaufbau sind ein Versicherungsfall für den Totalunternehmer. Die Differenz zur ursprünglichen Variante für die Primarschulgemeinde Weinfelden ist nur das zusätzliche Material durch die dickeren Pfähle und die verstärkte Fundation.» Mit dieser möglicherweise nötigen Massnahme im Hinterkopf sei die Kostenschätzung auch gerechnet worden, daher sollte der Baukredit von knapp 22 Millionen Franken reichen.

Laut der Implenia ist der Rückbau des eingesackten Rohbaus planmässig verlaufen, und die Abbrucharbeiten sind abgeschlossen. Einzig die Bodenplatten verblieben, sie dienen dem schweren Bohrgerät als Stellfläche. Sobald die etwa einen Monat dauernden Bohrarbeiten abgeschlossen sind, werden auch die Bodenplatten zurückgebaut, und anschliessend wird mit dem Wiederaufbau begonnen.