Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WEINFELDEN: Ihr Stolz gehört dem Holz

Seit 48 und 49 Jahren arbeiten Roland Bartholdi und Kurt Brauchli bei der Bornhauser AG Holzbau. Sie gehen in den Ruhestand und sind froh, dass überall Zeugen ihrer Berufsarbeit stehen.
Kathrin Zellweger
Roland Bartholdi und Kurt Brauchli freuen sich auf den Ruhestand. (Bild: Kathrin Zellweger)

Roland Bartholdi und Kurt Brauchli freuen sich auf den Ruhestand. (Bild: Kathrin Zellweger)

Als ob es um ein Wettrennen gegangen wäre: Kurt Brauchli war bloss 121 Tage länger im Holzbaubetrieb tätig als Kollege Roland Bartholdi. Bei Brauchli waren es knapp 49, bei Bartholdi gut 48 Jahre. So was nennt sich Firmentreue. Für die Zimmerleute, die beide bei der Bornhauser AG Holzbau schon ihre Lehre gemacht hatten und dieses Jahr pensioniert werden, ist Firmentreue bloss die halbe Wahrheit: «Auch unsere Chefs – samt Chefinnen – hielten treu zu uns.»

Sie sagen nicht, was früher besser war

Brauchli war über die Jahre zum Treppen­spezialisten geworden, Bartholdi war der richtige Mann für den Innenausbau. Wo immer sie zugange waren, auf sie war Verlass. Die beiden gehören nicht zu jenen, die am Ende ihrer Berufszeit vor allem erzählen, was früher besser war. Kein Bedauern, dass nicht mehr nur Holz, sondern auch Materialien wie beispielsweise Gipsfaserplatten verarbeitet werden. Klar gebe es heute viele vorge­fertigte Produkte, die ehemals in zahllosen Stunden in der eigenen Werkhalle gefertigt wurden.

«Früher waren wir Hersteller, heute sind wir Monteure. Was soll’s!» So wie es war, war’s gut. So wie es ist, ist’s gut. Es sei nicht falsch, dass nun viele Handmaschinen zum Einsatz kämen. «Ist doch eine Entlastung, oder? Uns braucht es deswegen nicht we­niger», betont Bartholdi. Und Brauchli ergänzt: «Heute sieht man unsere Arbeit von aussen oft nicht mehr, weil Wand oder Fassade verkleidet wurden; wir aber wissen, dass das, worauf alles aufbaut, fast ausschliesslich aus Holz ist.» Einiges von dem, was Zimmerleute – «wir sind im Fall keine Schreiner!» – früher gebaut haben, hat längst Neuem weichen müssen: Das Hotel Krone wurde abgebrochen, die Decke im Saal des Thurgauerhofs wurde heruntergerissen. Verschmitzt lachend meint Bartholdi: «Nicht selten sind wir beim Neubau auch wieder dabei.» Gut ist dennoch, dass vieles Bestand hat: die Sporthalle Güttingersreuti, die Eishalle. «Vorzeigeobjekte, die mich mit Stolz erfüllen», sagt Brauch­li. Ihr unübertroffener berufli­cher Höhepunkt war die Arbeit im Schloss Weinfelden. Der dortige Turmaufbau, eine Zimmermannsarbeit erster Güte, wird noch lange nicht ersetzt werden, davon sind sie überzeugt.

Wehmut, dass sie sich von Arbeitskollegen und -platz verabschieden müssen, scheint sie nicht zu plagen. Einem Bau-Chnuschti und Chlütteri wird es auch zu Hause nicht langweilig. Trotzdem ist Kurt Brauchli dankbar, dass er vom Chef noch ab und an um Hilfe gebeten wird. Roland Bartholdi wird nun nicht nur am Wochenende mit seinem Oldtimer-Vollcabrio ausfahren, und bei Oldtimer-Treffen kann er sitzen bleiben, so lange er will.

Kathrin Zellweger

weinfelden@thurgauerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.