WEINFELDEN: Gewalt beginnt im Kleinen

600 Schülerinnen und Schüler des Bildungszentrums für Gesundheit und Soziales haben in den vergangenen zwei Wochen die Ausstellung «Willkommen zu Hause» besucht. Sie thematisiert das Thema Gewalt.

Mario Testa
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Doris Tokay, Leiterin der Fachstelle Häusliche Gewalt der Kantonspolizei Thurgau, in der Ausstellung «Willkommen zu Hause». (Bild: Mario Testa)

Doris Tokay, Leiterin der Fachstelle Häusliche Gewalt der Kantonspolizei Thurgau, in der Ausstellung «Willkommen zu Hause». (Bild: Mario Testa)

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

Zwangsheirat, Gewalt in der Beziehung, Streit in der Familie – die Ausstellung «Willkommen zu Hause» befasst sich mit allen Formen von häuslicher Gewalt. Die vergangenen zwei Wochen lang war die Luzerner Wanderausstellung zu Gast im Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales in Weinfelden. Die Ausstellung in den Thurgau geholt hat die Fachstelle Häusliche Gewalt der Kantonspolizei Thurgau. «Das Bedürfnis seitens der Lehrerschaft des Bildungszentrums, die Auszubildenden auf das Thema häusliche Gewalt zu sensibilisieren, ist gross», sagt die Fachstellenleiterin Doris Tokay. «Es hat etliche Schülerinnen und Schüler, die betroffen sind von Gewalt in der Beziehung oder Familie. Und wer selber Gewalt erfährt in der Jugend, ist später häufig selbst Täter. Deshalb sensibilisieren wir auf das Thema.»

Mit Bildern und Texttafeln, aber auch mit Videos und Tondokumenten greift die Ausstellung das Thema der Gewalt in den eigenen vier Wänden auf. Diese beginnt oft im Kleinen. «Es fängt an mit Erniedrigung, Beschimpfung und Mobbing – das geht heute ganz einfach über Facebook und Co.», sagt Doris Tokay. Viele junge Erwachsene hätten jedoch Mühe, die Gewalt als solche zu erkennen. «Es gibt junge Frauen, die eine permanente Überwachung des Freundes über die sozialen Medien als Liebesbeweis ansehen. Dabei bringt es sie dazu, ihr Verhalten zu ändern, sich aus Freundeskreisen zurückzuziehen, Hobbys aufzugeben oder gewisse Unternehmungen abzublasen.» Erschreckend sei auch die Häufigkeit von sexueller Gewalt. «Etwa jede vierte junge Frau ist davon betroffen in der Schweiz. Es fängt damit an, dass die Frauen mit ihren Freunden ins Bett gehen, auch wenn sie gar nicht wollen. Drei Viertel aller Frauen, die wir im Rahmen der bisherigen Ausstellung gefragt haben, ob sie mit ihrem Freund schlafen würden, nur weil er es will, antworteten mit Ja.»

Grenzen aufzeigen und Hilfe holen

Zwei Lektionen verbrachten alle Schülerinnen und Schüler des Bildungszentrums für Gesundheit und Soziales in den vergangenen zwei Wochen in der Ausstellung. Dazu gehört auch ein Gespräch mit einem Jugendsachbearbeiter der Kantonspolizei Thurgau. Dieser zeigt am Beispiel des Versendens von anzüglichen Bildern auch auf, wann sich die Absender und Empfänger strafbar machen. Wenn Jugendliche unter 16 Jahren von sich Nacktbilder verschicken oder solche auf dem Handy speichern, kann das Kinderpornografie sein, und die ist strafbar. «Die Augen werden jeweils ziemlich gross, wenn wir das den jungen Frauen und Männern erklären», sagt Doris Tokay.

Im Rahmen der Schullektionen in der Ausstellung erfahren die Schülerinnen und Schüler auch, wo sie Hilfe holen können, wenn sie Opfer von häuslicher Gewalt werden. «Für sie gibt es die Fachstelle Opferhilfe Thurgau. Es gibt aber auch die Beratung ‹Konflikt.Gewalt› für Täter. Dort lernen sie, mit ihren Aggressionen umzugehen», sagt Tokay.

Beratungsstellen

Für Opfer: www.opferhilfe-tg.ch

Für Täter: www.konflikt-gewalt.ch