WEINFELDEN: Gemeinsam statt einsam

Am Samstag trafen sich rund 50 Frauen und Männer zur traditionellen Weihnachtsfeier. Mit Andacht, Gebeten und Singen verbrachten sie Heiligabend mit anderen Alleinstehenden.

Rudolf Steiner
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Ein besinnliches Fest zu Heiligabend: Im katholischen Pfarreizentrum trafen sich Menschen in ähnlicher Situation zur Feier. (Bild: Rudolf Steiner)

Ein besinnliches Fest zu Heiligabend: Im katholischen Pfarreizentrum trafen sich Menschen in ähnlicher Situation zur Feier. (Bild: Rudolf Steiner)

Rudolf Steiner

weinfelden

@thurgauerzeitung.ch

Aus Weinfelden, Bussnang, Bürglen, Sulgen, Märstetten, Amlikon, Wigoltingen, ja sogar aus Aadorf, waren die vier Dutzend Frauen und Männer an diesem dunklen Dezemberabend ins Katholische Pfarreizentrum in Weinfelden gekommen. Antrieb und Motivation waren bei allen gleich. Sie wollten für einige Stunden der Einsamkeit entfliehen und das Weihnachtsfest mit anderen Alleinstehenden gemeinsam statt einsam feiern, Gemeinsamkeit, Nähe und Wärme spüren und zusammen einen Abend lang reden, singen, beten und speisen.

Jahrzehntealte Tradition

Als Organisatoren dieses beliebten Weihnachtanlasses wechseln sich die Evangelische und Katholische Kirchgemeinde Weinfelden jährlich ab. Geleitet wird sie von Pastoralassistentin Christine Rammensee von der Katholischen und Sozialdiakonin Regina Pauli von der Evangelischen Kirchgemeinde. Durchgeführt werden kann diese Veranstaltung aber nur, wenn sich auch freiwillige Helfer beteiligen und sich ­einen Abend lang um die meist älteren Besucherinnen und Besucher kümmern und sie bewirten. Denn neben dem gemeinsamen Singen gehört auch das Festtagsmahl dazu. Vorbereitet hat das feine Essen, Rüeblisuppe mit Orangenaroma, Sternen-Pastetli mit Reis, Erbsen und Karotten sowie Dessert, «Sunnebeck» Fritz Strassmann. Mit seiner Partnerin Rosemarie Gartenmann half er gleich auch noch tatkräftig beim Servieren mit. Wie diese beiden haben sich an diesem Abend auch Ingrid Häberlin am Keyboard, die Ehepaare Hanspeter und Vilma Meier und Ruedi und Elisabeth Winiger sowie Regina Bader engagiert. Sie haben, anstelle zu Hause mit der Familie, mit den alleinstehenden Frauen und Männern Weihnachten gefeiert.

Im Verlaufe des Abends öffneten sich beim persönlichen Gespräch im festlich geschmückten und beleuchteten Saal im Kirchenzentrum zum Teil auch die Herzen der Besucherinnen und Besucher. Man tauscht Erfahrungen und Schicksale miteinander aus. Munter erzählt man sich von schönen Erinnerungen an vergangene Weihnachtsfeiern.

Die eigene Familie ist nicht da

Wie die 78-jährige ehemalige Handarbeitslehrerin, die selber allein fünf Kinder grossgezogen hat und mittlerweile dreifache Grossmutter ist. «Nachdem auch der Jüngste geheiratet und selber Kinder hat, feiern alle Söhne und Töchter im Kreise ihrer eigenen Familie», erzählt sie mit etwas Wehmut. Oder der 52-jährige Mann, einer der Jüngsten an ­diesem Abend. Er ist in Deutschland, in einer Kleinstadt am Neckar, aufgewachsen, war Soldat in der Bundeswehr und hatte nie eine eigene Familie. Deshalb feierte er Weihnachten immer mit Freunden. Glücklich, mit vielen schönen neuen Erfahrungen und einer gelebten Prise Wärme und Zusammensein kehren die Frauen und Männer nach vier Stunden Gemeinsamkeit und dem gemeinsamen «Stille Nacht, heilige Nacht» in ihre eigene stille Einsamkeit zurück. Von den Organisatoren erhalten alle zur Über­raschung noch ein Weihnachtsgeschenk mit auf den Heimweg.