WEINFELDEN: Fest der Lichter, Lieder und Treffen

An der gestrigen Bochselnacht zogen die Schüler mit ihren Bochseltieren durch die Gassen. Später füllten sich die Gaststuben. Diverse Gruppen, Familien und Schulklassen veranstalten alljährliche Treffen.

Mario Testa
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Die Schülerinnen und Schüler der 1. bis 8. Klassen ziehen mit ihren Bochseltieren und Laternen durchs Weinfelder Zentrum. (Bild: Reto Martin)

Die Schülerinnen und Schüler der 1. bis 8. Klassen ziehen mit ihren Bochseltieren und Laternen durchs Weinfelder Zentrum. (Bild: Reto Martin)

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

Die «Wilde 13» sitzt am langen Ecktisch in der Wirtschaft zum Eigenhof. Eigentlich heissen sie einfach «Bochselnächtler», aber heuer sind es 13 Männer, die sich am für sie alle Jahre reservierten Tisch einfinden. Jeder von ihnen hat eine geschnitzte Runkel dabei, so wie sie zuvor zu Hunderten von den Weinfelder Schulkindern durch die Gassen getragen wurden. Auch die Kerze darf wie bei den Bochseltieren natürlich nicht fehlen, und wehe, das Lichtlein brennt nicht mindestens eine Stunde. «So eine Runkel ist Pflicht für uns», sagt Sam Pauli. «Jedes Mitglied hat mit einer selbst ausgehöhlten und geschnitzten Runkel zu erscheinen – so steht es in unseren Statuten. Ansonsten muss er eine Flasche Wein bezahlen; auch, wenn das Licht zu früh erlischt.» Als Tagespräsident gebührt Pauli der Platz am Kopf des Tisches.

Die Gruppe Männer hat sich im Jahr 1978 erstmals getroffen und daraufhin beschlossen, diese Bochselnacht-Treffen zur Tradition zu machen. 20 Paragrafen umfassen ihre Statuten, aber das Wichtigste ist die Geselligkeit. «Heute stehen Austausch und Geselligkeit im Vordergrund, früher haben wir auch noch viel gesungen», sagt Pauli. Das Liedbüchlein ist aber trotzdem immer dabei und eines daraus wollen die Männer mit ihren Orden um den Hals sicher noch singen, «Freut euch des Lebens».

Kennengelernt als Eltern – verblieben als Freunde

Auch die weiteren Weinfelder Restaurants sind an diesem Donnerstagabend gut gefüllt. Überall treffen sich ehemalige Klassenkameraden, Familien und Bekannte. «Wir sind alles Bähnler», sagt Walter Frauenfelder, der mit seiner Frau und drei Kollegen im Gasthaus zum Trauben sitzt. «Mit den Kindern ging es damals los. Da haben wir Eltern uns hier nach dem Umzug getroffen und diese Treffen haben auch 30 Jahre später noch Bestand.»

Die Generation ihrer Kinder feiert derweil bereits in den Bars beim Bahnhof und dem Festzelt auf dem Marktplatz. In der Thomas-Bornhauser-Turnhalle präsentieren die ältesten Sekschüler ihr grosses Theater und die Jüngsten liegen bereits im Bett nach ihrem langen Marsch quer durch den Weinfelder Ortskern. In den Tagen zuvor hatten sie in der Schule insgesamt rund vier Tonnen Runkeln ausgehöhlt, geschnitzt und auf den Stecken montiert – sie in ihre Bochseltiere verwandelt. Geraucht, wie es früher Brauch gewesen ist, hat aber keines der Kinder mehr.

«Es gehört zu den Bräuchen, dass sie sich wandeln. Sie verschwinden aber nicht, auch wenn die ursprüngliche Bedeutung manchmal verloren geht», sagte Gemeindeparlamentspräsident Martin Brenner zu Beginn des Abends bei der Eröffnung der Bochselnachtsitzung im Rathaussaal. An der Sitzung haben die Gemeindeparlamentarier acht Einbürgerungsgesuche bewilligt und einstimmig beschlossen, eine neunköpfige Arbeitsgruppe zur Vorberatung der Totalrevision des Baureglements und Zonenplans einzusetzen. Wortmeldung gab es nur seitens der Exekutive. Gemeindepräsident Max Vögeli stellte den Finanzplan vor und die Gemeinderäte Thomas Bornhauser und Valentin Hasler informierten über den Stand der Dinge zur Sanierung der Sporthalle Güttingersreuti.