WEINFELDEN: «Fertig truurig»

Einen Monat nach der Eröffnung seiner provisorischen Schuhmacherei hat Antonio Mente wieder alle Hände voll zu tun. Dank der vielen Arbeit schaut er jetzt zuversichtlich in die Zukunft.

Esther Simon
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Er hat wieder viel zu tun: Antonio Mente in seiner provisorischen Schuhmacherei im Haus Künzler in Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Er hat wieder viel zu tun: Antonio Mente in seiner provisorischen Schuhmacherei im Haus Künzler in Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Esther Simon

esther.simon@thurgauerzeitung.ch

Die Bilder der Katastrophe bekommt Antonio Mente einfach nicht aus dem Kopf. Zu schrecklich sind die Erinnerungen an den Brand, der zwei Tage vor Weihnachten das Wohn- und Geschäftshaus der Familie völlig zerstörte. Aber Antonio Mente hat einen mutigen Entschluss gefasst: Er will nicht mehr traurig sein und zuversichtlich in die Zukunft schauen. «Fertig truurig», sagt der 65-Jährige.

Gewaltigen Auftrieb gibt ihm seine Arbeit. Seit einem Monat kann er in seiner provisorischen Schuhmacherei im Erdgeschoss des Hauses Künzler wieder Schuhe, Gürtel und Taschen flicken und Reissverschlüsse reparieren. «Etwa 300 Kunden haben mir seit der Eröffnung Sachen zur ­Reparatur gebracht», sagt Mente nicht ohne Stolz. Es scheint fast so, als ob die Leute die Sachen zu Hause aufbewahrt und nur darauf gewartet hätten, bis Mente sein Geschäft wieder eröffnet. Tatsächlich: In den Gestellen waren vor einem Monat noch Schuhe ausgestellt, die Mente nach wie vor in seinem Geschäft verkauft. Jetzt sind auf den Tablaren dicht gedrängt all die Lederwaren versammelt, die der tüchtige Schuhmacher wieder in Ordnung bringen soll. Und auf dem Verkaufstisch und erst recht in der Werkstatt liegen zuhauf Lederstreifen, Sohlen und Nägel, fast wie in guten alten Zeiten in der ehemaligen Werkstatt.

Mente ist der Bürgergemeinde Weinfelden dankbar, dass sie ihm den grossen Raum bis auf weiteres vermietet hat. «Die Lage ist sehr gut, es hat genügend Parkplätze, und die Werkstatt befindet sich in der Nähe meines alten Hauses.» Diese Nähe ist Antonio Mente sehr wichtig. Täglich schaut er beim alten Haus vorbei. Er hofft, dass er nächstes Jahr mit seiner Familie in die wieder aufgebaute Liegenschaft einziehen kann. Dass Andreas, einer seiner Söhne, jetzt an drei Tagen im Geschäft arbeitet, freut Mente riesig. Andreas wird das Geschäft ­sicher übernehmen. «Dann ist es in guten Händen», sagte Mente.

Auch Tanja geht es wieder besser

Übrigens: Tanja, die siebenjäh­rige Hündin der Mentes, darf ihrem Meister wieder bei der Arbeit zuschauen. Nach der Brandnacht war sie völlig durcheinander und musste Tabletten schlucken. Jetzt scheint alles wieder gut zu werden.